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MSM55 - ARCA

Über alle Eisberge

16.06.2016, 13:58

Arctic Carbonate Factories (Svalbard) - M.S. Merian 55

Es wird arktisch. Die Überfahrt von Island nach Spitzbergen geht weiter und hält so manche Überraschung bereit. Nachdem wir am Morgen den Polarkreis gekreuzt und eine Schiffsevakuierung geprobt haben, beschert uns das Meer am Nachmittag eine atemberaubende Vorstellung.

Von Viola Kiel

Als hätte es Schiffskoch Thomas Wolff geahnt, serviert er an diesem Sonntagmittag Erdbeer- und Vanilleeis als Nachspeise. Wir sitzen in der großen Messe, dem Speisesaal der Maria S. Merian, und sind in den letzten Zügen des Mittagessens, als draußen vor den Bullaugen plötzlich Eisschollen vorbeitreiben. Innerhalb weniger Minuten sind alle an Deck und bestaunen das Spektakel.

Der Anblick ist gewaltig. Keine Kamera, die da in der Tasche bleibt.
Der Anblick ist gewaltig. Keine Kamera, die da in der Tasche bleibt. © Viola Kiel

Als würde es von innen heraus leuchten, treibt das Eis bläulich schimmernd im Wasser. Mithilfe von Satellitenbildern werden aktuelle Eiskarten erstellt, die den Kapitänen helfen sollen, durch die Eislandschaft zu navigieren und Eisberge zu umschiffen. Als Eisrandforschungsschiff schiebt sich die MSM spielend zwischen den losen Schollen hindurch. Nur wenn sie direkt über einen kleinen Eisberg fährt, rumst es an Bord doch ganz ordentlich.

Das Eis fügt sich zu architektonischen Meisterwerken zusammen und reicht bis an den Horizont.
Das Eis fügt sich zu architektonischen Meisterwerken zusammen und reicht bis an den Horizont. © Kerstin Nachtigall

Mühelos gleitet der Eissturmvogel über das Wasser.
Mühelos gleitet der Eissturmvogel über das Wasser. © Sebastian Teichert

Ein Wal war Luft schnappen. Zum Abschied winkt er uns mit seiner Fluke.
Ein Wal war Luft schnappen. Zum Abschied winkt er uns mit seiner Fluke. © Solvin Zankl

Dieses unverhoffte Naturschauspiel stellt unsere morgendliche Sicherheitsübung ein wenig in den Schatten. Um das Verhalten im Ernstfall zu proben, sind wir um 9 Uhr zum Drill angetreten.

Wenn der Generalalarm – sieben Mal kurz, einmal lang – ertönt, muss sich die Besatzung mit Schwimmwesten am sogenannten Muster-Deck versammeln.
Wenn der Generalalarm – sieben Mal kurz, einmal lang – ertönt, muss sich die Besatzung mit Schwimmwesten am sogenannten Muster-Deck versammeln. Emmo Reize (rechts) übernimmt die Anwesenheitskontrolle. © Viola Kiel

Nachdem wir uns in festgezurrten Schwimmwesten auf dem Muster-Deck eingefunden haben, wird die Sportlichkeit der Truppe auf die Probe gestellt: In höchstens vier Minuten müssen Crew und Wissenschaftler in das Freifallboot klettern, das im äußersten Notfall zum Verlassen des Schiffes dient. Das Boot hängt in einer Höhe von ungefähr fünf Metern im 45-Grad-Winkel über dem Heck der MSM. Innen gibt es keinen Quadratzentimeter zu viel Platz und sowohl die Plastiksitze als auch das Gefühl im Magen erinnern an eine Achterbahn. Proviant in Form von Wasser und kalorienreichen Haferkeksen reichen für drei Tage Seenot, aber wir sind alle sehr zuversichtlich, dass wir Spitzbergen erreichen werden, ohne davon Gebrauch zu machen.



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