Blogansicht

Arachno-Blog

MEET THE GIANTS – ÖKOTOURISMUS ZUR RETTUNG EINER SPINNENART (Eco-tourism to save a spider species)

16.12.2013, 15:44, Kommentare 7 Kommentare

English version below

Die Geschichte zur größten Spinne der Welt (zumindest nach der Beinspannweite) ist schnell erzählt: im Jahr 2000 besuchte ich das Naturhistorische Museum in Paris und fand in einem Tiefspeicher wenige Exemplare einer großwüchsigen Art der Gattung Heteropoda. Im Jahr 2001 beschrieb ich diese als Heteropoda maxima. Februar 2003 machte ichHeteropoda maxima mich zusammen mit einem Filmteam auf den Weg, die erfolgreiche Suche wurde dann als Kurzdokumentation im Fernsehen, später im Internet gezeigt. Neben weiteren Forschungsreisen in den folgenden Jahren war der Import der Art nach Deutschland im Jahr 2008 der größte Einschnitt: Tiere wurden für 150 Euro pro Stück angeboten. Ende des darauffolgenden Jahres war ich mit meinem KhammouanStudenten in Laos unterwegs und fand in den gut zugänglichen Höhlen fast kein ausgewachsenes Tier mehr! Eine solche Auswirkung hatte ich nicht erwartet, auch wenn ich irgendwie damit gerechnet hatte, dass die wissenschaftliche Beschreibung der Art mit den dort genannten Fundorten ein gewisses Sammelfieber auslösen könnte. Was nun?

Bei der Suche nach geeigneten Lösungen, wie die Art geschützt werden könnte, startete ich in Deutschland. Aber hier war die Sache schnell klar: die Art ist nicht im Herkunftsland gefährdet bzw. ist nicht gefährlich im Sinne der Gifttierverordnung, „Versuchen Sie es doch in Laos bei den zuständigen Behörden“, war der freundliche Rat. Ich versuchte es tatsächlich bei WWF, WCS, UNESCO, der National University of Laos und dem Forestry Department, in dem der Artenschutz zu der Zeit noch angesiedelt war, allerdings ohne Erfolg (bis auf eine Tasse Tee, die mir ein Officer im Forestry Department anbot).

Ich war ein wenig verzweifelt, da es immerhin „meine Art“ war, ich hatte sie beschrieben, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und fühlte mich verantwortlich. In Deutschland aber auch international hatte Heteropoda maxima oder Hetmax, wie ich sie gerne kurz nannte, einen regelrechten Hype ausgelöst. Im Senckenberg-Museum hatte ich noch im November 2003, also im selben Jahr der Wiederentdeckung, präparierte Exemplare in der Ausstellung präsentiert (die Spinne ist anscheinend so gut präpariert, dass ein Foto es bis in die entsprechende Wikipedia-Seite schaffte!). Das Medienecho Khammouan cavewar überwältigend. Vorträge über Laos und die Suche nach der Riesenspinne fanden großen Anklang. Vom WWF wurde Hetmax in den Artenkorb der „Greater Mekong Region“ aufgenommen, um mit interessanten Tieren auf die Artenvielfalt aber eben auch auf ihre Gefährdung hinzuweisen. Als ich in Bulgarien einen Kongress besuchte, las ich einen Artikel im Bordmagazin der Bulgarian Air über … Heteropoda maxima. Selbst in Laos, wenn ich mit Touristen sprach, war die Begeisterung zu spüren, mit der über die Spinnen gesprochen wurde.
Das brachte mich auf eine Idee, die ich jetzt nach einigen Jahren und in Kooperation mit dem Ökotourismus Veranstalter Green Discovery in Laos realisieren konnte: eine Tour, die von Spinnen-interessierten Personen gebucht werden kann, bringt Laien auf unterhaltsame und abenteuerliche Weise diese BolikhamsaySpinnenart aber auch die faszinierende Natur in Laos im allgemeinen näher. Der erhoffte Nebeneffekt wäre, dass die lokale Bevölkerung das Objekt, mit dem man dauerhaft mit sanftem Tourismus Geld verdienen kann, nicht einfach wegsammelt und exportiert, sondern schützt und für die nachfolgenden Generationen erhält.

In diesem Sinne bin ich gespannt, ob das Projekt erfolgreich sein wird. Wenn Sie also noch kein Geschenk für Ihre Lieben haben: warum nicht eine Abenteuerreise zu den achtbeinigen Riesen in Laos?

Peter Jäger, Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt


PS: Warum ein Arachno-Blog?Peter Jaeger Senckenberg Sammlung

In den letzten Jahren wurde klar, dass die Spinnen mit ihrer einzigartigen Ambivalenz („eklig, aber interessant“) immer wieder ein großes Medienecho hervorrufen. Mit dem Arachno-Blog sollen alle achtbeinigen Gehirnzellen von Arachnophilen oder solchen, die es werden wollen, gefüttert werden. Als Wissenschaftler am Senckenberg Forschungsinstitut möchte ich gerne arachnologisches Wissen unterhaltsam vermitteln, sozusagen Edutainment im Internet. Dabei werden Themen aus Laos, von Expeditionen und zu neuen Arten vorgestellt aber auch aus dem Naturmuseum und anderen Themenbereichen. Ich wünsche gute Unterhaltung!!

