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MSM55 - ARCA

Würmer, Wale und Weitwinkel

21.06.2016, 11:17

Arctic Carbonate Factories (Svalbard) - M.S. Merian 55

Die Forschungsarbeiten der Expeditionsteilnehmer im ersten Einsatzgebiet gehen weiter. Sedimentproben, mehr und weniger farbenfrohes Meeresgetier und viele, viele Rotalgen werden vom Meeresboden geholt und untersucht. Der GEO-Fotograf schickt seine Unterwasserkamera auf den Grund und wir bekommen unverhofft tierischen Besuch.

Von Viola Kiel

Der Endspurt in der Mosselbukta hat begonnen. Morgen, Dienstag, ist der letzte Tag in diesem Arbeitsgebiet, danach fahren wir zur Bjørnøy-Bank im Süden des Archipels, wo vor allem Kalksedimente untersucht werden sollen. Aber noch wird hier an verschiedenen Stationen eifrig gewerkelt und geschafft.

Jeden Tag wird eine sogenannte Baumkurre, ein schlauchartiges Netz an einer zwei Meter langen waagrechten Metallstrebe, in unterschiedlichen Tiefen über den Meeresgrund gezogen. Das gleiche Prinzip kommt in der Fischerei zum Einsatz, in einem viel größeren Maßstab. Der Fang wird an Deck sortiert und im Labor bestimmt, gewogen und gezählt, um die Frage zu beantworten: Wie verändert sich die Besiedlung des Meeresbodens in der Tiefe?

Muscheln, Seeigel, Krabben, Schwämme, Würmer, Seesterne - die Wissenschaftler sortieren den Inhalt eines ausgeworfenen Netzes.
Muscheln, Seeigel, Krabben, Schwämme, Würmer, Seesterne - die Wissenschaftler sortieren den Inhalt eines ausgeworfenen Netzes. © Viola Kiel

Für den GEO-Fotografen Solvin Zankl bietet sich in der Bucht nun auch die Gelegenheit, sein eigenhändig zusammengebautes Foto-ROV, ein Remotely Operated Vehicle, einzusetzen. Mit Auftriebskörpern, Aluminiumschienen, kleinen Pumpen und Propellern hat er einen fahrbaren Untersatz für seine Unterwasserkamera gebaut, der von Deck aus ferngesteuert wird. Damit kann Solvin die Rotalgen am Grund und auch das Tauchboot JAGO in Aktion fotografieren.

Mit einem Kran wird das über 100 Kilo schwere Gefährt zu Wasser gelassen.
Mit einem Kran wird das über 100 Kilo schwere Gefährt zu Wasser gelassen. © Sebastian Teichert

Vaterfreude: GEO-Fotograf Solvin Zankl (2.v.l.) steuert sein selbstgebautes ROV per App.
Vaterfreude: GEO-Fotograf Solvin Zankl (2.v.l.) steuert sein selbstgebautes ROV per App. © Sebastian Teichert

Alle, Wissenschaftler und Schiffsbesatzung, fiebern mit, als das Konstrukt abtaucht, und bei jedem neuen Bild der Unterwasserwelt geht ein Raunen durch die Zuschauerschar.

© Sebastian Teichert
© Sebastian Teichert

Doch nicht nur die Technik begeistert uns, auch die Natur zeigt sich noch einmal großzügig. Am Samstagnachmittag schallt eine Durchsage durch die Maria S. Merian: Belugas in der Bucht.  Ein Familienverband Beluga-Wale tummelt sich in sicherer Entfernung vom Schiff im Wasser. Die weißen Wale können gut im flachen Wasser navigieren und kommen in Ufernähe, um sich an den Felsen zu scheuern.

Entzückende Rücken: Von einem kleinen Boot aus ist die Sicht auf die Wale perfekt.
Entzückende Rücken: Von einem kleinen Boot aus ist die Sicht auf die Wale perfekt. © Sören Janssen

Morgen feiern wir Bergfest und Mittsommernacht auf einmal und die Reise geht weiter.



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