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world of biodiversity

Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Entomologie III
 

ZOOLOGISCHE SUKZESSIONS-UNTERSUCHUNGEN IN HESSISCHEN NATURWALDRESERVATEN

Publikationen 

 

Dr. Jens-Peter Kopelke (Projektleitung)  E-Mail

Dr. Wolfgang H. O. Dorow (Koordination) E-Mail
Dipl. Biol. Theo Blick E-Mail
Dipl. Biol. Günter Flechtner (†)

 
   

Kooperationspartner:

 

Beteiligte Wissenschaftler/innen
(* aktuell beteiligte Wissenschaftler)

Forschungsinstitut Senckenberg:

Außerhalb des Forschungsinstitutes Senckenberg:

  • Andreas Allspach* (Gießen)
  • Dr. Werner Barkemeyer (Naturwissenschaftliches Museum Flensburg)
  • Dr. Daniel Burckhardt (Naturhistorisches Museum, Schweiz: Basel)
  • Dipl. Biol. Marianne Demuth-Birkert (Linsengericht)
  • Dipl. Biol. Johann Hermann Falkenhahn (Ebsdorfergrund)
  • Prof. Dr. Konrad Fiedler (Zool. Inst. der Universität, Bayreuth)
  • Dr. Axel Gruppe* (Freising)
  • Michael Hoffmann* (Rosenthal)
  • Prof. Dr. Wilhelm Hohorst (Frankfurt am Main)
  • Dipl.-Volkswirt Frank Köhler* (Bornheim)
  • Dipl. Forstw. Helmut Kolbeck (Landshut)
  • Christian Kutzscher* (Müncheberg)
  • Dr. Pavel Lauterer (Moravian Museum, Tschechien: Brno)
  • Dipl. Biol. Beate Löb (Schlüchtern)
  • Dipl. Biol. Andreas Malten (Dreieich)
  • Prof. Dr. Massimo Olmi (Università degli Studi della Tuscia, Italien: Viterbo)
  • Prof. Dr. Reinhard Remane (Zool. Inst. der Universität, Marburg)
  • Dr. Jörg Römbke* (Mörfelden)
  • Jeroen De Rond* (Niederlande: Lelystad)
  • Dipl. Biol. Sabine Schach (Altendiez)
  • Nico Schneider* (Luxembourg)
  • Dr. Jürgen Schulz* (Görlitz)
  • Prof. Dr. Stephan Vidal (Inst. Pflanzenpathologie der Universität, Göttingen)
  • Dr. Beate Wolf* (Schlitz)
  • Reiner Zell (Rodenbach)
  • Dipl. Biol. Petra Zub* (Frankfurt am Main)

 

Darüber hinaus gaben zahlreiche Kollegen des In- und Auslandes hilfreiche Unterstützung:

Dr. Kees van Achterberg (Natuurhist. Museum, Leiden, Niederlande), Dr. Jean-Paul Aeschlimann (International Organisation for Biology, Frankreich: Montpellier), Dipl. Biol. Werner Böhle (Gießen), Dr. Alfred Buschinger (Universität Darmstadt), P. Andreas Werner Ebmer (Österreich: Puchenau, Dr. Johannes Frisch (Museum für Naturkunde, Berlin), Dr. Hannes Günther (Ingelheim), Prof. Dr. Ernst Heiss (Tiroler Landesmuseum Entomol. Res. Group, Österreich: Innsbruck), Prof. Dr. Klaus Horstmann (Zool. Inst. der Universität, Würzburg), Dr. Sigfrid Ingrisch (Bad Karlshafen), Prof. Dr. Ulrich Maschwitz (Universität Frankfurt am Main), Dr. Jenö Papp (Nat. Hist. Museum Budapest, Ungarn), Prof. Dr. Pierre Rasmont (Belgien: Universität Mons), Wolfgang Rücker (Neuwied), Dr. Christoph Saure (Fachbereich Biologie, FU Berlin), Dr. Christian Schmid-Egger (Herrsching), Dr. Maximilian Schwarz (Österreich: Ansfelden), Dr. Bernhard Seifert (Museum Görlitz), Dr. Jörg Spelda (Karlsruhe), Dr. Stefan Tischendorf (Darmstadt), Dr. Paul Westrich (Kusterdingen), Stud. Dir. Heinrich Wolf (Plettenberg).

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Seit etwa 30 Jahren (verstärkt seit dem Naturschutzjahr 1970) werden in ganz Deutschland Naturwaldreservate ausgewiesen, um eine Palette an Totalreservaten zu erhalten, die eine ungestörte Entwicklung von Waldlebensgemeinschaften zulassen und deren Erforschung ermöglichen. Im Einzelnen werden folgende vier Ziele angestrebt:

  • Erhaltung, Schutz und Wiederherstellung natürlicher Waldlebensgemeinschaften in ihrer für den Lebensraum typischen Arten und Formenvielfalt
  • Grundlagenforschung zur Waldlebensgemeinschaft (Böden, Vegetation, Waldstruktur, Fauna)
  • Erhalt von Weiserflächen für den Waldbau (Ableitungen für vergleichbare Wirtschaftswald-Standorte, z. B. in Bezug auf Waldverjüngung und Waldpflege)
  • Erhalt von Weiserflächen für Naturnähe,
    • an denen das Funktionieren des Naturhaushalts und der Grad seiner Beeinträchtigung gegenüber der genutzten Landschaft gemessen werden kann
    • die als Maßstäbe für Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Biotopbewertungen dienen können
    • die als Eichflächen für die Standortskartierungen verwendet werden können
Habitat Schotten

Naturwaldreservate sind die "Urwälder von Morgen", der Mensch greift nicht mehr direkt in die Entwicklung des Waldes ein.

