Senckenberg Forschung

Forschungsinhalte

Die Region Zentralasien mit ihren vielfältigen Geoökosystemen hat eine herausragende volkswirtschaftliche Bedeutung für die Wasser- und Energieversorgung sowie für Lagerstätten energetischer und mineralischer Rohstoffe. Das Gebiet ist aber auch durch eine besonders hohe natürliche Geodynamik (Gebirgs- und Plateaubildung, Erosion, Erdbeben, Rutschungen) mit entsprechenden Konsequenzen für Mensch und Infrastruktur gekennzeichnet.

Diese überwiegend semiaride Region mit den größten Hochgebirgen und dem flächenmäßig größten Gebirgsplateau weltweit spielt zudem eine entscheidende Rolle im globalen Klimasystem, da zum Beispiel das Tibet-Plateau einen wesentlichen Einfluss auf den asiatischen Monsun hat. Vom ostasiatischen und indischen Monsun sowie den Hochgebirgsgletschern in dieser Region hängen wichtige hydrologische Prozesse (Flut- und Dürreperioden, Wasserversorgung) ab, die eine direkte Auswirkung auf die Lebensbedingungen von rund einem Drittel der Weltbevölkerung haben.

Die Region reagiert aber besonders sensitiv auf den Klimawandel sowie auf menschliche Eingriffe in die natürlichen Geoökosysteme. Klimaprozesse wie der indische Monsun haben zudem Auswirkungen weit über das regionale Klima hinweg und beeinflussen auch die Klimamuster der nördlichen Hemisphäre bis nach Europa hinein. Die Veränderungen des indischen Monsuns in den letzten drei Jahrzehnten, wie zum Beispiel das häufigere Auftreten von Extrem-Wetterereignissen geben Anlass zur Sorge, dass sich dieses Klimasystem im Zuge der globalen Klimaerwärmung im Umbruch befindet und auf einen bedeutsamen Kipp-Punkt zusteuert.

Als Kipp-Punkt wird ein Zustand bezeichnet, in dem das Klima seinen Gleichgewichtszustand verlässt und dann nachfolgend entweder in den ursprünglichen Gleichgewichtszustand zurückkehrt oder zu einem neuen stabilen Gleichgewicht gelangt. Kipp-Punkte im Klimasystem sind jedoch in vielerlei Hinsicht noch unzureichend verstanden.

Das BMBF-Verbundprojekt „CAME II: Kipp-Punkte im Klimasystem und ihre Konsequenzen für Zentralasien“ soll daher in koordinierten, interdisziplinären Verbundprojekten und in internationaler Zusammenarbeit Kipp-Punkte in der erdgeschichtlichen Vergangenheit aus dem Holozän, Pleistozän und Pliozän in dieser Region identifizieren und ihre kritischen Grenzwerte sowie zugrundeliegende Auslöser und Mechanismen in räumlichen und zeitlichen Skalen aufklären, um ihre Konsequenzen für die Geoökosysteme und für die heutige Gesellschaft abschätzen zu können und damit frühzeitig Handlungsempfehlungen entwickeln zu können.

Zurzeit besteht CAME II aus zwei großen ProjektverbündenQ-TiP und CAHOL.

 

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