Naturmuseum Frankfurt

Vortragsreihe von März bis Mai 2018
Dorf_Furong_mit_Wasserfall

Konfuzius trifft Senckenberg – Chinas Schätze aus Natur und Kultur

Vortragsreihe des Konfuzius-Instituts Frankfurt und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

China ist reich an kulturellen und natürlichen Schätzen. Die Erforschung dieses Reichtums bietet Wissenschaftlern ein breites Betätigungsfeld. So erforscht die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die natürliche Vielfalt unseres Planeten und deren Entwicklung, mit einem Schwerpunkt in Ostasien und besonders China. Die Konfuzius-Institute vermitteln Chinas Kultur und Sprache in der ganzen Welt (ähnlich den Goethe-Instituten), in direkter Nachbarschaft zu Senckenberg widmet sich das Konfuzius-Institut Frankfurt bereits seit zehn Jahren dieser Arbeit.
Gemeinsam laden die beiden Institutionen jetzt in der aktuellen Vortragsreihe die Besucher von März bis Mai 2018 ein, in die Vielfalt dieses Reichtums einzutauchen. Dabei sind jeweils drei Vorträge der Naturhistorie sowie der Kultur dieses faszinierenden Landes gewidmet. Die Bandbreite der Themen reicht dabei von der Weinkultur über die Erforschung von Spinnen, Vögeln und Klima bis hin zur Religion.

Die Vorträge beginnen jeweils um 19:15
DIe Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Termine und Themen:

7.3.2018
Weinkultur in China
Prof. Dr. Peter Kupfer, Gutenberg Universität Mainz
Spuren des ältesten alkoholischen Getränks der Menschheit stammen aus der neolithischen Siedlung Jiahu in China (Henan, 7000 – 5800 v. Chr.). Jiahu ist zugleich ein gutes Beispiel für die Verknüpfung magischer Kulte, geistiger Getränke und zivilisatorischer Errungenschaften. Während der Dynastien Xia und Shang (21. – 11. Jh. v. Chr.) entstand in China eine weltweit einzigartige Alkoholkultur mit einem hochkomplexen System von Ritualgefäßen, von der uns zahlreiche Mythen und Überlieferungen berichten, und die sich in den folgenden Jahrhunderten durch Handels- und Kulturaustausch mit anderen Weltregionen stets weiter entwickelte. Sowohl in der konfuzianischen Lehre als auch im Daoismus haben Trinkrituale einen großen Stellenwert. Die lange Tradition von Chinas Alkoholkultur wird auf die außerordentliche
Vitis-Vielfalt zurückgeführt.
Neben der Erforschung der Sprachen und Kultur Chinas widmet sich der Sinologe Peter Kupfer dem Studium der Weinkultur und der Seidenstraße. 2018 wird sein Buch „Bernsteinglanz und Perlen des Schwarzen Drachen – Geschichte der chinesischen Weinkultur“ erscheinen.
(Auftaktveranstaltung mit offiziellen Grußworten und Weinverkostung)


21.3.2018
Aus der Sammlung ins Labor: 100 Jahre Erforschung der chinesischen Vogelvielfalt
Dr. Martin Päckert, Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden 
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Asien ein beliebtes Ziel für Forschungsreisende. Der Sichuan-Expedition des
Dresdener Völkerkundlers Walther Stötzner von 1913 – 1915 gehörten Geographen, Botaniker und Zoologen an, unter ihnen der Vogelkundler Hugo Weigold. An Material seiner Vogelsammlung wird seitdem intensiv geforscht. Heute können dank moderner Verfahren die historischen Belege sogar genetisch untersucht werden. Zum hundertjährigen Jubiläum der Stötzner-Expedition fuhren Senckenberg-Wissenschaftler im Rahmen im Sommer 2013 eines DFG-Projektes erneut auf das Dach der Welt.
Martin Päckert berichtet in diesem Vortrag von spannenden neuen Forschungsergebnissen. Der Ornithologe ist Kurator der ornithologischen Sammlung in Dresden und forscht vor allem in Europa und Asien.

11.4.2018
Wie
Buddhismus und Daoismus das Verhältnis von Natur, Mensch und den Göttern in China prägten
Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer (Universität Tübingen)
Die Herausbildung der chinesischen Zivilisation ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl unterschiedlicher, zum Teil einander
widersprechender Traditionen und Kulturen. In einem großen Bogen werden die Weltbildkonstruktionen und Weltdeutungsstrategien Chinas seit ihren Anfängen entfaltet. Diese haben sich im Laufe der Jahrhunderte erheblich gewandelt, sind aber auch durch neue Lehren, insbesondere den Buddhismus, herausgefordert worden. Eine Antwort hierauf war auch der Daoismus. Solche Wechselspiele haben die geistigen Entwicklungen geprägt und begründen bis heute die Vielfalt Chinas und seine Fähigkeit zu Wandel und Veränderung. Nach der im 16. Jahrhundert einsetzenden Auseinandersetzung mit dem Westen wird inzwischen wieder den eigenen Traditionen eine größere Aufmerksamkeit zuteil. Dabei geht es nach wie vor um die zentrale Frage, wie sich der Einzelne in seiner Welt positioniert und diese damit gestaltet.
Der Sinologe Helwig Schmidt-Glintzer leitet seit 2016 das China Centrum Tübingen (CCT) und war bis von 1993 bis 2015 Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. In seinem aktuellen Forschungsprojekt beschäftigt er sich mit der Modernisierung und der kulturellen Identität Chinas.

