Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Biotopkartierung der Stadt Frankfurt

Frankfurt 21

Im Rahmen des Projektes "Frankfurt 21" ist seit längerem die Bebauung von Teilen der Bahnanlagen des Haupt- und des Güterbahnhofs geplant. Im Zusammenhang mit diesem Städtebauprojekt beauftragte das Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main das Senckenberg Forschungsinstitut mit der Durchführung einer jetzt gedruckt vorliegenden Studie zur Arten- und Lebensraumvielfalt auf dem fraglichen Gelände.

In der Studie werden Flora, Fauna, und Biotoptypen der Bahnhofvorfelder dokumentiert und beschrieben. Es erfolgt eine naturschutzfachliche Einordnung und Bewertung der vorkommenden Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Des weiteren werden mögliche Auswirkungen durch das Städtebauprojekt diskutiert und auf der Grundlage der aktuellen Bestandserfassung Ziele und Maßnahmenvorschläge für die weitere Planung abgeleitet. Die Bewertung der Flächen auf der Grundlage der aktuellen Erhebungen zeigt, dass weite Areale eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz haben.

Die Pflanzenwelt ist mit 448 Farn- und Blütenpflanzen durch eine hohe Artenvielfalt ausgezeichnet und setzt sich in erster Linie aus Elementen zusammen, die von natürlichen Rohbodenstandorten wie z.B. Kiesbänken, Fels-, Grus- und Sandfluren, aber auch von Äckern oder aus Ruderalfluren zugewandert sind. Daneben finden sich zahlreiche Neophyten, die vielfach mit dem Güterverkehr eingeschleppt wurden. 12 Arten der Blütenpflanzen unterliegen nach den Roten Listen der Bundesrepublik und Hessens einer Gefährdung. Hierzu zählen beispielsweise das Silbergras (Corynephorus canescens), die Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), der Acker-Klettenkerbel (Torilis arvensis) und die Sand-Wicke (Vicia lathyroides).

Bezüglich der Tierwelt wurden exemplarisch die Artengruppen Vögel, Kriechtiere, Tagfalter, Heuschrecken, Laufkäfer und Spinnen untersucht. Auf beiden Bahnhofsflächen wurden dabei insgesamt 44 Vogel-, 2 Kriechtier-, 18 Tagfalter- und Widderchenarten sowie 19 Heuschrecken-, 61 Laufkäfer-, 145 Spinnen- und Weberknechtarten nachgewiesen. Eine besondere Bedeutung für den Artenschutz kommt dem Güterbahnhofsgelände aufgrund des Vorkommens der Mauereidechse (Podarcis muralis) zu, einer durch die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU streng geschützten Art. Bisher war diese Eidechse, deren nächste bekannte Vorkommen im Ober- und Mittelrheintal liegen, aus dem Stadtgebiet Frankfurt nicht bekannt.

Die Bahnanlagen beherbergen eine artenreiche Heuschreckenfauna. Eine bundesweit stark gefährdete Art, die auf gering bewachsene Schotter- und Sandflächen angewiesene Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans), findet hier großflächig gute Lebensbedingungen und kommt in einer entsprechend großen Population vor. Auch die Laufkäfer und Spinnen sind artenreich vertreten, wobei zahlreiche Arten mit z.T. hohen Gefährdungsgraden in den Roten Listen verzeichnet sind. Drei Spinnenarten wurden hier erstmals für Hessen nachgewiesen.

 

Bahnanlagen

Die farbig bebilderte Broschüre im DIN A4-Format ist in der Kleinen Senckenberg-Reihe als Band 38 in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt der Stadt Frankfurt und mit finanzieller Unterstützung der Messe Frankfurt und der DBImm (Deutsche Bahngruppe) erschienen. Sie kann zum Preis von EUR 11,00 beim Schriftentausch der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main oder auch per bestellt werden.

 

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