Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Marine Evertebraten I


Diversität, Phylogenie, Zoogeographie und Evolutionsökologie der Porifera (Schwämme).

Schwämme als aktive Filtrierer tragen signifikant bei zum Nährstoff-Kreislauf in der pelago-benthischen Kupplung. Ferner spielen Schwämme als Wirtsorganismen und am Meeresboden strukturgebend eine wichtige ökologische Rolle, und indem sie für andere Organismen Habitate schaffen. So betrachtet ist die evolutionäre Radiation der Poriferen ein ökologischer Schlüsselfaktor zur Verbreitung und Diversität marin-benthischer Lebensgemeinschaften.

Wir verwenden eine integrative Methodik, die molekulare Techniken mit morphologischen und paläontologischen Daten verbindet, um ein Verständnis zu erreichen über die Geschichte von Kolonisation und Verbreitung der Porifera und ihrer Rolle innerhalb der Benthos-Gemeinschaften in der Tiefsee.

 

Schwaemme

Bild: Thomas Lundälv


Schwerpunkte derzeit:

Porifera in der Tiefsee: Diversität, Zoogeographie und Evolutionsökologie
Untersuchungen der Poriferen-Faunen ausgewählter Tiefseeregionen, zoogeographische und ökologische Vergleiche.
Schwämme des Südpolarmeers und faunistische Vergleiche mit anderen Tiefseegebieten u. a. die Arktische Framstraße, HAUSGARTEN. (Kooperation mit Teams des Alfred Wegener Instituts, Bremerhaven).

Phylogenie und Radiations-Geschichte ausgewählter Schlüssel-Taxa der antarktischen Tiefsee-Porifera (Schwämme) (ANTARC-Por, DFG: JA 1063/14, gemeinsam mit Prof. Gert Wörheide, LMU)

 

Spics 

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Cladorhiza sp.

Aktivitäten insbesondere in den Tiefsee-Forschungsprogrammen ANtarctic DEEP-sea und SYSTem COupling im antarktischen Weddellmeer (gemeinsam mit den ANDEEP-SYSTCO-Teams unter Leitung von Prof. Angelika Brandt, Univ. Hamburg).

Dynamik und Populationsökologie der Schwämme des ehemaligen Eisschelfs Larsen AB und angrenzender Gebiete, östlich der Antarktischen Halbinsel (DFG: JA 1063/17-1):
Regionale Erwärmung an der Antarktischen Halbinsel seit den 1950ern führten im 1995 bzw. 2002 zum Kollaps der Larsen AB Eisschelfe. Die ökologischen Auswirkungen dieser Ereignisse werden von multidisziplinären wissenschaftlichen Teams auf mehreren Expeditionen  (2007, 2011 und 2013) studiert, um die ozeanographischen und ökologischen dynamischen Veränderungen nachzuspüren. Vermutete Artenbildungs-Prozesse und Besiedlung der Larsen Schelfe durch Pionier- und Tiefsee-Taxa werden mit Hilfe vergleichend morphologischer und molekularer Methoden, und durch parallele Analysen der Schwamm-Infauna untersucht, sowie ökologische Abfolgen durch systematische und quantitative Auswertung von ROV-Transsekten.

Paläoökologie und Evolution der fossilen Porifera; Phylogenie der Hexactinellida (Glassschwämme).

 

 

rossella 

Rossella nuda

Die Porifera sind höchst wahrscheinlich die ältesten, jetzt noch existenten Metazoa. Diverse Schwammvorkommen in Schichten des untereren Kambriums zeugen von der ihre frühe, wahrscheinlich schon präkambrische Evolution. Die Blütezeit der Schwämme lag im höheren Mesozoikum, wo insbesondere Hexactinellida und „lithistide“ Demospongiae große Artenvielfalt entwickelten und als Riffbildner weltweit eine wichtige Rolle spielten, insbesondere in den Schwammriffen des Oberjuras und der Oberkreide. Während die rigiden Hexactinelliden somit sehr reiche Überlieferung zeigen, sind die nicht-rigiden Vertreter der Lyssacinosida und die Amphidiscophora fossil selten. In besonderen Erhaltungs-Fenstern, z. B. dem Arnagerkalk (Oberkreide, Coniac) von der Ostseeinsel Bornholm finden wir jedoch ihre reiche fossile Dokumentation.

Fossiler Glasschwamm

Fossiler Glasschwamm

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