Naturmuseum Frankfurt

Januar 2005
 

 Lappentaucher
Abb.1: Lappentaucher

 

Flamingo
Abb.2: Flamingo


Schaedel 
Abb.3: Schaedel von
Flamingo, Lappentaucher
und fossilem Palaelodidae

 

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Flamingos und Lappentaucher:
ein Beispiel für extrem konvergente
Entwicklung in nahe verwandten
Vogelgruppen


Die Verwandtschaftsbeziehungen der Flamingos (Phoenicopteriformes) waren lange Zeit sehr umstritten. Von früheren Autoren wurden vor allem Störche (Ciconiiformes) oder Gänsevögel (Anseriformes) als ihre nächsten Verwandten angesehen.
Neueste molekulargenetische Untersuchungen konnten diese Verwandtschaftsbeziehungen nicht bestätigen, sondern haben zu der Hypothese geführt, dass die nächsten Verwandten der Flamingos die Lappentaucher (Podicipedidae, Abb.1) sind, deren bekanntester einheimischer Vertreter der Haubentaucher (Podiceps cristatus) ist.
Ein gezielter Vergleich hat inzwischen auch einige bisher übersehene morphologische Gemeinsamkeiten zwischen Flamingos und Lappentauchern zu Tage gefördert. So teilen beide Vogelgruppen eine nur ihnen eigene Gruppe von Bandwürmern, eine charakteristische Struktur der Eischalen, elf Schwungfedern, eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Halswirbeln und die Verschmelzung von Brustwirbeln. Aufgrund der sehr verschiedenen Lebensweise von Flamingos und Lappentauchern lassen sich diese Übereinstimmungen nur schwer durch eine unabhängige parallele Entwicklung erklären.
Als „morphologisches Bindeglied“ zwischen Flamingos und Lappentauchern gilt eine ausgestorbenen Flamingogruppe, die Palaelodidae. Vergleiche der fossilen Reste zeigen, daß sie recht hohe Unterkiefer wie Flamingos besaßen, während ihre Schädelproportionen noch denen der Lappentaucher ähnelten (Abb.3). Das Beinskelett der Palaelodidae zeigt Merkmale, die auf eine schwimmende Lebensweise schließen lassen, welche offensichtlich innerhalb der Flamingogruppe ursprünglich ist. Das charakteristische Aussehen moderner Flamingos (Abb.2) ist demnach eine Folge ihrer hochspezialisierten Ernährungsweise.

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