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Paläontologie und Historische Geologie

 

 

Nebenstelle Kuhwaldstraße (Postanschrift: Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main) 


Abteilungsleitung:  Prof. Dr. Bernhard Stribrny

 

Tel.:  069 7542 1550   

Fax.: 069 7542 1520 

Email:  bernhard.stribrny@senckenberg.de

 


Technische Assistentin:  Tina Emmel

Tel.: 069 97075 1125 
Fax: 069 97075 1120
Email: tina.emmel@senckenberg.de

Sektionen :

Historische Geologie und Fazieskunde :   Dr. Peter Königshof
Sammlungen: Fazies/Sedimentologie, Mesozoikum, Gesteine, Mineralien

Meteoritenforschung:   Dr. Jutta Zipfel
Sammlung: Meteoriten

Mikropaläontologie I:  NN  (Dr. Volker Wilde)
Sammlungen: Ostrakoden, Foraminiferen, Otolithen, Arthropoden ohne Trilobiten

Mikropaläontologie II:  Dr. Rudy Lerosey-Aubril
Sammlungen: Conodonten, Trilobiten, Mittel-Devon

Paläobotanik:   PD Dr. Volker Wilde
Sammlungen: Paläobotanik (einschließlich Messel), Palynologie, Nannoplankton

Palynologie und Mikrovertebrata des Paläozoikums:   Dr. Rainer Brocke
Sammlungen: Wirbeltiere, Marken-Spuren-Problematica

Paläozoologie II:   Dr. Eberhard Schindler
Sammlungen: Cnidaria, Tentakuliten, Echinodermen, Graptolithen, Stromatoporen, Stromatolithen, Paläozoikum (ohne Unter- und Mittel-Devon)

Paläozoologie III:   Dr. Ulrich Jansen
Sammlungen: Brachiopoden, Poriferen, Bryozoen, Bivalven, Gastropoden, Cephalopoden, Unter-Devon

Fachgebiet: Paläoklima- und Paläoumweltforschung:  Dr. Dieter Uhl
Auf- und Ausbau einer Fach- und Projekt-bezogenen Spezialsammlung (z.B. Palynologie, Anthrakologie)

Fachgebiet: Bernsteinforschung: Dr. Vincent Gerard
Sammlung: Bernstein

Ehrenamtliche Mitarbeiter:

Martin Basse (Trilobiten)
Telefon: 069 / 97075-1142
Fax: 069 / 97075-1137
E-mail:  martin.basse@senckenberg.de

Prof. Dr. Gerhard Becker (paläozoische Ostrakoden)
verstorben 

Dr. Rudolf Birenheide (paläozoische Cnidaria)
Telefon: 069 / 97075-1192
Fax: 069 / 97075-1137
E-mail rubir@t-online.de

Prof. Alan Lord (Ostrakoden, Mikropaläontologie I )
Telefon: 069/97075-1139
Fax: 069 / 97075-1137
E-mail alord@senckenberg.de

Dr. Heinz Malz (mesozoische und känozoische Ostrakoden)
Tel: 05468 / 408
Fax: 069/97075-1137

Dr. Gerhard Plodowski (paläozoische Brachiopoden, Verantwortlicher für Bauangelegenheiten)
Telefon: 069 / 97075-1127
Fax: 069 / 97075-1137
E-mail Gerhard.Plodowski@senckenberg.de

Prof. Dr. Walter Riegel (Palynologie, organische Petrologie)
Telefon: 0551 / 397956
Fax: 0551 / 397996
E-mail wriegel@gwdg.de

Prof. Dr. Friedemann Schaarschmidt (Paläobotanik)
verstorben

Prof. Dr. Rolf Schroeder
(mesozoische Foraminiferen)
Tel: 069/ 97075-1133
Fax: 069/ 97075-1137

Dr. Kay Schuermann (Mineralogie, Historische Geolgie und Fazieskunde)
Tel: 069/97075-1129
Fax: 069/97075-1120
E-mail kay.schuermann@senckenberg.de

Dr. Karsten Weddige (Mikropaläontologie, Conodonten, Historische Geologie und Fazieskunde)
Tel: 069/97075-1632
Fax: 069/97075-1137
E-mail karsten.weddige@senckenberg.de

