Senckenberg Forschung

Das Museum von Babel

Das Museum von Babel

Wissen und Wissensvermittlung in der digitalen Gesellschaft

Fachkonferenz, 12. – 14. November 2014, Frankfurt am Main

Sind Museen digitalisierbar? Wie verändert die digitale Revolution die Museen – ihre Forschung, ihre wissenschaftlichen Sammlungen, ihr Ausstellungswesen, ihre Vermittlungsaufgabe und -tätigkeit? Um nach Antworten zu suchen und Chancen wie Herausforderungen zu benennen, lädt das Wissenschaftsjahr 2014 – Die digitale Gesellschaft zusammen mit der Leibniz-Gemeinschaft Interessierte zu einer Fachkonferenz nach Frankfurt ein.


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Pieter Brueghel the Elder (1526/1530–1569) [Public domain], via Wikimedia CommonsDie Idee der phantastischen „Bibliothek von Babel“ stellte der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges Ende der 1930er Jahre vor: Diese Universalbibliothek beschreibt er als den utopischen Ort, an dem alle überhaupt möglichen Texte, d. h. alle Kombinationen eines begrenzten Zeichensatzes, in Form einzelner Bücher versammelt sind. So seien dort also alle großen Epen, Dramen und Dichtungen einer jeden Sprache archiviert, die jemals geschrieben werden können. Vorhanden wären diese Werke in allen kleineren und größeren Textvarianten, von Ausgaben mit einzelnen 'Druckfehlern' bis zu alternativen Handlungsverläufen.
Doch diese wertvollen Schriftstücke verlören sich freilich in den zwar endlichen, aber unvorstellbaren Weiten der Bibliothek: Die überwiegende Mehrheit ihrer Bücher enthielte Zeichenfolgen, die sich in überhaupt keiner Sprache sinnvoll deuten ließen. Für die zwischen Bücherregalen lebenden Bewohner dieser fiktiven Welt ist es daher schon ein großes Glück, auf ein Buch mit nur einem einzigen für sie verständlichen Satz zu stoßen: Borges hält fest, dass in der Bibliothek von Babel "der Unsinn an der Tagesordnung ist und daß das Vernunftgemäße (ja selbst das schlicht und recht Zusammenhängende) eine fast wundersame Ausnahme bildet."
Der Brückenschlag von Borges Nicht-Ort zu unserer gegenwärtigen digitalen Gesellschaft, mit ihrer praktisch unendlichen Datenflut, dürfte jedem leicht gelingen, der schon einmal versucht hat, das 'allwissende Netz' zu Rate zu ziehen, um sich eine beliebige Alltagsfrage zu beantworten – und in 'einschlägigen' Foren zu jeglicher Behauptung auch ihre Gegenrede fand.

 babeldetail

Die Digitalisierung unserer Lebenswelt ermöglicht in ihren vielfältigen Erscheinungsformen große Schritte auf dem Weg zu einem Museum von Babel: Dieses hypothetische Über-Museum besitzt ein praktisch allumfassendes Archiv und alle Möglichkeiten der Forschung, ist kommunikativ total vernetzt und es stehen ihm alle Darstellungsmittel zur Verfügung. In der Folge wären Ausstellungen zu jedem erdenklichen Thema realisierbar. Entscheidend ist aber, nicht zu viele Schritte in Richtung Babel zu gehen, denn das Voranschreiten gefährdet die Signifikanz der Inhalte: Man riskiert beispielsweise Sammlungen, in denen der Forscher alles finden kann und nichts mehr findet (sogenannte "Ansammlungen"), Ausstellungen, die sich in ihren Darstellungsmodalitäten verlieren, oder einen Informationsüberfluss, der jedem alles bietet – aber niemanden anspricht.

 

Die Konferenz setzt inhaltlich an genau diesem Punkt an: In Vorträgen und Workshops werden die Möglichkeiten digitaler Methoden, Hilfsmittel und Medien vorgestellt und ihr Werkzeugcharakter kritisch hinterfragt.
wjNach einem Festvortrag am Mittwochabend und einer inhaltlichen Eröffnung am Donnerstagmorgen können sich die Konferenzteilnehmer aus jeweils drei parallel stattfindenden Themenschienen – zu "Sammlungen & Museumsforschung", "Ausstellung & Vermittlung" sowie "Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit" – in mehreren Zeitblöcken ein individuelles Programm zusammenstellen. Am Donnerstagabend wird ihnen außerdem eine Podiumsdiskussion und ein Konferenzdinner im Senckenberg Naturmuseum geboten. 

Bild: Pieter Brueghel the Elder (1526/1530–1569) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

https://die-welt-baut-ihr-museum.de