Senckenberg Forschung

Weimar

Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie

Abteilungsleiter
Prof. Dr. Ralf-Dietrich Kahlke

 

Sekretariat / Verwaltung
Sabine Schneider
Tel. +49 (0) 3643 - 49309 3330
Fax +49 (0) 3643 - 49309 3352

Anschrift
Senckenberg
Forschungsstation für Quartärpaläontologie
Am Jakobskirchhof 4
99423 Weimar 

Technisch-Konservatorischer Leiter
Dipl.-Restaurator John-Albrecht Keiler

 

Gegenstand quartärpaläontologischer Forschung ist die Rekonstruktion der Organismenwelt und der ökologischen Verhältnisse während der globalen Klimaschwankungen des Eiszeitalters (Zeitspanne der vergangenen 2,6 Millionen Jahre).

Zentrale Arbeitsgebiete der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie sind Untersuchungen zur Biodiversität und zu evolutiven Veränderungen quartärer Tier- und Pflanzengemeinschaften in Schlüsselregionen Eurasiens und Nordamerikas. Diese dienen der Rekonstruktion von Paläoökosystemen, der natürlichen Klimavariabilität und der zunehmenden Einflussnahme des Menschen.

Die Forschungen werden im Rahmen der Sektionen Quartäre Grosssäugetiere, Quartäre Kleinsäugetiere, Quartäre Makrofloren und Quartäre Mikrofloren im Verbund mit internationalen Arbeitsgruppen durchgeführt. Umfangreiches Fossil- und Datenmaterial zu neuen Forschungsansätzen liefern aktuelle Flächengrabungen, Bohrkampagnen und Expeditionen. Die Untersuchungen zur quartären Flora und Fauna lassen deutliche Zusammenhänge zwischen Klimavariabilität und regionaler bzw. überregionaler Biodiversität erkennen.

Bilderfries Forschungsstation mit Stadtplan Weimar zum download

Durch den 1696-1704 geführten wissenschaftlichen Disput zwischen W. E. Tentzel und dem Gothaer Collegium medicum rückte Thüringen vor über 300 Jahren in den Blickpunkt der zeitgenössischen Gelehrtenwelt. Große Knochenfunde aus den pleistozänen Travertinen von Burgtonna waren seinerzeit von Tentzel richtig als Reste fossiler Elefanten erkannt worden. Diese Ansicht verteidigte er vehement gegen die damals übliche Interpretation von Fossilien als „Spiele der Natur“. Während des 19. Jahrhunderts entstanden in Weimar erste bedeutende Sammlungen von Quartärfossilien, vor allem zu den in unmittelbarer Stadtnähe gelegenen Fundstellen von Süßenborn, der Belvederer Allee, Taubach und Ehringsdorf. Die Bearbeitung dieser Funde erfolgte durch namhafte Paläontologen dieser Zeit, wie von Fritsch, Pohlig, Weiss, Wiegers, Wüst, Soergel u. a..

In den 1950er Jahren betreute und erweiterte die Forschungsgruppe Quartärpaläontologie am Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar unter Leitung von H.-D. Kahlke die bis dato existierenden Sammlungen zur Quartärpaläontologie Thüringens. Einen Meilenstein stellte die Gründung des Instituts für Quartärpaläontologie im Jahre 1962 dar. Seine Aufgabenstellung bestand in der wissenschaftlichen Auswertung des Fossilmaterials unter Einbeziehung internationaler Arbeitsgruppen sowie der kontinuierlichen Durchführung von Forschungsgrabungen. Seit 1963 wurden sechs internationale quartärpaläontologische Tagungen durchgeführt und sieben, zum Teil mehrbändige Monographien (erschienen ab 1965) zu bedeutenden Thüringer Quartärfundstellen herausgegeben. Zum Teil erschienen diese in der 1975 begründeten hauseigenen Schriftenreihe „Quartärpaläontologie“. Dadurch erlangte die Klassikerstadt Weimar auch auf naturwissenschaftlichem Gebiet internationale Bekanntheit.

Von 1992 bis 1999 gehörte die Einrichtung vorübergehend zum Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Während dieser Zeit erschien Band 1 der Monographie zur unterpleistozänen Fundstelle Untermaßfeld in der Monographienreihe des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (R.-D. Kahlke et al. 1997), dem zwei weitere Bände im Jahre 2001 folgten.  

Am 1. Januar 2000 wurde die Weimarer Quartärpaläontologie Teil Senckenbergs. Neben der Schaffung zweier neuer Sektionen konnte die technische Ausstattung wesentlich erweitert werden. Eine optimale Unterbringung der Sammlungen und die Einrichtung moderner Arbeits- und Laborräume wurden durch den Umbau eines Gebäudekomplexes neben dem historischen Jakobskirchhof in Weimar ermöglicht. Der Umzug in die neuen Häuser erfolgte im Jahre 2005. Zu Ehren des in Weimar geborenen und wirkenden Paläontologen Wolfgang Soergel (1887-1946) erhielt das Hauptgebäude den Namen „Wolfgang-Soergel-Haus“.

https://die-welt-baut-ihr-museum.de