Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut Müncheberg

Lepidoptera
Lepidoptera.

 

 

 Siphonaptera 

(C. Kutzscher)

Die Flöhe sind seit langer Zeit Gegenstand der verschiedenartigsten Untersuchungen gewesen: man hat sie vom philologischen, vom satirischen Standpunkte aus beleuchtet, man hat sie wegen ihrer lustigen Sprünge besungen und noch häufiger wegen ihres Blutdurstes verwünscht, man hat sie „abgerichtet“ und so aus ihnen Gewinn zu ziehen gewußt, nur gerade der Zoologe hat ihnen bisher nicht in der gebührenden Weise seine Beachtung geschenkt.“ (Taschenberg 1880)

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Am Menschen auftretende Floharten.

Der heutige Wissensstand über die in Deutschland beheimateten Flöhe basiert in erster Linie auf den  ökologisch-faunistischen Arbeiten von Peus (1968, 1970 und 1972). Ergänzende Arbeiten erschienen danach hauptsächlich für einzelne Bundesländer. Die jüngste faunistische Übersicht für das gesamte Deutschland datiert mit Kutzscher & Striese auf das Jahr 2003.
Die in dieser Arbeit nach Bundesländern aufgeschlüsselten Daten spiegeln in erster Linie den Bearbeitungsstand wider und erlauben nur im Einzelfall Rückschlüsse auf die geographische Verbreitung der Arten. Für viele häufige Arten, deren Vorkommen im gesamten Gebiet zu erwarten ist, bestehen in etlichen Bundesländern noch immer Nachweislücken. Wenngleich für einen großen Teil der Arten aktuelle Fundmeldungen vorliegen, sind diese im wesentlichen nicht auf das Ergebnis zielgerichteter Untersuchungen zurückzuführen, sondern tragen eher den Charakter von Gelegenheitsfunden. Peus prognostizierte den Nachweis von etwa 10 weiteren Arten aufgrund ihrer Verbreitung und ihres Vorkommens in benachbarten Staaten. Diesbezügliche Hinweise und Anregungen von Peus (1972) haben deshalb bis heute weitgehend ihre Gültigkeit behalten. Besonders lückenhaft erscheint nach wie vor der Kenntnisstand über die Flohfauna der subalpinen und alpinen Stufe der Alpen.

Checkliste in Deutschland beheimateter Floharten
Im Rahmen der Untersuchung und der Erfassung der in Deutschland vorkommenden Siphonapteren-Arten werden eigene Aufsammlungen und regelmäßig anfallende Materialeinsendungen, die häufig als Beifänge im Rahmen diverser Naturschutzprojekte anfallen (u. a. „Hessische Naturwaldreservate“ - Forschungsinstitut Senckenberg) präpariert und bestimmt. Die Fundangaben werden in einer Datenbank registriert und in faunistischen Beiträgen publiziert.

NosophyllusHystrichopsyllaIschnopsyllus

Heimische Floharten

 

 

Sandflöhe in den Nasenhöhlen und unter der Zunge: Die ungewöhnliche Lebensweise von Hectopsylla narium Kutzscher, 2007  (siehe PDF)

Die sogenannten Sandflöhe (Tunga und Hectopsylla, Pulicidae) sind vor allem durch Tunga penetrans allgemein bekannt, der beim Menschen die berüchtigte Tungiasis hervorruft. Die Weibchen befallen hauptsächlich die Füße, wo sie sich tief in die Haut eingraben und zu Entzündungen führen. Die seßhafte Lebensweise der Weibchen ist typisch für alle Tunga- und Hectopsylla-Arten. Die übrigen 22 Arten kommen vor allem in Südamerika an verschiedenen Säugetieren und Vögeln vor.

Hectopsylla narium maleHectopsylla narium female

Hectopsylla narium Männchen und Weibchen (größere Fotos).

Der Kleine Felsensittich, Cyanoliseus patagonus patagonus (Psittacidae), bildet an der patagonischen Steilküste Argentiniens mit 35.000 Nestern die weltweit größte Brutkolonie. Seit 1998 erforschen J. F. Masello und P. Quillfeldt dort die Lebensweise des Papageis und untersuchen dabei u. a. den Ektoparasitenbefall. Neben Milben, 2 Federlingsarten und einer parasitischen Wanzenart wurde auch eine Flohart festgestellt, die an den Küken in den Nasenhöhlen und unter der Zunge parasitiert. Dieser Befallsort ist unter den Flöhen bislang einzigartig. Die an mehr als 200 Küken gesammelten Flöhe gehören zu einer neuen Art der Gattung Hectopsylla. Die Publikation beschreibt die neue Art und ordnet sie in einen Bestimmungsschlüssel mit den nah verwandten Arten ein. Mit phylogenetischen Methoden wird ihre systematische Stellung analysiert. Anhand bionomischer Daten werden die räumliche Verbreitung und die Evolution der Wirtsbeziehungen innerhalb von Hectopsylla diskutiert.
Das Projekt wurde in Kooperation mit Kollegen der Universitäten Bristol (J. F. Masello, England), Cardiff (P. Quillfeldt, England) und Christchurch (R. L. P. Pilgrim, Neuseeland) durchgeführt.

H. nariumH. nariumH. narium

REM-Aufnahmen von Hectopsylla narium.

 

 

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