Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden

Lepidoptera

Crambus pascuella (photo: Heidrun Melzer)

Systematik und Phylogenie der Zünslerfalter (Pyraloidea)

Seit Einführung der binären Nomenklatur in die Zoologie im Jahr 1758 durch Carl von Linné wurden etwa 15.500 Arten der Pyraloidea beschrieben. Dabei wurde bis in das 20. Jahrhundert hinein die tatsächliche Artenvielfalt weit unterschätzt. Viele Originalbeschreibungen ermöglichen keine Verifizierung der Arten und leisten ihrer Mehrfachbenennung Vorschub, so dass es heute über 7.000 Synonymnamen gibt. Des Weiteren erfolgte, zum Teil bis in die Gegenwart, die Klassifikation mehr nach Ähnlichkeits- als nach Verwandtschaftskriterien, welche die Arten der Pyraloidea in über 2.065 Gattungen (+ 1.350 Synonyme) klassifiziert. Damit liegt für diese Tiergruppe bislang ein sehr unübersichtliches System vor.
Die Aufarbeitung dieser Defizite, die Katalogisierung aller bislang beschriebenen Namen, die Revision bereits beschriebener Taxa, die wissenschaftliche Beschreibung neuer Arten und die Rekonstruktion ihrer natürlichen Verwandtschaftsbeziehungen bilden den Kern unserer Forschungsaktivitäten.
Die Katalogisierung aller bislang beschriebenen Namen erfolgt über das Globale Informationssystem Zünslerfalter (GlobIZ), das 2003 im Rahmen der GBIF-D Initiative etabliert wurde. GlobIZ ist eine Onlinedatenbank, die eine simultane Datenbearbeitung durch Spezialisten aus aller Welt ermöglicht und die Daten im Internet frei zur Verfügung stellt. Die Datenbank enthält bereits 13.000 Pyraloidea-Arten (+ 5.000 Synonyme) und wird am Museum für Tierkunde Dresden koordiniert (Nuss et al. 2003–2011). 

Aktuelle Forschungsprojekte

Phylogenie der Spilomelinae

Promotionsvorhaben von Diplom-Biologe Richard Mally

Innerhalb der Zünslerfalter stellen die Spilomelinae neben den Phycitinae mit etwa 3.770 beschriebenen Arten die artenreichste Gruppe dar. Die Vorderflügellängen der Falter reichen von 7 mm bei kleinen Metasia- und Gonocausta-Arten bis zu 35 mm bei Liopasia- und Siga-Arten. Die Systematik der Spilomelinae beruht noch weitgehend auf Ähnlichkeitskonzepten aus dem 19. Jahrhundert und spiegelt somit nicht unbedingt die natürliche Abstammung der Arten wider.

Im Rahmen meines Promotionsvorhabens wird erstmalig der Versuch unternommen, die Stammesgeschichte (Phylogenie) der Spilomelinae mithilfe von DNA-Sequenzen und morphologischen Merkmalen zu rekonstruieren. Vorrangig untersuche ich folgende Fragen:

  • Sind die Spilomelinae eine natürliche Abstammungsgemeinschaft (Monophylum) oder gehören sie zwar ähnlichen, aber nicht näher miteinander verwandten Gruppen an (typologische Systematik)?
  • Welche Monophyla lassen sich innerhalb der Spilomelinae erkennen?
  • Welche gemeinsamen morphologischen Merkmale (Synapomorphien) besitzen die gefundenen Monophyla?

 

Phylogenie der Phycitinae

Promotionsvorhaben von Diplom-Biologin Franziska Bauer

Im Rahmen meiner Dissertation arbeite ich an phylogenetischen Analysen der megadiversen Pyralidengruppe der Phycitinen. Diese weltweit verbreitete Gruppe umfasst etwa 3.450 Arten. Trotz ihrer überwältigenden Artenvielfalt, die gerade in den temperaten Gebieten der Erde vergleichsweise hoch ist, und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, die von einer Reihe ubiquitär vorkommender Schädlinge ausgeht, sind bis heute erstaunlich wenig Bemühungen unternommen worden, eine Phylogenie-basierte Nomenklatur aufzustellen und Gründe und Ursprungsort der starken Diversifikation zu beleuchten. Ich verwende moderne phylogenetische Methoden um diese verschiedenen Aspekte der Evolution und Klassifikation dieser megadiversen Gruppe zu untersuchen. Das Verständnis der phylogenetischen Position von Schädlingen, zu denen z.B. die Dörrobstmotte Plodia interpunctella gehört, wird ein wichtiger Schritt in Richtung eines besseren Verständnisses zum heutigen Verbreitungs- und Verhaltensmuster dieser Arten sein, die weltweit für enorme wirtschaftliche Verluste verantwortlich sind.

  

Vergleichende und funktionelle Anatomie der Lepidoptera

Dr. Francesca Vegliante

Fragen nach der Evolution und der Funktion des Insektenkörpers erfordern das Studium der inneren Organe (Anatomie). Die Anatomie von Faltern, Larven und Puppen wird basierend auf histologischen Schnitten untersucht. Basierend auf diesen Schnitten werden räumliche Zeichnungen oder dreidimensionale Computermodellierungen generiert, welche das Innere der Insekten veranschaulichen. Gegenwärtige anatomische Forschungen umfassen:

  • Diversität und Evolution exokriner Drüsen von Schmetterlingslarven (in Kooperation mit Prof. Ivar Hasenfuss)
  • Kopulationsmechanismus von Anania hortulata (Pyraloidea:Crambidae) (in Kooperation mit Dr. Matthias Nuss)
  • Larvale Kopfanatomie von Micropterix calthella

Anania in Kopula

Histologischer Schnitt entlang der Sagittalebene von Anania hortulata in Kopula.
Links: Männchen, rechts: Weibchen (Präp. und Foto: F. Vegliante)  

Letzte Aktualisierung: 14.08.2013

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