 

Geschichte 

Die Abteilung hat ihre Wurzeln in der 1763 von JOHANN CHRISTIAN SENCKENBERG zusammengetragenen Mineralien- und Petrefakten-Sammlung. Diese Sammlung wurde 1816 von JOHANN WOLFGANG von GOETHE mit hoher Anerkennung erwähnt und als Stiftung 1817 in die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft (SNG) bei ihrer Gründung eingebracht. In den ersten Jahrzehnten danach standen die mineralogischen und petrographischen Sammlungen im Vordergrund. Doch dann trat die paläontologische Sammlung sehr bald aus deren Schatten und wuchs durch rege Sammeltätigkeit auf Exkursionen und Forschungsreisen - hier ist besonders EDUARD RÜPPELL (1794-1884) zu nennen - sowie durch Tausch zu einer bedeutenden Forschungssammlung heran, die ab 1832 vor allem durch die wissenschaftlichen Arbeiten HERMANN v. MEYER's (1801-1869) und EDUARD RÜPPELL's bald Weltgeltung erlangte. Dennoch wurde erst im Jahre 1861 durch OTTO VOLGER (1822-1887) eine Paläontologische Sektion ins Leben gerufen. 1874 folgte eine Geologische Sektion; im selben Jahr wurde die Paläontologische Sektion in eine Zoo-Paläontologische und eine Phyto-Paläontologische Sektion aufgeteilt. Letztere ging noch im 19. Jahrhundert zunächst wieder in der Paläontologie auf.

War die paläontologische Forschung bei Senckenberg im 19. Jahrhundert vorwiegend auf die fossilen Wirbeltiere ausgerichtet, so wird die Wirbeltierpaläontologie heute vor allem in den Abteilungen Messelforschung und Paläoanthropologie und Quartärpaläontologie sowie den Sektionen Mammalogie und Ornithologie betrieben. In der Abteilung für Paläontologie und Historische Geologie hat sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts, beginnend mit den Aktivitäten A. v. REINACH's (1842-1905) und F. DREVERMANN's (1875-1932), und dann verstärkt mit denjenigen von R. RICHTER (1881-1957) ein neuer Forschungsschwerpunkt entwickelt: Das Paläozoikum des Rheinischen Schiefergebirges und insbesondere das Devon der Eifel. Durch W. ZIEGLER (1929-2002) wurde in diesem Zusammenhang die Geologische Abteilung auch zu einem Schwerpunkt der internationalen Conodonten-Forschung. Als eines der wichtigsten Resultate senckenbergischer Devonforschung wurde 1984 die Grenze Unterdevon/Mitteldevon in der Eifel als GSSP (= Global Stratotype Section and Point) festgelegt.

Erst mit der Gründung der Universität und der Stiftung der in Personalunion mit senckenbergischen Sektionen betriebenen Universitätsinstitute (1914) fasste man zur Zeit F. DREVERMANN’s (Geschäftsführender Direktor von 1924-1932) die geowissenschaftlichen Sektionen in einer Paläozoologisch-Geologischen Abteilung zusammen. In der darauffolgenden Ära R. RICHTER (Direktor von 1934-1944) bürgerte sich hierfür die Kurzform Geologische Abteilung ein. Unter W. ZIEGLER (Direktor von 1980-1995) wurde 1984 die Messelforschung, die zuvor 10 Jahre lang als eigenständiges Forschungsprojekt vom Land Hessen und der Volkswagenstiftung gefördert worden war, institutionalisiert und in die Geologische Abteilung einbezogen. Sie wurde jedoch bereits 1992 als eigene Abteilung wieder ausgegliedert. 1996 kam schließlich als Neugründung die Sektion Historische Geologie und Fazieskunde hinzu.

Die Paläobotanik wurde mit den Aktivitäten R. KRÄUSEL's (1890-1966) im Jahre 1941 zu einer eigenen Abteilung, aus der mit Rückführung des Herbars der Universität 1946 die Botanisch-Paläobotanische Abteilung (heute Abteilung Botanik und Molekulare Evolutionsforschung) hervorging. Seit Anfang 2005 wurde die Paläobotanik wieder der Abteilung für Paläontologie und Historische Geologie zugeordnet.

