Senckenberg Forschung

Tiefsee Rotes Meer

Besonderheiten der Tiefsee des Roten Meeres

Die Tiefsee des Roten Meeres ist ein einmaliger Lebesraum. Im gesamten Ozean gibt es kein Tiefseegebiet, das in vergleichbaren Tiefen solche Teperaturen erreicht wie das Rote Meer. Unterhalb von 200 m Wassertiefe und noch bis in 2000 m herrschen Temperaturen von 21,5-22°C. Der Grund hierfür ist, dass dieser Wasserkörper durch die flache Schwelle in der Straße von Bab el Mandeb von der globalen ozeanischen Zirkulation des kalten Tiefseewassers ausgeschlossen ist. Außerdem strömt auf Grund der negativen Wasserbilanz des Roten Meeres (Niederschläge und der Einstrom durch Flüsse sind wesentlich geringer als die Verdunstung) an der Oberfläche Wasser aus dem Indischen Ozean ein, das sich auf seinem Weg nach Norden immer weiter konzentriert, dichter wird und in der kalten Jahreszeit absinkt. Das bedeutet, dass das Tiefseewasser des Roten Meeres vor Ort entsteht und damit nicht kälter sein kann als das Oberflächenwasser in der kältesten Jahreszeit.

Das warme Tiefseewasser hat zur Konsequenz, dass organisches Material, das von der Oberfläche absinkt in der Wassersäule schneller zersetzt wird als im Weltozean, in dem ab etwa 200 m Wassertiefe kalte Temperaturen von wenigen Grad herrschen, die bald in die wetweit in der Tiefsee üblichen Teperaturen von etwa 2°C übergehen. Biologisch gesehen bedeutet dies, dass am Tiefseeboden des Roten Meeres weniger organische Substanz ankommt als im Ozean in vergleichbaren Tiefen, der Rest wird in der Wassersäule zersetzt.

Die große Nahrungsarmut am Boden des Roten Meeres wie auch die warmen Teperaturen haben zur Ausbildung einer ganz eigegen Tiefsee-Tierwelt geführt. Es kommen dort Arten, die im Indischen Ozean in viel geringeren Tiefen leben, in über 1000 m Tiefe vor. Es gibt aber auch besonders angepasste, nur dort vorkommende Arten (Endemiten). Der Anteil solcher Endemiten an der Gesamtfauna der Tiefsee des Roten Meeres wird auf 30 % geschätzt, was auch einmalig für eine Tiefseefauna ist.

Expeditionen zur Untersuchung der Tiefseefauna des Roten Meeres

Aufgrund dieser Besonderheit der Tierwelt bestand bei Senckenberg schon immer großes Interesse an der Erforschung dieses Lebensraumes. Möglich wurde dies durch ein großes Umweltprojekt der Universität Hamburg, das in Zusammenhang mit der geplanten Erzschlammförderung aus den Tiefen Becken des Roten Meeres durch Saudi-Arabien und den Sudan stand. Senckenberg beteiligte sich damals an den Umwelt-Risiko-Untersuchungen, mit denen das Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft der Universität Hamburg beauftragt war und stellte seine Expertise bezüglich der Biodiversität der Tiefsee zur Verfügung. Eine Expedition mit F. S. Sonne (1977) und zwei weitere mit F. S. Valdivia (1979, 1981) bildeten den Anfang. Im Jahre 1987 folgte dann eine große Expedition mit F. S. Meteor (Reise 5). Alle Fahrten, an denen wir uns beteiligten, standen unter der Leitung Von Prof. Hjalmar Thiel und die folgende Auswertung erbrachte hohen wissenschaftlichen Ertrag. Eine Zusammfasung der Ergebnisse über das Tiefsee-Benthos findet sich in folgender Publikation:

Türkay, M. 1996. Composition of the deep Red Sea macro- and megabenthic invertebrate fauna. Zoogeographic and ecological implications. In: Uiblein, F., Ott, J. & Stachowitsch, M [Eds.]: Deep-sea and extreme shallow water habitats: affinities and adaptations. Biosystematics and Ecology series, 11: 43-59; Wien (Österreichische Akademie der Wissenschaften).

Ein pdf ist auf Anfrage beim Autor erhältlich

 

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