Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden

Paläobotanik

Geschichte der Dresdner Paläobotanik

Eine selbständige Sektion (früher Kustodie) Paläobotanik am Museum für Mineralogie und Geologie existiert erst seit 1994. Zuvor war diese Disziplin Bestandteil der Kustodie Paläontologie, welche in Forschung und Sammlungsentwicklung zahlreiche Wechsel in ihrer Ausrichtung erfahren hat. Im 19. Jahrhundert wurde die Paläontologie durch den paläontologischen Universalwissenschaftler Hanns Bruno Geinitz am Museum etabliert. Seine Forschungsschwerpunkte lagen in den Floren und Faunen des mitteldeutschen Permokarbons und der mitteleuropäischen Kreide. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Karl Wanderer eine Hinwendung zur Quartärpaläontologie erfolgte, steht seit nunmehr 5 Jahrzehnten die Tertiärpaläobotanik im Mittelpunkt.

Geinitz (1814-1900) war nach fast 3 Jahrhunderten Sammlungsgeschichte der naturhistorischen Sammlungen in Dresden der erste Paläontologe am Haus. Dennoch reicht die durch Objekte und Kataloge belegbare Geschichte der paläontologischen Sammlungen bis in die Gründungszeit des „Naturhistorischen Museums“ 1728 zurück. Mitte des 18. Jahrhunderts fanden zunächst versteinerte Hölzer wie die berühmte „Versteinerte Eiche“ von Chemnitz (Sachsen) und die „Raumeria“ von Lednica (Polen) sowie „Kräuterschiefer“ aus dem Steinkohlenbergbau Sachsens Eingang in die Sammlungen. Das Studium dieser Pflanzenfossilien regte den Dresdener Apotheker Christian Friedrich Schulze zu seiner Publikation „Kurze Betrachtung der Kräuterabdrücke“ von 1755 an, die ihn aus heutiger Sicht zu einem „Wegbereiter“ der wissenschaftlichen Paläobotanik machte. Das älteste, separate Inventar der paläobotanischen Sammlung verfasste Christian Heinrich Eilenburg im Jahre 1757.

raumeria  kräuterabdruck
Cycadeoidea ("Raumeria") reichenbachiana, versteinerter Bennettiteen-Stamm, Lednica, Polen, Unterkreide, Sammlungszugang: 1753 Neurocallipteris neuropteroides, Laub einer ausgestorbenen Samenpflanze, Zwickau, Sachsen, Perm, Sammlungszugang: 1753

 

Geinitz bescherte der Wissenschaftsdisziplin einen enormen Aufschwung am Standort Dresden. Sein Anspruch, alle in Sachsen stratigrafisch vertretenen Erdzeitalter paläontologisch zu untersuchen, führte nicht nur zu sehr umfangreichen Sammlungen, sondern auch zur Publikation mehrerer umfangreicher Monografien über die kreidezeitliche und permokarbone Flora und Fauna Sachsens, die ihn und die Dresdner Paläontologie in kurzer Zeit weltbekannt machten. Einen empfindlichen Niedergang erfuhren die paläontologischen Sammlungen durch die Vernichtung großer Bestände beim Brand des Dresdner Zwingers 1849.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war mehr als 50 Jahre kein Paläobotaniker am Museum angestellt. Als bedeutende Dresdener Paläobotaniker des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts sind aber der Lehrer Hermann Engelhardt (1839–1918) und der Arzt Paul Menzel (1864–1927) zu nennen, die sich der Erforschung der Tertiärvegetation verschrieben hatten und eng mit dem Museum kooperierten. Nach Menzels Tod erwarb das Museum wesentliche Teile seiner Pflanzenfossil-Sammlung durch Ankauf, namentlich etwa 11.000 Stücke aus der Tertiärformation Nordböhmens. Auch Franz Kirchheimer (1911-1983) pflegte in den 1930er und 1940er Jahren intensive Kontakte zum Museum, durch dessen vermittlung er die Karpoflora von Wiesa bei Kamenz (Sachsen) bearbeitete.

Erst mit der Anstellung der Paläobotaniker Hellmut Jähnichen (Kustos 1954-1956) und Harald Walther (Kustos für Paläontologie 1962-1994) konnte die Sammlungserweiterung und die paläobotanische Forschungsarbeit wieder aufgenommen und intensiviert werden. Walther fokussierte vor dem Hintergrund des extensiven Braunkohlenbergbaus in Mitteldeutschland seine Tätigkeit auf die Tertiärpaläobotanik. Sie ist bis heute das Hauptbetätigungsfeld der Sektion geblieben.

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