Senckenberg am Meer Wilhelmshaven

Aktuopaläontologie

Räumlich / zeitliche Musterbildung in bioklastischen Ablagerungssequenzen

Küstennahe Meeresregionen, einschließlich Gezeitenwatten, Estuare und Felslittoral, zeichnen sich häufig durch punktuelle oder auf schmale Zonen begrenzte Vorkommen biologischer Strukturen aus. Die am Aufbau solcher Strukturen (z.B. Muschelbänke, ‘Riffe’, Algen- und Seegrasbestände) beteiligten Organismengemeinschaften führen ihrer unmittelbaren, wie auch weiteren Umgebung teils in erheblichem Umfang bioklastisches Material zu. Häufig liefern solche distalen Sedimentabfolgen die einzigen Nachweise auf Strukturen, die selbst nur ein geringes Erhaltungspotential haben oder aufgrund ihrer Positionierung stark erosiv wirkenden Prozessen unterliegen. Demnach findet mit der lateralen Ausbildung charakteristischer Biofazies eine wichtige räumliche Verbreitung punktueller Produktion und ökologischer Information statt. Dieser sedimentologisch-taphonomische Prozess soll an unterschiedlichen Beispielen erforscht werden.


Im Teilprojekt 'Doggerbank' sollen die biologischen und geologischen Strukturen und Wechselwirkungen auf der Doggerbank im Fluss der Zeit untersucht werden. Hierzu sollen die rezenten Makro- und Epifaunagemeinschaften im Zeitraum von 10 Jahren für Vergleich mit letzten Dekaden bis 1950 in Verbindung mit rezenten hydroklimatischen Veränderungen in der Nordsee erfasst werden. Die rezenten Muster der Faunengemeinschaften werden untersucht, beschrieben und mit den subfossilen Mustern verglichen. Anhand der strukturellen Muster soll auf die funktionelle Diversität der Gemeinschaften in den unterschiedlichen geologischen Zeiten impliziert werden. Außerdem werden die sedimentologischen Prozesse untersucht, die zur Veränderung der aktuellen Muster und zu einer möglichen Überprägung der Musterabfolgen führen. Projektziel ist die Beschreibung der Geologie und Fauna zu unterschiedlichen Phasen der Entwicklung der Doggerbank. Es wird angestrebt, die Beziehung der unteren Skalenstufe der Wahrnehmung (Momentaufnahme) zu den oberen (räumliche und zeitliche Muster) zu untersuchen.

Die Abhängigkeit der Momentaufnahme von den zur Zeit der Probenahme herrschenden Bedingungen ist evident, ihre Beziehung zum zeitlich integrierten Muster unklar. Unsere Ausgangshypothese ist, daß über einen längeren Zeitraum wahrnehmbare Muster den durchschnittlichen und langzeitigen Bedingungen vor Ort entsprechen und sich daher für die Beschreibung von gerichteten Veränderungen besser eignen als kurzfristige physikalisch/chemische Messungen der Umweltbedingungen.

Projektkoordinator:

A. Wehrmann, I. Kröncke (Teilprojekt 'Doggerbank')

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