Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Messelforschung und Mammalogie
 

Die Abteilung Messelforschung wurde 1993 im Forschungsinstitut Senckenberg eingerichtet.

Wissenschaftliche Zielsetzung

ist die Erforschung und Rekonstruktion des eozänen Messeler Sees und seiner Umgebung durch die festangestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter(innen) anhand:

  1. taxonomisch-morphologischer Untersuchungen der bereits vorliegenden und jährlich hinzukommenden Wirbeltierfossilien
  2. von Forschungsvorhaben zur Phylogenese, Biostratigraphie, Paläökologie, Paläoenvironment und Paläobiogeographie 
  3. der Entwicklung von Modellen zur Geschichte des Seengebietes und zur Strukturgenese der isolierten geologischen Hohlformen sowie der Bildung der Seesedimente (Messel-Formation).

Diese Zielsetzungen werden mittel- und langfristig auch in Kooperationsprojekten mit internationalen und nationalen Fachkolleg(inn)en umgesetzt.

Die wissenschaftlichen Arbeiten sind den senckenbergischen Forschungsbereichen Biodiversität und Evolution/Systematik und Biodiversität und Erdsystem-Dynamik zugeordnet.


Struktur

Entsprechend der Empfehlung des Wissenschaftsrats sind in dieser Abteilung keine voneinander getrennten Sektionen zusammengefasst, sondern es wurden Arbeitsgruppen etabliert, die in Struktur und Funktion ineinander greifen. Demzufolge sind drei Wissenschaftlerstellen auch drei weit gefasste Arbeitsbereiche zugeordnet, deren konkrete Ausgestaltung in einzelnen Arbeitsgruppen erfolgt.

Die drei Arbeitsbereiche sind:

  • Grabung und Präparation; Geologie: Forschungsstation Grube Messel ( Dr. Wedmann; Dr. Schaal)
  • Messelsammlung, Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit: Forschungsinstitut Senckenberg und Forschungsstation Grube Messel (Abteilungsleiter Dr. Schaal)
  • Paläobiologie und Wirbeltierradiologie: Präparationsunterstützung, Mikroröntgen und Mikrotomographie bei paläobiologischen und zoologischen Untersuchungen ( Dr. Habersetzer)

Die Arbeitsgruppen wurden mit dem Ziel gegründet, organisatorische und personelle Strukturen zu bilden, die auf Dauer bestehen und in die wiederum zeitlich begrenzte Projekte (interdisziplinäre Projekte und Projektforen "Forschungsbohrung 2001") eingebunden werden. Die acht Arbeitsgruppen sind:

Arbeitsgruppe 1: Grabung und Präparation

In der Forschungsstation Grube Messel können bis zu zehn  studentische Praktikant(inn)en untergebracht werden, die unter fachlicher Anleitung eines Wissenschaftlers, der Präparator(inn)en und Technischen Assistent(inn)en die Grabungsarbeiten in der Grube Messel durchführen. Während der Grabungen werden Grunddaten von Funden ( z.B. Position und Ausrichtung im Raum) sowie Besonderheiten erfasst und dokumentiert. Die geborgenen und konservierten Fossilien (Insecta, Pisces, Amphibia, Reptilia, Aves, Mammalia) werden nach einer Zwischenlagerung in der Forschungsstation präpariert. 

Messel (Grabung)

Arbeitsgruppe 2: Messelgeologie

Bohrungen, Profilaufnahmen, Untersuchungen zur Stratigraphie und Petrographie, Mineralogie, sowie Kartierung der Messel-Formation und ihrer Umgebung dienen dem Ziel, offene Fragen zur Genese und Entstehungsgeschichte der Lagerstätte bis hin zu limnologischen Aspekten zu beantworten. Fundhäufigkeiten bei Fossilgrabungen in Abhängigkeit von der Tiefe und der lateralen Verteilung werden ermittelt und Grundlagen zur Geschichte des Seengebietes, der Sedimente und zur Strukturgenese erarbeitet.               

Messel (Forschungsbohrung 2001)    

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Mehr zu Bohrungen außerhalb der Grube Messel ...  


Arbeitsgruppe 3: Paläobiologie

Den Schwerpunkt der Arbeitsgruppe bilden Forschungsprojekte zur Paläobiologie und Taxonomie von Säugetieren (Fledermäuse, Raubtiere) und Reptilien (Schlangen, Echsen), wobei besonders Lokomotion und Ernährung untersucht werden. Zusammen mit dieser erweiterten Kenntnis der einzelnen Taxa werden Hinweise zur Interaktion der Messeler Tiere genutzt, um das eozäne Ökosystem von Messel zu rekonstruieren. Die Analyse von Nahrungsketten im Messeler See werden im Rahmen von limnologischen Forschungsprojekten durchgeführt ( z.B. das Vorkommen bestimmter Insekten in den Magen-Darm-Inhalten und versteinerterten Exkrementen, den Koprolithen, von Messeler Fischen).     

Messeler Fledermäuse (Flugbiologische Einnischung)    

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Mehr zu Messeler Schlangen ...


