Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Sonderausstellung "Drehscheibe Sahel"

Von Perlen, Rost und Meeresschnecken (03/09/07)
Sonderausstellung "Drehscheibe Sahel" bei Senckenberg

Perleninsitu, © Senckenberg

Fernhandel vom Mittelmeer bis zur Atlantikküste - Die Sonderausstellung „Drehscheibe Sahel“ zeichnet ein Bild der Sahelzone als geschäftiges Handelszentrum vor mehr als 1.500 Jahren. Wie die Bevölkerung südlich der Sahara damals lebte, zeigt die

Sonderausstellung im Naturmuseum Senckenberg
vom 8. September bis 28. Oktober 2007
im Sonderausstellungsraum 2. OG (Raum 211)

Perleninsitu, © Senckenberg  

Frankfurt a.M., 3. September 2007 _ Ein Armreif führte die Archäologin auf die richtige Fährte. Dr. Sonja Magnavita vom Institut für Archäologische Wissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität kann sich noch sehr gut an diesen Moment erinnern. Bei der Untersuchung der westafrikanischen Siedlungshügel am Mare de Kissi, einem halbjährlich wasserführenden See im Norden Burkina Fasos, blieb sie mit dem Schuh an dem Schmuckstück hängen, das die Arbeitsgruppe zu einem kolossalen Fund lotsen sollte. „Vielleicht wäre diese einmalige Stelle sonst niemals entdeckt worden“, meint Sonja Magnavita.

Perlen, © SenckenbergPfeilspitzen, © Senckenberg
Perlen und Pfeilspitzen, © Senckenberg

Mehr als 4.500 Perlen aus Glas, Knochen oder Ton fand die Arbeitsgruppe für Archäologie und Archäobotanik Afrikas in den Begräbnisstätten am Mare de Kissi in der Sahelzone. Von einem regen Austausch zwischen Mittelmeer und Atlantikküste schon seit dem ersten Jahrhundert n. Chr. zeugen aber nicht nur Glasperlen, sondern auch Armreife, Ketten, Textilien, Schwerter oder Kaurischnecken. Handelsbeziehungen zwischen Nordafrika und der Sahelzone bestanden demnach nicht erst seit der Ausbreitung des Islam in Nordafrika im siebten Jahrhundert. Vielmehr war der so genannte Trans-Sahara-Handel deutlich früher im Gange, als Wissenschaftler bisher vermuteten.

Eine Auswahl der im burkinischen Ort Kissi ausgegrabenen Objekte im Original ist ab dem 8. September im Naturmuseum Senckenberg zu sehen. Zeugnisse aus der Eisenzeit vor mehr als 1.500 Jahren wie Messingschmuck, Armreife, Perlenketten, Gürtel, Waffen oder Kaurischnecken geben einen Eindruck vom damaligen Leben und Schaffen der Sahel-Bewohner und ihrer Fernhandelsbeziehungen. Die Glasperlen, die man in den Grabstätten fand, wurden zum Beispiel in Persien hergestellt, der Kupferschmuck hat seine Herkunft in Nordafrika, und die Kaurischnecken stammen aus dem Indischen Ozean. „Das Thema Handel führt als roter Faden durch die Ausstellung“, sagt Sonja Magnavita. Sie begleitet die Sonderausstellung im Senckenbergmuseum als ehemalige Mitarbeiterin des abgeschlossenen Sonderforschungsbereichs „Westafrikanische Savanne“. Gleichzeitig gibt die Ausstellung einen Einblick in die Arbeitsmethoden von Archäologen. Ob ein Schwert in Mitteleuropa oder im Sahel angefertigt wurde, kann beispielsweise am Holzgriff festgestellt werden. Stammt das Holz von einer Eiche oder Eibe, hat es mit großer Sicherheit mitteleuropäischen Ursprung.

Bereits von Oktober 2002 bis Februar 2003 stand Westafrika im Fokus einer Sonderausstellung im Naturmuseum Senckenberg, ebenfalls betreut von der Frankfurter Goethe-Universität und, wie auch diese Ausstellung, vollständig von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Verschiedene Exponate, Filme und Computeranimationen berichteten vom „Leben in Westafrika“, so der Titel der damaligen Ausstellung. Mit der Sonderausstellung „Drehscheibe Sahel“ wird die Zusammenarbeit zwischen dem Naturmuseum Senckenberg und der benachbarten Universität erfolgreich fortgesetzt. Wie ihre Vorgänger-Ausstellung trägt auch diese Sammlung zur Differenzierung des Afrika-Bildes in der Öffentlichkeit bei.

Unterstützt wird die Eröffnung sowie die Bewerbung der Sonderausstellung „Drehscheibe Sahel“ von dem Senckenberg Hauptsponsor, der KfW Bankengruppe, die sich in Burkina Faso mit Entwicklungsprojekten zu Wasserversorgung, Landwirtschaft und Kommunalentwicklung nachhaltig engagiert.

Nach Abschluss der Ausstellung im Senckenbergmuseum wird eine französischsprachige Version der Ausstellung erstellt, und die Objekte werden dem Nationalmuseum von Burkina Faso in der Hauptstadt Ouagadougou übergeben, wo sie ab 15. März 2008 dauerhaft zu sehen sind.

Auf Anfrage senden wir Ihnen gern Bildmaterial zu.

Pressekontakt:

Forschungsinstitut und Naturmuseum

Pressestelle
Doris von Eiff
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt
Tel.: 069/7542-1257
Email: doris.voneiff@senckenberg.de

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

Dr. Stefan Schmid (Geschäftsführer des Zentrums für interdisziplinäre Afrikaforschung ZIAF)
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069/798-32097, 0179-2136059
Email: s.schmid@em.uni-frankfurt.de

Dr. Sonja Magnavita (Institut für Archäologische Wissenschaften, Archäologie und Archäobotanik Afrikas, Sonderforschungsbereich 268, Kuratorin der Ausstellung)
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069/798-32101
Email: Magnavita@em.uni-frankfurt.de

 

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