Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Naturschutzgenetik

Genetisches Monitoring von Wolf und Luchs in Deutschland  

Hintergrund
Wolf und Luchs erobern in Deutschland verloren gegangenes Terrain zurück. Sie treffen dabei auf Menschen, die seit Generationen keine Übung mehr im Umgang mit großen Beutegreifern haben. Spätestens seit der Rückkehr der Wölfe in die Lausitz wurde klar, dass in Deutschland ein effektives Wildtiermanagement nötig ist, um ein harmonisches Miteinander von Mensch und Tier zu ermöglichen. Detaillierte Kenntnisse über zeitliche Trends in der Verbreitung und Abundanz einer Art bilden eine  wichtige Grundlage für das Ergreifen effektiver Schutzmaßnahmen. In diesem Projekt werden moderne molekulargenetische Methoden für das Monitoring von Wolf und Luchs entwickelt und etabliert. Das genetische Monitoring von Wolf und Luchs beruht auf der Verwendung nicht-invasiv gesammelten Probenmaterials, wie Kot oder Haare. Mittels hochsensitiver genetischer Verfahren, wie Mikrosatellitenanalysen, lassen sich Erkenntnisse zu Artstatus, Hybridisierungsgrad, Geschlecht und Populationszugehörigkeit treffen. Durch die Untersuchung der genetischen Struktur können Dispersionsraten und Migrationskorridore sowie Verwandtschaftsstrukturen ermittelt werden. Da sich große Raubtiere durch ihre scheue und heimliche Lebensweise selbst im dicht besiedelten Deutschland einer direkten Beobachtung sehr effektiv entziehen, ist allein der sichere Artnachweis häufig schon ein großer Gewinn für die Erforschung und den Schutz dieser faszinierenden Tiere.

Beprobung eines TimberwolfsVerena collecting samples

 Fotos: Susanne Carl

Das Referenzzentrum
Im Ergebnis eines intensiven mehrstufigen Auswahlprozesses hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) das Senckenberg Forschungsinstitut als nationales Referenzzentrum empfohlen. Daraufhin hat die Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz (LANA) im Oktober 2009 auf ihrer Tagung in Saarbrücken beschlossen, der Empfehlung des BfN zu folgen und das Senckenberg Forschungsinstitut als "Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf" zu nutzen.

Forschungsarbeit

Zum Kern unserer Arbeit gehört die Entwicklung und Etablierung molekularer Marker für das genetische Wildtiermonitoring und die Artbestimmung von Prädatoren anhand von Speichelresten an Rissen. Hierüber informiert auch unser Poster  "Who killed my sheep?". Die Projektbeteiligten sind Verena, Dino, Susanne, Mascha, Martina und Carsten.

Analyseergebnisse

Oben links: Fehlerraten bei der Mikrosatellitenanalyse von Rissabstrichen; oben rechts: Elektropherogramm von Mikrosatellitenanalysen; unten links: Genetisches Profil von vier unterschiedlichen Individuen. Die unbekannte Probe stammt vom selben Individuum wie Probe D; unten rechts: Mikrosatellitenanalysen ermöglichen Verwandtschaftstests. Ein Nachkomme muss je ein Allel von der Mutter (grün) sowie des Vaters (schwarz) tragen.

Projekte

  • Genetisches Monitoring der Wölfe in Deutschland (Fachbehörden der Bundesländer, Wildbiologisches Büro LUPUS)
  • Genetisches Monitoring der Luchse in Deutschland (Fachbehörden der Bundesländer, Nationalpark Harz)
  • Analyse von Wolfsproben aus Westpolen (The Association for Nature WOLF)

 

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