 

 


 

 

MEET THE GIANTS – ECO-TOURISM TO SAVE A SPIDER SPECIES

The history of the world’s largest spider (at least based on its leg spread) can be told in a heartbeat: In the year 2000 I visited the Natural History Museum in Paris, and in a storage room I discovered a few specimens of a large species belonging to the genus Heteropoda. In 2001 I described this species as Heteropoda maxima. In February of 2003 I embarked on an expedition with a camera team; the successful search was shown as a short documentary on TV and later on the Internet. Besides additional research expeditions, the most decisive event came with the import of the species into Germany in 2008: the spiders were offered at 150 Euro a piece. At the end of the following year I traveled to Laos with my student and found that hardly any adult specimens were left in the more easily accessible caves! I had certainly not expected such an impact, even if I had somehow taken into account that the scientific description of this species, including the locations where it was collected, might lead to a certain level of collection fever. Now what?

My search for a suitable solution to protect the species began in Germany. But one thing became clear very quickly: the species is not endangered in its country of origin, and it is not deemed dangerous under the regulation covering poisonous animals. “Why don’t you try the responsible authorities in Laos,” was the friendly advice I received. I actually tried the WWF, WCS, UNESCO, the National University of Laos and the Forestry Department, which back then was still responsible for the protection of species, albeit without success (except for a cup of tea offered to me by one of the officers in the Forestry Department).

I began to feel a bit desperate – after all, it was “my” species, I had described it and made it accessible to the public, and I felt responsible for it. In Germany as well as internationally, Heteropoda maxima, or Hetmax, as it is often referred to for simplicity, had caused a veritable hype. In November 2003, that is, in the same year that it was rediscovered, I had presented prepared specimens in the exhibition at the Senckenberg Museum. The media reaction was overwhelming. Presentations about Laos and the search for the giant spider were extremely well received. The WWF included Hetmax in the species basket of the “Greater Mekong Region,” aimed at pointing out the species diversity of the area with the use of interesting species and at the same time indicating the threats that they are facing. While visiting a conference in Bulgaria, I read an article in the on-board magazine of Bulgarian Air about … Heteropoda maxima. Even in Laos, while talking to tourists, I could feel the enthusiasm with which they spoke about the spiders. This gave me an idea, which I could finally realize after several years through the cooperation with an eco-tourism bureau in Laos: a special tour that can be booked by people interested in the spider will expose laypersons in an adventurous and interesting manner to the life of this spider and to the fascinating nature of Laos in general. A hoped-for side effect would be that the local population will no longer simply collect and export this object, which can lead to a sustained income through soft tourism, but will protect it and therefore preserve it for the next generations.

In this sense I am curious whether this project will be successful.
So, if you haven’t found a (Christmas) present for your loved ones yet: why not an adventure tour to visit the eight-legged giants in Laos?

Peter Jaeger, Senckenberg Research Institute Frankfurt

 

Facebook Peter Jaeger



Vorheriger Eintrag

7 Kommentare zu "MEET THE GIANTS – ÖKOTOURISMUS ZUR RETTUNG EINER SPINNENART (Eco-tourism to save a spider species)"

Peter Jaeger schrieb am 05.01.2014 um 13:03
Dear Francisco, my Brazilian is so bad, please could you write in English (or German)?
Francisco José R. Prestes schrieb am 05.01.2014 um 03:50
Ótimo trabalho, parabéns pelas pesquisas e sua coleção é muito legal. Talvez um dia eu vá conhecer pessoalmente o vosso trabalho e apreciar sua coleção aracnológica.
Peter Jaeger schrieb am 19.12.2013 um 15:36
... gute Idee, das Ganze im Englischen verfügbar zu machen. Ich denke drüber nach, wie es am besten zu realisieren ist.
Patrick Nilles schrieb am 19.12.2013 um 08:49
Lange ersehnt und jetzt ist der Blog da, freu mich auf viele interessante Berichte.
Stefan schrieb am 18.12.2013 um 15:49
Das Interesse in der "Hobby-Community" ist leider (!) ungebrochen, wie ich erst kürzlich mit Missfallen feststellen musste... Von daher ist sowohl dieser Blog, als auch das Angebot an "echte Interessenten" an dieser Art, diese unter ökologisch akzeptablen Aspekten im natürlichen Habitat beobachten zu können, absolut zu begrüßen! Ich werde dieses Angebot gerne an den mir zur Verfügung stehenden Personenkreis kommunizieren. - Eine Anregung habe ich allerdings: wäre es möglich, dass auch der Blog in englischer Übersetzung zu Verfügung gestellt werden könnte? Sowohl H. maxima, als Art, als auch deren Entdecker, Dr. Jäger, besitzt auch außerhalb des deutschsprachigen Raums viele "Anhänger", denen es damit deutlich erleichtert würde, diesen zweifelsohne interessanten Neuigkeiten zu folgen.
Peter Jaeger schrieb am 18.12.2013 um 14:59
Lieber Winfried, schoen dich als ersten commenter begruessen zu duerfen. Ich vermute mal, dass es schon etwas tropenlastig wird, aber achtbeining bleibt es allemal!
Winfried Borlinghaus schrieb am 18.12.2013 um 10:12
Super! Freue mich auf weitere "Spinnereien" hier ;-). Bestimmt gibt's auch ab und zu mal was Spannendes zur Spinnenfauna Deutschlands ? ...

Eigenen Kommentar hinzufügen




Kommentar absenden

https://die-welt-baut-ihr-museum.de