Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Paläobotanik

Der Grundstein für die heutigen Sammlungen der Paläobotanischen Sektion des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt am Main wurde bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, unter anderem durch EDUARD RÜPPELL, gelegt, das betreffende Material wurde jedoch zunächst im Rahmen der paläontologischen Sammlungen mitbetreut. Erst HERMANN THEODOR GEYLER, von dem auch eine Reihe paläobotanischer Veröffentlichungen stammt, konnte in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts die fossilen Pflanzen erstmalig in einer eigenen Sektion zusammenfassen.

Ihre Wiederbelebung und den Aufstieg zu ihrer heutigen Bedeutung verdankt die senckenbergische Paläobotanik in Frankfurt jedoch erst den regen und vielfältigen Aktivitäten von RICHARD KRÄUSEL. Nachdem er kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Breslau mit einem paläobotanischen Thema promoviert hatte, kam er 1920 als Studienrat an das Goethe-Gymnasium in Frankfurt. In engem Kontakt zur SGN (damals SNG) nahm er dort sofort vielseitige paläobotanische Studien auf. Nach seiner Habilitation lehrte er ab 1925 Paläobotanik am Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Frankfurt. Zunehmend engere Bindungen an die SNG führten dazu, dass er 1938 zum ehrenamtlichen Leiter der paläobotanischen Sammlungen ernannt wurde, die seit GEYLER's Tod (1889) wieder unter das Dach der Geologisch-Paläontologischen Sammlungen zurückgekehrt waren. Auf dieser Grundlage folgte im Jahre 1941 die Gründung einer eigenen Paläobotanischen Abteilung, die unter KRÄUSEL‘s ehrenamtlicher Leitung stand. Daraus ging mit der Rückkehr des Herbariums von der Universität im Jahre 1946 eine Botanisch-Paläobotanische Abteilung hervor, die auf Lebenszeit ehrenamtlich von RICHARD KRÄUSEL geleitet wurde. Mit Anfang 2005 wurde die Sektion Paläobotanik in die Abteilung Paläontologie und Historische Geologie eingegliedert.

Sciadophyton Sciadophyton

Bestand von Sciadophyton (=Gametophyten von Zosterophyllum) aus dem Unter-Devon des Rheinlandes

Nach Angaben von Richard KRÄUSEL gemalte Rekonstruktion von Sciadophyton

Die zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen KRÄUSEL's decken, wie auch die durch seine Aktivitäten hinzugekommenen Sammlungsbestände, nahezu die gesamte Bandbreite der Erdgeschichte ab. So beschäftigte er sich u. a. mit präkambrischen Stromatolithen, besonders aber mit Pflanzen des Devons, des Mesozoikums und des Tertiärs sowie des ausgehenden Paläozoikums der Südhalbkugel.Er erkannte schon sehr früh die Bedeutung der Kutikularanalyse und der Mikro-Paläobotanik (=Paläo-Palynologie), weshalb er diese Arbeitsbereicheförderte und popagierte.
Nach dem Tode RICHARD KRÄUSEL's im Jahre 1966 übernahm sein bisheriger wissenschaftlicher Mitarbeiter FRIEDEMANN SCHAARSCHMIDT bis Januar 1996 die hauptamtliche Leitung der eigenständigen SektionPaläobotanik. Er setzte mit seinen Arbeiten und Aufsammlungen die Tradition der vielseitigen Ausrichtung KRÄUSEL's fort. Als Mitbegründer und langjähriger Leiter und Motor des "Arbeitskreises für Paläobotanik und Palynologie" machte er die Sektion zeitweilig zu einem wesentlichen Kristallisationspunkt für die Koordination paläobotanischer Aktivitäten in Deutschland. Ihm folgte seit 1996 als Sektionsleiter, ebenfalls mit vielseitigen Aktivitäten, sein ehemaliger Doktorand VOLKER WILDE. So gehört die Sektion Paläobotanik des Senckenberg Forschungsinstitutes und Naturmuseums in Frankfurt am Main heute zu den wenigen etablierten Institutionen ihrer Art in Deutschland.

 

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