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Bolivien Blog

Die große Flut

25.11.2014, 12:00

Die ersten Tage auf San Sebastián sind vorbei und außer drohend-grauer Wolken und ein paar wenigen Tropfen ist der (von uns und den Fröschen) ersehnte große Regen noch nicht gekommen. Diesen brauchen unsere Studienobjekte aber, um so richtig in Stimmung zu kommen, denn noch sind viele eher schüchtern und noch verhalten. Wir ziehen natürlich trotzdem los und filmen und belauschen, was wir so finden. So sind wir heute Nacht an einem Teich im Süden beim großen Inselberg. Es gibt Tierarten, die quasi nur auf diesen Granitfelsformationen vorkommen, weshalb sich ein Abstecher hierher immer lohnt. Heute Nacht ist aber auch an diesem Teich verhältnismäßig wenig los und die wenigen Frösche quaken eher verhalten.

reißendeBäche

Die vorher hartgetrockneten Wege verwandeln sich in kleine, reißende Bäche (Bild vom am nächsten Morgen).

Wir machen das Beste daraus und stocken unsere Video-Sammlung auf, indem wir die Männchen ausgiebig bei der Brautwerbung filmen – so sie sich denn filmen lassen. Der einsetzende Nieselregen stört zunächst wenig und auch die Frösche zeigen sich eher mäßig beeindruckt. Wir machen weiter und auch das zunehmende Rauschen in den Palmen und Bäumen interessiert uns wenig. Doch dann kommt das Wasser – kein Landregen sondern als Sintflut. Wir retten uns unter eine der Palmen, drücken uns an den Stamm und verpacken hektisch unsere empfindlichen Teile der Ausrüstung. Eichen sollst du weichen, und Buchen sollst Du suchen, aber uns will die Faustregel für Palmen und Blitze nicht einfallen. Umso mehr hoffen wir, dass das Gewitter schnell vorüber zieht. Dann stehen wir da, sehen zu, wie der Regen immer heftiger prasselt und der Boden beginnt, aufzuweichen.

Jetzt haben es scheinbar auch die Amphibien begriffen: es regnet. Immer wieder springen Frösche durch die Lichtkegel unserer Stirnlampen. Kurioserweise springen sie nicht zum Teich, sondern vielmehr in die entgegengesetzte Richtung. Zwischendurch flitzt ein kleiner Nager vorbei, auf der vergeblichen Suche nach einem trockenen Unterschlupf. Und immer noch nimmt der Regen zu, die Palme hat längst aufgegeben, uns trocken halten zu wollen. Jetzt kommen die ersten Krabben. Sie nutzen die vielen Rinnsale, um neue Laichgewässer zu erobern. Da das Gewitter nicht den Anschein macht, weiter ziehen zu wollen und unser Unterschlupf nicht mehr dichthält, beschließen wir loszuziehen und die installierten Aufnahmegeräte vor dem Ertrinken zu retten. Sofort als wir die Palme verlassen, klebt uns auch der kleine trockene Rest Kleidung am Körper und die Gummistiefel laufen voll. Es donnert und blitzt dazu Minutentakt, so dass wir unweigerlich unsere Köpfe einziehen. Irgendwie blöd, wenn man selber die höchste Erhebung auf einer kahlen Weide ist und dazu noch knöcheltief im Wasser steht. Wie war das noch mit Wasser, Strom und Gummisohlen? Der Hauptweg hat sich in minutenschnelle in einen reißenden Bach verwandelt, der von überall her kleine Zuflüsse erhält, wo eben noch trockene Wiese war. Wir waten immer schneller Richtung Norden, in der bangen Hoffnung noch einige der zwar spritzwassergeschützen, aber natürlich nicht fürs Schwimmen ausgelegten Geräte zu retten. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir den kleinen Inselberg, wo einer unserer „Probanden“ jede Nacht unter einem Felsen ruft und der Rekorder ihn auf einem Stein davor aufnimmt. Jetzt ruft der Frosch da natürlich nicht, es sei denn, er kann dies auch Unterwasser. Die Felsen sind alle umspült und Sturzbäche kommen aus der darüber liegenden Wiese. Auf einer kleinen Steininsel inmitten der Wassermassen steht der Rekorder, den wir gerade noch rechtzeitig einsammeln können. Wie Durch ein Wunder hat er es überlebt. Auch die übrigen Geräte können wir noch einsammeln, dann geht es triefend zur Station zum Trocknen. Insgesamt hat es in der Nacht knapp 80 mm geregnet, und die ohrenbetäubenden Froschchöre noch in dieser Nacht zeugen davon, dass es jetzt kein Halten mehr gibt und die Paarungssaison für unsere Studienobjekte offiziell eröffnet ist. Ein kurzer Gang durch den „Hausteich“ belegt dies eindrucksvoll – ganze Hundertschaften von Froschmännern erreichen über 80 dB, wie unser Dezibelmesser zeigt!

 

Filme zu diesem Beitrag:

Der erste große Regen nach der Trockenzeit. Die Wege verwandeln sich in reißende Bäche.

Ein von der großen Flut umspülter Rekorder – mit großem Glück hat er es unbeschadet überlebt!

Große Froschaktivität nach dem starkem Regen.



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