Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut Müncheberg

Hymenoptera

SDEI Hymenoptera.

 

 

Forschungsprojekte Hymenoptera

SDEI Hymenoptera Aproceros leucopoda.

Aproceros leucopoda.

zurück zu Forschungsprojekte Hymenoptera

Invasive Arten

(S. M. Blank)

Der zunehmende internationale Waren- und Personentransport verursacht immer häufiger die Verschleppung von Insekten in Regionen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Falls sich diese Neozooen ansiedeln und vermehren, können sie zu erheblichen ästhetischen oder gar wirtschaftlichen Schäden führen.

Die  Zickzack Blattwespe Aproceros leucopoda stammt aus Ostasien. Seit etwa 2003 tritt sie in Südosteuropa auf, seit 2011 auch in Deutschland (Kraus et al. 2012). Die Larven fressen an den in Europa heimischen und kultivierten Ulmenarten und können zu vollkommenem Kahlfraß und wenigstens zum Absterben von Ästen führen. Aufgrund des Schadauftretens wurde A. leucopoda mittlerweile auf die EPPO Alert List aufgenommen. Wechselwirkungen mit dem so genannten “Ulmensterben” werden diskutiert. Die hohe Mobilität der Imagines, parthenogenetische Fortpflanzung, kurze Generationenfolge und die Fähigkeit, bis zu vier Generationen pro Jahr hervorzubringen, bedingten die rasante Vermehrung der Art und ihre Ausbreitung über weite Gebiete in Europa. Ein internationales Team aus Deutschland, Ungarn, Rumänien und Slowenien führt ein Monitoring zur weiteren Ausbreitung und zur Bionomie von A. leucopoda durch sucht nach potentiellen Pathogenen oder Parasitoiden, die für die Bekämpfung eingesetzt werden können.

Ende Mai 2013 veröffentlichte Senckenberg eine Pressemeldung, in der der erstmalige Fund von A. leucopoda bei Berlin gemeldet wurde. Im Sinne einer "Citizen Science" wurden hierin die Bürger gebeten, Ihre eigenen Beobachtungen an das  zu schicken, um die Ausbreitung der Blattwespe in Deutschland genau verfolgen zu können. Es stellte sich heraus, dass sich A. leucopoda mit einer Geschwindigkeit von 50–90 km pro Jahr ausbreitet. Die Art ist  in Deutschland derzeit im Nordosten und in Bayern verbreitet.  Weiter westliche Vorkommen in Belgien und den Niederlanden sind wahrscheinlich auf Verschleppung zurück zu führen (Blank et al. 2014).

Aproceros leucopoda Verbreitungskarte Deutschland

Verbreitung von Aproceros leucopoda in Mitteleuropa im Jahr 2014 (aus: Blank et al. 2014, Journal of Hymenoptera Research 41: 57–74).

Legende: Rote Punkte: Nachweise von A. leucopoda; blaue Kreuze: erfolglose Suche nach A. leucopoda; grüne Hinterlegung: Verbreitung der einheimischen Bergulme und Feldulme nach 1979 in Deutschland (Daten aus BfN & NetPhyD 2013).

 

 

 

Ähnliche Probleme wurden in der neu gebauten Hauptstadt Kasachstan, Astana, beobachtet, in der Arge captiva die aus Ostasien eingeführten und als Alleebäume gepflanzen Ulmen (Ulmus pumila) kahl frißt. Ein ostasiatischer Ursprung wird ebenfalls für eine nach Chile eingeschleppte Tremex-Art (Siricidae) vermutet, deren Larven im Holz verschiedener laubabwerfender Bäume schädlich auftritt (siehe z.B. USDA New Pest Response Guidelines.). Die exakte Identifikation dieser Tremex-Art wird derzeit gemeinsam mit Kollegen aus Chile (Patricio Parra) und den USA (David R. Smith) bearbeitet.

zurück zu Forschungsprojekte Hymenoptera

https://die-welt-baut-ihr-museum.de