Naturmuseum Frankfurt

Oktober 2005

Den Wüstentänzern auf der Spur - Riesenkrabbenspinnen in der Namib 


Anfang des Jahres 2005 fand eine Expedition der Sektion Arachnologie (Spinnenkunde) des Forschungsinstituts Senckenbergs in das südliche Afrika statt.
Hierbei wurden im Rahmen einer Doktorarbeit über Riesenkrabbenspinnen Daten zur Biogeographie erhoben sowie Material für wissenschaftliche Untersuchungen gesammelt.
Ein besonderen Forschungsschwerpunkt lag in der Namib. Mit einer Gesamtlänge von ca. 2000 km erstreckt sich die Namib vom südlichen Port Nolloth in Südafrika entlang der gesamten Küste Namibias bis in den Norden nach Mocamedes in Angola. Sie besteht im Süden hauptsächlich aus Sanddünen und im Norden meistens aus harten Kiesflächen.
Das Augenmerk gilt hier einem außerordentlich interessanten Bewohner der Namib-Wüste, einer Riesenkrabbenspinne. Wissenschaftlich wird sie Leucorchestris arenicola genannt. Übersetzt bedeudet dies „tanzende weiße Dame“ (leucos gr. = weiss, orchestris gr. = Tänzerin).
Diesen Namen erhielt die Spinne nach der Beschreibung des afrikanischen Naturforschers Reginald Lawrence (1897–1987), der deren Bewegungsweise studiert hatte und diese mit den beinschwingenden Bewegungen einer Tanzgruppe verglich.
Als Versteck vor Feinden, aber auch als Rückzugsplatz vor den heißen Temperaturen des Tages dienen den Spinnen ihre Wohnröhren, die mit Hilfe von Spinnseide bis zu einer Länge von 80 cm in den losen Sand gebaut werden. Der Röhreneingang wird mit einem beweglichem Deckel von einem Durchmesser von ca. zwei Zentimetern verschlossen und bleibt damit in den Dünen gut getarnt.
Die Fährten der Spinne sind meist leicht bis zur Wohnröhre zu verfolgen. Das Ausgraben hingegen gestaltet sich schwieriger. Weiträumig muss der Sand mit den Händen bis zum Ende der Wohnröhre, wo sich das Tier aufhält, weggeschaufelt werden. Dabei muss zuletzt am besten mit einem Löffel äußerst sorgfältig vorgegangen werden, da die freigelegte kegelförmige Mulde im lockeren Sand leicht einstürzen und die Wohnröhre zuschütten kann. Die Spinne springt oft plötzlich heraus und bleibt, geblendet vom Tageslicht, ruhig sitzen.
Bevor sie die Flucht ergreifen kann, muss der Fangbehälter schnell über die Spinne gestülpt werden. Weitere Untersuchungen erfolgen im Labor des Forschungsinstitutes Senckenberg.

 


Ausgraben einer Spinne   "Weisse-Dame" - Spinne

Abb. 1 Der Autor beim
Ausgraben einer Spinnenröhre

Abb. 2  “Tanzende weiße Dame“
(Leucorchestris arenicola)
in der Frontalansich

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