Eine Mineralogisch-Petrographische Sektion bestand unabhängig neben der geologischen und den paläontologischen bis in die 1920er Jahre. Durch veränderte Forschungsschwerpunkte wurde die Mineralogie/Petrologie nicht mehr besetzt und die Sammlungen wurden nachfolgend durch die Paläontologie mitbetreut. Im Juni 2005 wurde durch die Neugründung einer Sektion Meteoritenforschung die Forschungsrichtung der anorganischen Prozesse der Gesteinsbildung wieder aufgegriffen. Die umfangreichen Meteoritensammlungen der Max-Planck-Institute in Mainz und Heidelberg wurden als Dauerleihgaben dieser Sektion zugeordnet.

Die 1939 von E. TRIEBEL (1894-1971) begründete Sektion Mikropaläontologie I, die sich traditionell mit meso- und känozoischen Mikrofossilien (Schwerpunkt Ostrakoden) beschäftigt, wurde Anfang 2005 der Abteilung Marine Zoologie zugeordnet. Die zugehörigen Sammlungsbestände werden jedoch weiterhin in der Abteilung Paläontologie und Historische Geologie betreut.


 

 

Forschung


Forschungsschwerpunkt der Abteilung sind Fauna und Flora des Devon sowie die Ablagerungsbedingungen der die Fossilien einschließenden Sedimente. Die Untersuchungen beinhalten Taxonomie und Systematik der fossilen Organismen, Biostratigraphie, Ökologie, Biofazies, Mikrofazies-Analyse und Sedimentologie mit dem Ziel einer Rekonstruktion der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme sowie der Paläobiogeographie. Wichtig ist hierbei insbesondere die Vernetzung mit der Aktuogeologie und -paläontologie. Nur die Untersuchung heutiger Sedimentationsräume kann helfen, das "Inventar" der fossil in ähnlichen Ablagerungsräumen entstandenen Gesteinsformationen besser zu verstehen.

Die Devonforschung in der Abteilung ist derzeit in drei übergreifenden, inhaltlich jedoch miteinander verknüpften Themenkomplexen konzentriert.

Die Bearbeitung wichtiger und klassischer Profile im Devon des Rheinischen Schiefergebirges und seiner Umgebung bildet einen Kern der Forschungsaktivitäten. Derzeit fokussieren sich diese Arbeiten vorwiegend auf das eher klastisch ausgebildete höhere Unterdevon des Mittelrhein/Untermosel-Gebietes und der Eifel. Hierbei wird den im Land/Meer-Übergang angesiedelten Faziesbereichen ein verstärktes Interesse gewidmet, wobei versucht wird, ihre häufig noch offene Korrelation zu klären. Für den Vergleich kann hierbei wesentlich auf die Erkenntnisse der aktuopaläontologischen Forschung zurückgegriffen werden.


Alken Gesamtansicht

Steinbruch im Alkener Bachtal (kleiner Zufluss der Mosel bei Alken). Die Devon-Arbeitsgruppe des FIS bearbeitet hier Ablagerungen eines fossilen Wattenmeers aus dem hohen Unter-Emsium (Unter-Devon). Die Schichtenfolge ist leicht überkippt; als Größenvergleich sind zwei Personen im rechten unteren Bildteil erkennbar.

 Alken Basis 10-1  Alken Basis 10-2  Alken Basis 10-3

Im Steinbruch Alken ist auf einer Schichtunterseite ein System sich verzweigender Entwässerungsrinnen über insgesamt 120 m überliefert (sichtbar sind Ausschnitte aus diesem System, A + B). Die Fließrichtung des Wassers ist von links oben nach rechts unten (Pfeile). Das rechte Bild C zeigt einen Querschnitt durch die Füllung einer Rinne (s. Kasten in B); sie enthält Tongerölle, die im vorherrschenden sandigen Sediment abgelagert wurden.