25.4.2018
Klimaschwankungen und Aussterbeereignisse im Paläozoikum von China

Dr. Peter Königshof, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt am Main
Das Erscheinungsbild der Erde wandelt sich ständig, bedingt durch Prozesse wie z. B. Plattentektonik, Vulkanismus oder
Klimaänderungen. Forscher können diese klimatischen Wechsel mittels unterschiedlicher Untersuchungsmethoden an den Gesteinsschichten und den darin enthaltenen Fossilien ablesen. Zahlreiche Aussterbeereignisse der Erdgeschichte gerade im mittleren Paläozoikum werden als Folge von Klimaveränderungen angesehen. Hinweise darauf finden sich auch
in China. In diesem Vortrag werden hierzu Beispiele vorgestellt und mögliche Ursachen der Klimaveränderungen diskutiert.
Der Geologe Peter Königshof erforscht sedimentäre Abfolgen im mittleren Paläozoikum, um die Ursachen für Klimaveränderungen und Aussterbeereignisse besser zu verstehen, und leitet bereits das dritte internationale UNESCO-Forschungsprojekt zu dieser Thematik.

9.5.2018
Vielfalt und Ordnung: Gelehrte Erkundungen der Tier- und Pflanzenwelt im China des 11. bis 19. Jahrhundert 
Martina Siebert, Staatsbibliothek zu Berlin – Ostasienabteilung
Wie wurde Naturkunde im alten China betrieben? Im Fokus des Vortrags stehen Monographien, die sich jenseits der etablierten Beschäftigung mit der Identifizierung und Beschreibung von materia medica und dem erstellen allumfassender Enzyklopädien fokussiert mit nur einer Tier- oder Pflanzenart beschäftigen. Ab dem 11. Jahrhundert wurde immer neuen Spezies eine Monographie gewidmet und es wurden voluminöse Zusammenstellungen z.B. zu Vögeln oder zu allen Tierarten erstellt. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Entwicklung und den Charakter dieser Schriften und diskutiert, wie die Autoren die Herausforderung zu meistern suchten, zum einen fragmentarisches Wissen über schwer zu beobachtende Spezies zu präsentieren, zum anderen große Korpora zu ordnen und morphologische Vielfalt zu gruppieren. Auf der Grundlage dieser Beobachtungen soll ein unvoreingenommener Blick auf die naturkundlichen Interessen im alten China geworfen werden.
Die Sinologin und Wissenschaftshistorikerin Martina Siebert beschäftigt sich mit der Verschriftlichung, Klassifikation und Verwaltung von Wissen über die konkret erfahrbare Welt sowie den gelehrten Annäherungen an das Unerklärliche im historischen China.


23.5.2018
Achtbeiner im Land der Morgenröte – Aktuelle Spinnenforschung in China

Dr. Peter Jäger, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt am Main
Deutschlands etwa 1000 Spinnenarten sind lange bekannt, und die Zahl bleibt stabil – in China dagegen werden zu den bereits erfassten weit über 4500 Arten jährlich Dutzende neue Arten beschrieben. Die Lage des riesigen Landes an der Schnittstelle zwischen gemäßigten und tropischen Klimaten sowie die Vielfalt der Lebensräume, die von der Meeresküste bis zu höchsten Bergregionen reicht, ließen einen bis heute nicht gehobenen Schatz der biologischen Vielfalt entstehen. Die Sektion Arachnologie des Forschungsinstituts Senckenberg ist seit 2004 mit Kooperationen und Forschungsreisen in China aktiv. Wie gelangten die Spinnen in die Höhen des Himalayas? Welche Rolle spielen Höhlen bei der Evolution dieser ökologisch so wichtigen Tiergruppe?
Der Biologe Peter Jäger gibt einen Überblick über aktuelle Ergebnisse der arachnologischen Forschung im Reich der Mitte. Er hat bereits über 300 neue Arten beschrieben, vor allem die südostasiatischen Spinnen lassen ihn nicht los.


Jeweils Mittwoch, 19:15
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Veranstaltungsort:
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (Maria Sybilla Merian-Haus)
Georg-Voigt-Straße 14 | 60325 Frankfurt

Kontakt: Dr. Julia Krohmer, Stab Wissenschaftskoordination, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Telefon: +49 (0)69 75 42 -18 37 | E-Mail: jkrohmer@senckenberg.de


Die Vortragsreihe wird veranstaltet von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
in Kooperation mit dem Konfuziusinstitut Frankfurt am Main.

https://die-welt-baut-ihr-museum.de