Senckenberg am Meer Wilhelmshaven

Aktuopaläontologie

Biosedimentäre Systeme Flachmariner Lebens- und Ablagerungsräume

Die Untersuchung von biosedimetären Systemen in flachmarinen Lebens- und Ablagerungsräumen nimmt einen wesentlichen Anteil der Forschungsvorhaben ein. Insbesondere ihre Stellung im Schnittpunkt Geosphäre-Biosphäre steht dabei im Vordergrund der Untersuchungen. In mehreren Teilprojekten werden dabei alle Prozesse erfasst die einen Informationstransfer in den 'geological record' erwarten lassen. Daher bilden die Taphonomie und die Biofaziesanalyse die Schwerpunkte der Forschungsarbeit. Die Biofaziesanalyse befasst sich insbesondere mit der Typisierung und Zonierung von Faziesbereichen nach speziellen Kriterien wie Sedimente, Taphocoenosen , Bioturbation oder Lebensspuren.
Die rezenten Gemeinschaften werden zudem hinsichtlich der räumlichen Konfigurationen von Benthossiedlungen sowie deren Bioturbation, typisierbare Bauten und Prinzipien der Bauweisen analysiert. Daraus erfolgt eine Quantifizierung von Bioturbation und „bio-engineering“ der unterschiedlichen Benthosgemeinschaften in verschiedenen Meeresgebieten. Sie bildet den Ansatz für Untersuchungen zur der Rolle der Bioturbation endobenthischer Makroafauna in benthischen Prozessen und gibt weiterführende Informationen sowohl über eine reine Quantifizierung der Makrofauna hinaus wie auch über die räumliche Konfiguration und biotischer Wechselbeziehungen in einem definierten Sedimentkörper.

Ein weiteres Teilprojekt setzt sich mit der Genese sekundärer Hartsubstrate auseinander. Es beinhaltet die Erfassung von Besiedlungsstrategien, Musterbildung und Dynamik sessiler Benthosorganismen im Intertidal. Neben der Variabilität und Vielfalt kleinräumiger Substratbesiedlung und deren Teilaspekten wie Sukzessionen, Bioerosion, Raumkonkurrenzen oder saisonale Dynamik werden vorrangig Prozesse in großflächigen Benthossiedlungen mittels Langzeitbeobachtungen und Biofazieskartierungen aufgezeigt. Neben dem eigentlichen Prozess der Substratgenese sollen hier insbesondere die vertikalen Zeitskalen und die Stabilität/Kontinuität struktureller Großeinheiten (z.B. Muschelbänke, Gezeitenpools, Schill-Strandwälle) untersucht werden. Auch die Bioinvasion von Neobiotas soll unter geo-biologischen Gesichtspunkten untersucht werden. Interessant hierbei ist zum einen die Frage der Isochronie von Marker-Horizonten sowie der zeitlichen Veränderung von etablierten Biokonstruktionen (Bänke, Riffe) durch die neu eingewanderten Arten.

Im Bereich der Taphonomie konzentrieren sich die Arbeiten auf die Genese von Hochkantschillen und auf pflanzentaphonomische Rezentuntersuchunungen konzentrieren. Hochkantschille sind extrem seltene Gefüge. Die wenigen bekannten Vorkommen gehen über eine reine Beschreibung dieses Stapelungs-Phänomens nicht hinaus. Anhand des bislang größten Vorkommens (2001 im Weser-Elbe Watt entdeckt) sollen, unter Einbeziehung experimenteller Untersuchungen in einem großen Wellenkanal, die wesentlichen Prozesse die zur Bildung der Hochkantschille führen geklärt werden.

Zum besseren Verständnis von Pflanzenakkumulationen im rheinischen Devon werden rezent-taphonomische Untersuchungen an ausgewählten heutigen Küsten und möglicherweise sogar im vergleichenden Experiment unerlässlich sein. Nur so lassen sich die Prozesse richtig verstehen, die zu einem engen Nebeneinander von marinen Fossilien und terrestrischen Pflanzenresten geführt haben. Dies ist insbesondere in Anbetracht der immer noch kontroversen Diskussionen über den „Landgang der Pflanzen“ und die wirklichen Habitate der frühen Landpflanzen von Interesse. Ab September 2008 startet zu dieser Thematik ein aus Drittmitteln gefördertes Projekt 'Prozesse und Dynamik holozäner Verlandungszonen im Gebiet des Jadebusens'.

Bioinvasion

Die Pazifische Auster Crassostrea gigas im Niedersächsischen Wattenmeer (Nordsee)

Hochkantschill

Ein Beispiel aus dem makrotidalen Bereich des Wattenmeeres (Nordsee)

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