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Aktuopaläontologie

Bioinvasion : die Pazifische Auster Crassostrea gigas im Niedersächsischen Wattenmeer

                                                                                                                                                                    Die Pazifische Auster
                                                                                                                                                                                     Die Projekte

Austern gab es an der deutschen Nordseeküste schon immer, nur wurde die einst heimische Europäische Auster (Ostrea edulis) durch permanente Überfischung im Zusammenspiel mit kalten Wintern und Parasitenbefall seit dem 18. Jahrhundert in der Deutschen Bucht ausgerottet.

Vorkommen der Europäischen Auster um 1883 

Vorkommen der einheimischen Auster (Ostrea edulis); Karte: Olsen, 1883

Die letzten Europäischen Austern verschwanden um 1940. Als Ersatz für die kommerziell genutzte Europäische Auster gab es seit 1913 mehrere Versuche exotische Austernarten im Niedersächsischen Wattenmeer zu kultivieren. Diese Versuche waren alle nicht erfolgreich, da meist durch zu kalte Winter die Versuchsbestände eingingen. Durch die niedrigen Wassertemperaturen, die an der deutschen Küste vorherrschen, war die Meinung verbreitet, dass Muschelarten wie die Pazifische Auster (Crassostrea gigas), die aus wärmeren Gewässern stammt, sich in der Nordsee nicht selbständig vermehren können. Daher wurde auch in den ersten Versuchen und den später erfolgreichen Aquakulturen keine Gefahr für die südliche Nordseeküste gesehen. Der erste Erfolg in der Austernkultivierung gelang mit der Einführung der Pazifischen Auster 1965 in die Oosterschelde (Holland). In Deutschland gibt es mit dieser Art eine Austernzucht seit 1986 auf der Insel Sylt.

Die ersten Brutfälle wurden dann nach warmen Sommern in der Osterschelde 1975 und auf Sylt 1991 festgestellt. Seitdem gab es noch weitere starke Brutfälle in beiden Gebieten. Durch diese Brutfälle entstanden die ersten Wildpopulationen auf festem Untergrund, wie zum Beispiel Felsen und Hafenanlagen. In den Wattgebieten der Nordsee sind es vorwiegend Miesmuschelbänke, die das geeignete Siedlungsgebiet für die Auster darstellen. Auf den harten Untergründen zementiert sich die Auster mit ihrer linken Schale fest, nachdem sie maximal 30 Tage als Larve (Veliger-Larve) im freien Wasser verbracht hat. Während dieser Zeit, die die Auster als frei schwimmende Larve im Wasser verbringt, kann sie sich passiv durch Wasserströmungen und Wellenbewegung verbreiten. Durch den an der holländischen und deutschen Nordseeküste von West nach Ost verlaufenden küstenparallelen Reststrom gelangten die Pazifischen Austern von der Oosterschelde in die holländischen Wattgebiete. 1983 wurden die ersten Exemplare bei der westfriesischen Insel Texel gefunden. In der Nähe der Insel Terschelling wurde die Pazifische Auster 1989 erstmals gefunden. Seitdem erfolgt eine stetige Ausbreitung der Population in Richtung Osten.

Driftweg der Pazifischen Auster 

Drift-Hypothese der Pazifischen Auster entlang der südlichen Nordseeküste; Karte: Wehrmann et al. 2000

Erste Funde an der deutsch-holländischen Grenze, dem Ems-Gebiet, gab es 1998 in Eemshaven. Im selben Jahr gab es auch die ersten Einzelfunde der Pazifischen Auster im Wattgebiet bei Baltrum. In den darauffolgenden Jahren wurden immer mehr Austern auf den Wattflächen und Hafenanlagen des ostfriesischen Wattenmeeres gefunden.

Austernriff    Austern im Wattenmeer    Hafen Langeoog

Pazifische Austern im Niedersächsischen Wattenmeer
(links: Austernriff bei Juist; mitte: Ausschnitt; rechts: Hafen Langeoog)

 

 

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