Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

Paläozoologie/Geologie

Die Geschichte des Naturkundemuseums in Görlitz und der geowissenschaftlichen Sammlungen ist unmittelbar mit der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz (1823-1945) verbunden. Seit der Gründung der Gesellschaft im Jahre 1823 lassen sich bereits größere geowissenschaftliche Sammlungsteile nachweisen. Wichtige Impulse für die Vermehrung der Sammlungen gaben der Museumsneubau der Naturforschenden Gesellschaft im Jahre 1860 am Marienplatz und die 1938 erfolgte Abtrennung der Magazinsammlung von der eigentlichen Schausammlung, was durch den Erwerb des Humboldthauses möglich wurde.

Vier Phasen prägten die geowissenschaftliche Sammlungstätigkeit am Naturkundemuseum Görlitz bis 1994, die eng an die jeweils wirkenden Kustoden und die politisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gebunden waren.

Sammlung 1849-2012-Diagramm

 In der ersten Phase (1811-1859), die zunächst unter der Ornithologischen Gesellschaft und ab 1823 unter der umbenannten Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz verlief, bildeten die Geowissenschaften neben Wirbeltieren, Vögeln sowie Botanik einen von vier großen Sammlungsbereiche. Für 1827 werden 1300 geowissenschaftliche Objekte verzeichnet, die systematisch und regional geordnet waren.





Die zweite Sammlungsphase (1859-1921) ist durch einen enormen Aufschwung der geowissenschaftlichen Sammlung charakterisiert, der dem Wirken der beiden Kustoden Reinhard Peck (1859-1895) und Hugo von Rabenau (1895-1921) zu verdanken ist. Etwa 80% aller historischen Sammlungseingänge stammen aus dieser Zeit, zahlreiche Sammlungsschränke sowie handgeschriebene Sichtetiketten.



                      Reinhard Peck (1885)
 

Eine überregional angelegte Sammlungskonzeption und ein hoher Anteil wertvoller Schenkungen durch weltweit vertretene Gesellschaftsmitglieder kennzeichnen diese beiden Sammlungsphasen. Ziel war stets die Dokumentation bedeutender Fundstellen, ohne thematische oder regionale Schwerpunkte zu setzten. Jedoch gab es auch größere regionale Sammlungsteile, wie aus der damaligen Provinz Schlesien (z.B. aus den Sudeten), zu der auch Görlitz zwischen 1815 und 1945 gehörte.

Die dritte Sammlungsphase (1921-1942) war den politisch-wirtschaftlichen Einschränkungen der Weltwirtschaftskrise unterworfen. Infolge der gesellschaftlichen Veränderungen seit 1932 wurden nur noch wenige und vermehrt einheimische Objekte gesammelt.

Zwischen 1945 und 1994 (vierte Sammlungsphase) gab es für die geowissenschaftliche Sammlungstätigkeit äußerst ungünstige Bedingungen, die zur Abgabe großer Teile der Mineralogischen Sammlung an das Staatliche Museum für Mineralogie und Geologie zu Dresden führten. Die verbliebenen ca. 10 000 Objekte umfassenden Sammlungen gerieten zunehmend in einen desolaten Zustand. Neueingänge waren bis auf einige Ausnahmen recht unbedeutend, wurden aber erstmalig inventarisiert und in einen Sammlungskatalog aufgenommen.

Mit der Schaffung und Besetzung einer Konservatorenstelle für Geologie am Staatlichen Museum für Naturkunde Görlitz im September 1994 begann eine umfassende Überarbeitung aller geowissenschaftlichen Sammlungsteile und eine systematische Sammlungserweiterung im Zuge laufender Forschungsarbeiten.

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