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Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

15.10. Vitrine im Oktober - Sammler und Gesammeltes

Vitrine im Oktober – Sammler und Gesammeltes

Moritz Goldschmidt, © Senckenberg

 

 

 

 

Moritz Goldschmidt, © Senckenberg                              

 

Moritz Goldschmidt, Botaniker der Rhön

Frankfurt a.M., 15. Oktober 2004 _ Ernst und zielstrebig, neugierig und vielleicht sogar ein wenig keck, mit Hut, großem Schnurrbart, Brille und leichtem Silberblick; so zeigt ein Foto in der Oktober-Vitrine des Senckenberg-Museums Moritz Goldschmidt (1863 – 1916), Lehrer und Hobbybotaniker, der zu seiner Zeit als bester Kenner der Rhönflora galt und mit seinem Herbar so etwas wie eine Momentaufnahme der damaligen Pflanzenwelt der Rhön erstellt hat.

Neben dem Sepia farbenen Porträt von Goldschmidt selbst belegen je eine Aufnahme von der einstigen Gedenkstätte auf dem Rockenstuhl bei Geisa, die im Dritten Reich zerstört wurde, sowie des heutigen Gedenksteins auf dem Küppel am Habelberg bei Tann / Rhön , dass seine Tätigkeit wahrgenommen und geschätzt wurde. Ein weiteres Foto zeigt die Grabstätte der Familie Goldschmidt auf dem jüdischen Friedhof in Geisa / Rhön.

Als Beleg seines Wirkens zeigt die Abteilung Botanik des Forschungsinstituts Senckenberg in der Vitrine des Monats Oktober einige Objekte aus dem Goldschmidt Herbar. Zu sehen ist der einst als Wunderheilmittel beliebte Wundklee, ein Exemplar des Frauenfarns mit seinen fiedrigen Blättern, das aus der Gegend um die Milseburg stammt, sowie das fünfblättrige Exemplar der giftigen Einbeere, das Goldschmidt für etwas Besonderes hielt.

In unverändertem Zustand, noch fixiert mit gummierten Papierstreifen, ist eine Enzianart, die Goldschmidt im Eierhauck-Gebiet der Rhön gefunden hat; ein Originalbeleg der einzigen von ihm für die Wissenschaft beschriebenen Art.  Der ausgelegte Originalbrief, ein Antwortschreiben von Prof. Richard von Wettstein, k.k. Universität Wien, zeigt, dass Goldschmidt wissenschaftlich korrespondiert hat, wobei v. Wettstein die neu beschriebene Art nicht anerkennen wollte.

Verschiedene Publikationen, vorwiegend zur Planzenwelt der Rhön, aber auch zu der in Bayern, Österreich und der Schweiz zeichnen seinen Weg als Sammler nach und dokumentieren, wie wichtig ihm seine Arbeit war.

Das Interesse an den heimischen Pflanzen entstand bei Moritz Goldschmidt bereits in der Kindheit auf seinem  zweistündigen Schulweg. Im Laufe seines Lebens sammelte und trocknete er mehr als 20.000 Exemplare.

Seit den 1930iger Jahren gehört das Goldschmidt Herbar mit etwa 300 Mappen zum Herbarium Senckenbergianum. Als eine Art Zeitzeuge ist es ein Archiv der Rhönflora und bietet heute und in Zukunft die Möglichkeit, den Wandel im Gefüge der Pflanzenwelt durch eine veränderte land- und forstwirtschaftliche Nutzung zu verfolgen. (dve)

Goldschmidt-Gedenkstein auf dem Küppel am Habelberg bei Tann/Rhön, © Senckenberg

Goldschmidt-Gedenkstein auf dem Küppel
am Habelberg bei Tann/Rhön, © Senckenberg

Infos: Dr. Stefan Dressler, Botanik, Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt