Senckenberg Forschung

Projekt DIVA

Forschungsschiff Meteor
Forschungsschiff METEOR

DIVA steht für "Diversitätsgradienten in der Tiefsee des Atlantik". Von Pol zu Pol soll in diesem Projekt die Artenzusammensetzung der Tiefseefauna untersucht werden. Dabei beschränken wir uns auf die Tiefseebecken unterhalb von 5000m Wassertiefe, die mit dem Forschungschiff "Meteor" untersucht werden sollen.  Die Problemstellung ist sehr großräumig.

Wenn von artenreichen Lebensräumen die Rede ist, wird in erster Linie an tropische Regenwälder und an Korallenriffe gedacht. Diese sind bunt, sichtbar und deshalb im Bewußtsein der naturliebenden Menschen als schützenswert verankert. Die Tiefsee gilt als dunkel und aufgrund ihrer kalten Temperaturen (um 2°C) und extrem hoher Drucke (meist bis zu 500 bar) als lebensfeindlich, ein Reich für wenige Spezialisten. So dachten wir, bis amerikanische Wissenschaftler aufgrund von Untersuchungen am Kontinentalhang von Nordamerika für die Tiefsee des Weltozeans Artenzahlen von 10 Millionen voraussagten. Vor dem Hintergrund heute insgesamt beschriebener etwa 1,5 Million Tierarten, wäre dies eine Vervielfachung. Noch sensationeller aber war das Verhältnis zu den Schätzungen von Gesamtartenzahlen des Globus, die bis zu 100 Millionen gehen, wohl aber deutlich niedriger liegen dürften. Die Tiefsee wäre demnach nicht artenarm, sondern extrem artenreich, könnte sich durchaus mit Regenwäldern messen. Die für die Tiefsee behaupteten Artenzahlen wurden in der Folgezeit heiß diskutiert, da sie unsere früheren Vorstellungen auf den Kopf stellten. Sie sind bis heute umstritten, aber selbst bei einer Reduktion auf die Hälfte wären sie noch gewaltig.

Die amerikanischen Forschungen gingen von einer einfachen Hochrechnung aus. Sie zählten die Arten in Proben, die sie entlang eines 1000 km langen Transektes nahmen, stellten fest, daß 100 neue Arten pro 100 km hinzukamen und extrapolierten dieses Ergebnis auf den Weltozean. Problematisch war aber, daß diese Untersuchungen in 1000-2000 m Wassertiefe vorgenommen wurden, also in einer Region der Tiefsee, in der die Einflüsse des naheliegenden Festlandes und der Flachwassergebiete noch zu spüren sind. Genau an diesem Punkt entzündete sich auch die wissenschaftliche Kritik über die Zulässigkeit dieser Art Hochrechnungen. Die Überprüfung der Werte und Hochrechnungen kann nur in größeren Tiefen erfolgen, in denen viel gleichmäßigere Umweltbedingungen herrschen. Wenn man dem Lehrsatz folgt, daß alle Unterschiedlichkeit der Meeresfauna auf ökologischen Unterschieden beruht, sollte eigentlich hier eine weltweit gleichförmige Tierwelt auftreten. Frühere Expeditionen haben gezeigt, daß es trotzdem Unterschiede in der Artenzusammensetzung auch der großen Tiefseebecken gibt. Wie groß ist diese Unterschiedlichkeit? Wodurch kommt sie zustande? Brennende Fragen, die auch die nach dem globalen Artenreichtum der Tiefsee beeinflussen, wie die nach den zulässigen Hochrechnungsmethoden, schließlich aber auch unser Grundverständnis von dem Funktionieren der Lebensgemeinschaften am Tiefseeboden.

Ein solch großes Projekt ist nicht allein zu schultern. DIVA wird von eine Konsortium deutscher Biodiversitätsforscher getragen, die verschiedenen Universitäten und Forschungsinstituten angehören.  Projekt koordinatoren sind: Prof. Dr. Pedro Martinez ( Forschungsinstitut Senckenberg, DZMB, Wilhelmshaven), Prof. Angelika Brandt (Univ. Hamburg), Prof. Horst Kurt Schminke (Univ. Oldenburg), Dr. Michael Türkay (Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt a. M.) und Prof. Wolfgang Wägele (Universität Bochum). An der Auswertung beteiligen sich fast alle marinen Taxonomen Deutschlands.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat für die Expeditionen mit F. S. „Meteor“ Mittel bereitgestellt und ermöglichte damit erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte ein Unternehmen, das die Biodiversität des Weltozeans als vorrangiges Forschungsziel hat. Damit wird aber auch an eine Tradition angeschlossen, die vor mehr als hundert Jahren mit der Deutschen Tiefsee-Expedition auf dem Dampfer „Valdivia“ begann, die sich auch ganz überwiegend mit den Fragen der Arten- und Formenvielfalt der Tiefsee befaßte. Sie hat im benachbarten Kap-Becken gearbeitet und am 18. und 20. September 1898 in Tiefen von 5040 m bzw. 5108 m dort jeweils eine Probe genommen. Die Ergebnisse dieser Probe werden vergleichend in die neuen Untersuchungen einbezogen.

DIVA I (Meteor-Reise 48, 2000)

DIVA II (Meteor-Reise 63, 2005)

 

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