Die Situation in Hessen

Die Untersuchungen erfolgen in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Federführend für die hessischen Untersuchungen ist die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen, die auch die waldkundlichen und botanischen Untersuchungen durchführt. Die ersten Naturwaldreservate in Hessen wurden 1987 eingerichtet. Heute existieren 31 Gebiete mit mehr als 1200 Hektar Fläche, die vollständig aus der Nutzung genommen wurden. Neben diesen Totalreservaten (auch Kenflächen genannt) wurden in Hessen meist direkt angrenzend Vergleichsflächen eingerichtet, die naturnah weiterbewirtschaftet werden. Das Spektrum der Naturwaldreservate in Hessen soll - verteilt über alle Höhenzonen und geologischen Landschaften - die Standortspalette des Waldes in unserem Bundesland möglichst gut wiedergeben. Dem Landescharakter entsprechend handelt es sich vorwiegend um Buchenwälder, daneben sind aber auch Stiel- und Traubeneichen-, Kiefern- und Fichtenwälder repräsentiert.

Erstes Ziel bei den Untersuchungen ist eine möglichst aussagekräftige Inventur dieser Waldflächen, an der Forstleute, Botaniker und Zoologen beteiligt sind. Über periodische Wiederholungsuntersuchungen soll es in Zukunft möglich sein, die Entwicklung der Wälder nachzuzeichnen und Unterschiede zwischen den unbewirtschafteten "Urwäldern von morgen" und den Wirtschaftswäldern herauszuarbeiten.

Das Forschungsinstitut Senckenberg wurde im Jahre 1990 mit der Erarbeitung eines Konzeptes für zoologische Untersuchungen beauftragt. Mit reproduzierbaren Methoden soll eine möglichst umfassende Bestandsaufnahme der Tierwelt in den Naturwaldreservaten, d. h. sowohl in der Kern- wie auch in der Vergleichsfläche erreicht und durch Wiederholungsuntersuchungen der Verlauf der Sukzession langfristig dokumentiert werden.

Durchführung der Untersuchungen

Zu Beginn erfolgt eine Kartierung zoologisch relevanter Habitate und Requisiten und darauf basierend die Festlegung der Fallenstandorte. Ein breites Fallenspektrum (ca. 140 Fallen pro Naturwaldreservat bestehend aus Bodenfallen, Stammeklektoren an lebenden, toten stehenden und toten liegenden Bäumen, Stubben- sowie Totholzeklektoren (für Astholz), Fensterfallen und blauen, gelben und weissen Farbschalen), das das Arteninventar zahlreicher Tiergruppen repräsentativ erfasst, wird pro Gebiet zwei Jahre lang eingesetzt und von März bis November monatlich geleert.

Stammeklektor

Eklektor an einem freiliegenden Buchenstamm 

(Fotos Kopelke)

 

Stammeklektor

   

Stammeklektor an einer abgestorbenen Buche

Parallel werden gezielte Aufsammlungen, ornithologische Begehungen und lepidopterologische Licht- und Köderfänge durchgeführt. In einer Synthesephase wird das Fallenmaterial auf Ordnungsniveau aussortiert, in einer Probenbank archiviert und an die Spezialisten verteilt, determiniert und diese Daten EDV-gespeichert. Folgende Tiergruppen werden standardmässig in allen Reservaten untersucht: Regenwürmer (Lumbricidae), Spinnen (Araneae), Wanzen (Heteroptera), Käfer (Coleoptera), Stechimmen (Hymenoptera: Aculeata), Großschmetterlinge (Makro-Lepidoptera) und Vögel (Aves). Weitere Tiergruppen werden wenn möglich auf ehrenamtlicher Basis ebenfalls bearbeitet. Aus den ermittelten Daten wird für jedes Naturwaldreservat eine Gebietsmonographie erstellt. Nachdem alle Naturwaldreservate inventarisiert wurden, erfolgt der nächste Untersuchungsdurchgang zur Ermittlung erster Veränderungen im Laufe der Sukzession. Das Projekt ist zeitlich unbegrenzt.

Untersuchte Hessische Naturwaldreservate:

  • 1990-1992: "Niddahänge östlich Rudingshain" (Forstamt Schotten), Vogelsberg [montaner Zahnwurz-Buchenwald, Schlucht- und Blockwald]
  • 1990-1992: "Schönbuche" (Forstamt Neuhof), Vogelsberg [submontaner Hainsimsen-Traubeneichen-Buchenwald]
  • 1991-2001 Sonderuntersuchung im Naturwaldreservat "Weiherskopf" (Forstamt Schlüchtern) [Windwurffläche]
  • 1994-1996: "Goldbachs- und Ziebachsrück" (Forstämter Nentershausen und Bad Hersfeld) [submontaner Hainsimsen-Traubeneichen-Buchenwald]
  • 1994-1996: "Hohestein" (Forstamt Bad Soden Allendorf) [submontaner bis montaner Waldgersten-Buchenwald]
  • 1999-2001: "Haasenblick" (Forstamt Burgwald) [submontaner Hainsimsen-Traubeneichen-Buchenwald]
  • 1999-2001: "Kinzigaue" (Forstamt Wolfgang) [Stieleichen/Hainbuchenwald/Hartholzauae]
  • 2003-2005: "Stirnberg" (Forstamt Hilders) [obermontaner Zahnwurz-Bergahorn-Buchenwald im Biosphärenreservat Rhön]
  • 2007-2009: "Locheiche" (Forstamt Edertal) [montaner Waldschwingel-Buchenwald im Nationalpark Kellerwald-Edersee]