Arbeitsgruppe 4: Digitale Medien

Die Anwendung digitaler Bildbearbeitungstechniken (Röntgen, REM , digitale Funddokumentation) dient der ständigen Erweiterung und Verbesserung des umfangreichen Bildarchivs über Messel.  Ziel ist außerdem, neue Methoden für paläobiologische Fragestellungen abteilungsübergreifend in Forschungsprojekten anzuwenden. Darüber hinaus wird Neuland betreten, indem nicht nur rein virtuelle Objekte animiert werden ( z.B. für die Öffentlichkeitsarbeit), sondern  3D-Video-Flüge sogar durch reale Objekte realisiert werden (Bild oben: Knochenbälkchenaufbau eines Oberarmknochens; Bild unten: Flug durch eine Innenohrschnecke; beide auf der Basis höchstauflösender Mikro-Computertomographien). 

Standbilder von 3D-Animationen (Messel) 

Arbeitsgruppe 5: Röntgen

Die Arbeitsgruppe Röntgen besteht aus Wissenschaftler-(inne)n, die Forschungsprojekte mit mikroradiographischen (und neuerdings auch mit mikro-computertomographischen) Untersuchungen durchführen. Für den speziellen Einsatz von Röntgentechniken in der Paläontologie und Zoologie werden z.T. sehr umfangreiche Eigenentwicklungen realisiert. Außerdem nutzen Präparator(inn)en und Technische Assistent(inn)en Röntgenbilder als Präparationshilfe und zur Dokumentation von Einbettungspräparaten (Einbettungspräparat = Fossil halbseitig präpariert und mit Kunstharz geschützt, halbseitig im natürlichen Sediment eingebettet). 

Messeler Scheinraubtier (Schädel mit Röntgenbildern)    

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Arbeitsgruppe 6: Messeldokumentation und Fossilien-Sammlung

Aufgabe dieser Arbeitsgruppe ist die Pflege der Messeler Fossilien-Sammlung (Insecta, Pisces, Amphibia, Reptilia, Aves, Mammalia, weit über 15.000) unter Einbeziehung der Literatur (Messelbibliothek) und der Forschungsergebnisse in Form von allgemein zugänglichen Datenbanken. Es besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen der Abteilung Messelforschung und Wissenschaftler(inne)n anderer senckenbergischer Sektionen ( z.B. Paläobotanik, Ornithologie und Mammalogie) sowie in- und ausländischen Wissenschaftler(inne)n. In den letzten Jahren wurden bevorzugt die zahlreichen Vogelfossilien für die Bearbeitung am Forschungsinstitut Senckenberg geröntgt und präpariert. Dies zeigt sich in der großen Zahl neu beschriebener Taxa. 

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Messeler Urpferdchen (Stute)

Arbeitsgruppe 7: Öffentlichkeitsarbeit 

Die Messelausstellung wird regelmässig um neue paläontologische und geologische Forschungsergebnisse und neue Funde aktualisiert, z.B. in der derzeitigen Ausstellung durch zahlreiche neue Fossilfunde der Aktion 1+1=3 des Bankhauses Metzler, sowie in Zusammenarbeit mit Privatsammlern. Weitere Schwerpunkte sind: Führungen durch die Messelausstellung und Sammlung, sowie durch das UNESCO Weltnaturerbe, Veranstaltung von Sonderausstellungen und Vorträgen, Interviews, Betreuung von Filmteams, Zusammenarbeit mit dem Kulturbeirat Messel sowie umfassende Beteiligung bei Erstellung von Konzepten und Inhalten für das Besucher- und Informationszentrum Messel.       

Messelausstellung (Vitrine Senckenbergmuseum)

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Arbeitsgruppe 8: Betreiberfunktion

Der Betrieb der Fossilienlagerstätte (Tagebergbau) und der Forschungsstation Grube Messel erfolgt im Sinne des Bundesberggesetzes zur Erforschung des Naturdenkmals und für die Bereitstellung von Grabungsstellen. Die Aufgabenbereiche sind im wesentlichen: Wasserhaltung, Wasseraufbereitung, Sicherung und Überwachung der Grubenhänge, Instandhaltung der Wege und Zäune, Brandschutzmaßnahmen und Bekämpfung der Schwelbrände, bergrechtliche Grubenaufsicht, Erstellung und Abwicklung von Rahmen-, Haupt- und Sonderbetriebsplänen, Auftragsvergabe für Dienstleistungen Dritter ( z.B. Wasserpumpen), Konzipierung der jährlichen Grabungspläne, die eine kontinuierliche Grabung und Erforschung sicherstellen.

Weltnaturerbe Grube Messel (Luftbild)

 Zukunftsperspektiven

  1. Regelmäßige Grabungsaktivitäten in der Grube Messel.
  2. Untersuchungen zur Paläontologie und Biologie der Messel-Formation.
  3. Grundlagen zur Geschichte des Seengebietes, der Sedimente und zur Strukturgenese.
  4. Weitere Kooperationen und Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Fachkolleg(inn)en und Instituten ( z.B. Projekte mit dem GGA -Institut zur Klärung der Strukturgenese von isolierten Eozän-Vorkommen im Raum Messel).
  5. Weiterer Ausbau der Mikro-Computertomographie und 3D-Techniken.
  6. Erstellung von Multimedia-Materialien und konventionellen Fossilien-Rekonstruktionen für das Naturmuseum Senckenberg und das zukünftige Besucher- und Informationszentrum an der Grube Messel.

 

 


 

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