Einen weiteren Schwerpunkt stellen Faziesvergleiche und Korrelation im Devon dar. Dies geschieht weltweit an ausgewählten Beispielen altersgleicher Sedimente ("Zeitscheiben") in verschiedenen Faziesräumen. Hierbei werden sowohl einzelne Profile sowie ganze Regionen miteinander verglichen. Im Vordergrund steht hierbei die Entwicklung und die Verbreitung von Fauna und Flora unter Einbeziehung fazieller Kriterien mit dem Ziel paläoökologischer und paläobiogeographischer Rekonstruktionen. Schwerpunkte dieser Vergleiche sind derzeit neben dem Rheinischen Schiefergebirge das Barrandium (Böhmen) und Süd-Marokko; eine Ausdehnung in andere Regionen wie China, Nordamerika und die Türkei wurde begonnen.


Geländeaufnahme Marokko

Muldenstruktur in unterdevonischen Sandsteinen.
Draa-Tal, südlich Aïn Oui-n-Deliouine, westlicher Antiatlas



Profil Foum Zguid

Das Profil bei Foum Zguid im marokkanischen Anti-Atlas bietet die Möglichkeit, die Schichtenfolge von der unteren Ems-Stufe (Unter-Devon) bis in die untere Eifel-Stufe (Mittel-Devon) zu studieren und mit gleichaltrigen Abfolgen in anderen Regionen zu vergleichen.


Die Genese devonischer Riffstrukturen stellt das dritte übergeordnete Forschungsvorhaben dar. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem großräumigen Vergleich verschiedener Riffkomplexe im Devon. Ausgehend vom Rheinischen Schiefergebirge (besonders Lahnmulde, Eifel) und von Süd-Marokko wird hier der Versuch unternommen, Beginn und Entwicklung von Riffen exemplarisch zu studieren. Da die devonischen Riffe häufig Schwamm- und/oder Korallenriffe sind, bieten sich auch hier vergleichende Rezentstudien an.


Landrover auf Riff

Fossiles Riff in S-Marokko, das auf Grund der fehlenden Vegetation und nur geringer Beanspruchung durch Tektonik und Diagenese mit allen Einzelheiten und "so wie gewachsen" überliefert ist (s. a. Detail-Bilder).

 Marokko Riff Stromatopore  Marokko Riff Koralle
 Stromatoporen sind wesentliche Riffbildner der Strukturen in dieser Region.  Korallen, wie diese gut erhaltenen Phillipsastrea-Kolonien tragenebenfalls zum Aufbau der Riffe bei.


Daneben gibt es noch einige Einzelprojekte, die nichtsdestoweniger für das Gelingen der Großprojekte wichtig sind, die aber bei den jeweiligen Sektionen zu finden sind. Dies betrifft z.B. die Eventforschung im Oberdevon, die Forschung im Silur/Devon-Grenzbereich sowie Reifeuntersuchungen mit Hilfe von Conodonten. Darüber hinaus wird in der Abteilung eine Devon-Korrelationstabelle fortgeschrieben und eine Devon-Bibliographie bereit gestellt. Aus der Abteilung hervorgegangen ist auch eine Bestandsaufnahme der paläontologischen Sammlungen in Deutschland.

Alle senckenbergischen Devon-Bearbeiter sind auch in die internationale Devon-Forschung eingebunden, was sich in vielen Kooperationsprojekten mit Wissenschaftlern aus zahlreichen Ländern der Welt manifestiert. Hierher gehört auch die Mitarbeit in der Nationalen und der Internationalen Subkommission für Devonstratigraphie (SDS). Unter dem Dach der UNESCO wird im Rahmen des International Geoscience Programme (IGCP) das Projekt 499 "Devonian Land-Sea Interaction: Evolution of Ecosystems and Climate" (DEVEC) von Wissenschaftlern der Abteilung maßgeblich geleitet (IGCP 499).

Innerhalb der Abteilung kommt der Paläobotanischen Forschung eine gewisse Sonderstellung zu, da sie auch an anderen Forschungsschwerpunkten des FIS beteiligt ist, so insbesondere im Rahmen der Paläogenforschung. Dabei spielt die Fossillagerstätte der Grube Messel und ihr Vergleich mit ähnlichen Fossilfundstellen entsprechenden Alters eine wesentliche Rolle.

 

Prof. Dr. Bernhard Stribrny
Tel.: 069 7542 1550
Fax: 069 7542 1520
E-Mail

 

Letzte Aktualisierung: 05.08.2010