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Sonne Expedition - "Benthosgemeinschaften: Schwämme"

2. Wochenbericht

07.04.2015, 14:27

 


Daniel Kersken & Dorte Janussen


Arbeiten mit dem ROV:

Bei der Forschungsreise SO239-ECORESPONSE arbeiten Wissenschaftler vom Senckenberg am Meer und Senckenberg in Frankfurt a.M. in Kooperation mit dem Forschungsinstitut Geomar aus Kiel. Das Geomar stellt uns für die Erkundung der Megafauna der Manganknollenfelder in der CCZ (Nordost-Pazifik) den Tauchroboter ROV Kiel 6000 zur Verfügung. Das ROV (Remotely Operated Vehicle) kann in einer max. Tiefe von 6.000 m eingesetzt werden (bei einem Wasserdruck von bis zu 600 bar!) und dient der Erkundung der Tiefsee. Es ist einer der fortschrittlichsten Tauchroboter weltweit und liefert uns HD-Aufnahmen vom Leben in der Tiefsee. Steuerung und Übertragung der Video-Streams erfolgen über ein mit Stahl ummanteltes Glasfaserkabel das über eigens dafür konstruierte wassergekühlte Winde mit dem Schiff verbunden ist. Bisher haben wir zwei Tauchgänge in 4.000 m durchgeführt wobei Borstenwürmer, Korallen, Schlangensterne und Schwämme eingesammelt wurden. Des Weiteren wurden auch Sedimentkerne und Gesteinsproben gesammelt. Neben den zahlreichen Scheinwerfern und hochauflösenden Kameras verfügt das ROV auch über zwei sensible mechanische Greifarme und mehrere Schaufeln, Netze und eine Ansaugpumpe zur Probenentnahme sowie verschiedene Boxen für die gesammelten Proben. Wir haben in drei solcher Boxen Platz für die Tiefseefauna und außerdem weitere Gefäße aus Acryl für Sediment- und Seewasserproben. Wir rechnen fest damit, bei dieser Expedition eine große Zahl neuer Arten zu finden.

rov wasser
ROV wird ins Wasser gelassen (C) Pedro Ribeiro

Manganknollen-Fauna:
Nachdem wir nun mehrere Tage lang Bilder und Videoaufnahmen der Megafauna in der Tiefsee im Bereich der CCZ auswerten konnten, haben wir festgestellt, dass Vertreter bestimmter Tiergruppen häufiger zu beobachten sind als andere. Besonders häufig haben wir  Borstenwürmer (Polychaeta), Glasschwämme (Hexactinellida), Grenadierfische (Macrouridae), Korallen (Anthozoa), Schlangensterne (Ophiuroidea), Seeigel (Echinoidea) und Seesterne (Asteroidea) gesehen. Sessile Organismen wie Korallen und Schwämme sind dabei meist auf den Manganknollen festgewachsen, vermutlich um möglichst weit in die Höhe über den Meeresboden zu ragen und somit in einer günstigen Position, exponiert in der Strömung zu stehen. Solche Filtrierer sind in hohem Maße davon abhängig, welche Nährstoffe durch das umgebende Meerwasser zu Ihnen transportiert werden, und Nährstoffe, die am Tiefseeboden ankommen, sind äußerst knapp! Die Tiefsee ist deshalb in eller Regel sehr nährstoffarm (oligotroph) weil lediglich 1 % der Gesamtmasse der absinkenden Partikel von der Meeresoberfläche als mariner Schnee (Marine Snow) auf dem Meeresboden in der Tiefsee ankommt. Außerdem sind große Nährstoffeinträge selten. Manchmal sinken Kadaver gestorbener Wale auf den Meeresboden und bilden dort für mehrere Jahre für die Tiefseebewohner regelrechte Oasen. Selbiges gilt für hydrothermale Schlote wie weiße und schwarze Raucher, aber auch andere Quellen an denen heißes oder kaltes, mit Mineralien und/oder Gasen angereichertes Wasser, aus dem Erdinneren austritt.

glasschwamm
Glasschwamm der Gattung Caulophacus
mit Schlangenstern (C) Geomar

Weitere Kursplanung:
Nachdem wir die Untersuchungen im deutschen Explorationsgebiet abgeschlossen haben wird das FS Sonne in das Explorationsgebiet des IOM fahren (IOM = Interoceanmetal). Der IOM-Claim gehört den Ländern Bulgarien, Kuba, der Tschechischen Republik, Polen, Russland und der Slowakei. Im nächsten Wochenbricht werden wir etwas genauer über das eigene Projektteil bezüglich der Schwämme im Rahmen unseres Forschungsschwerpunkts Porifera (Schwämme) der Sektion Marine Evertebraten I (Abteilung Marine Zoologie) eingehen. Bis dahin alles Beste und viele Grüße vom Team der Sonne!

rov drei
ROV mit drei Sedimentkernen und Schlangenstern
(C) Geomar

 

 

 

 



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