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Isla del Coco Expeditions-Blog

Das war's...

23.01.2014, 22:29 von Benutzer Sebastian Lotzkat

Die letzten Tage auf der Insel vergingen wie im Flug...

 

manuelita
Da kommen wir her: Blick von der Isla Manuelita nach Südwesten auf den höchsten Teil der Kokosinsel, wo die Cerros Pelón und Iglesias sich in den Wolken verstecken.
Im Vordergrund des Bildes verstecken sich rund 40 Tölpel.

chatham
Da war's auch schön: Schwenk nach Südost auf Bahía Chatham und den 
Osten der Insel. Und natürlich Tölpel.

 

Nachdem wir den Moder des Nebelwaldes aus unserer Ausrüstung und Kleidung gewaschen hatten gab es noch einiges vor der Abreise zu erledigen. So fuhren wir an einem der verbleibenden Tage frühmorgens noch einmal zur Isla Manuelita um an anderen Stellen nach Anolis townsendi zu suchen. Die Suche nach dem tagaktiven Hüpfer verlief abermals erfolglos, weswegen wir inzwischen ziemlich sicher sind dass er auf dieser größten der vorgelagerten Felsinseln fehlt – und wahrscheinlich auch auf den anderen.

 

charla
"Und ich sage Euch, diese Geckos haben giftige Schwänze!"
Während unseres Vortrages kam auch einiger Aberglaube im Zusammenhang
mit Reptilien allgemein und Asiatischen Hausgeckos im Speziellen auf.

 

 

 Dann stand auch noch ein Vortrag an. Traditionell präsentieren Wissenschaftler und "Austausch-Parkranger" den anderen Inselbewohnern ihre Arbeit, meist kurz vor der Abfahrt. So bekamen auch wir ausreichend Gelegenheit, der versammelten Inselgemeinde unsere Forschung vorzustellen. Durch die vielen Zwischenfragen und die immer wieder aufflammende Diskussion über den Umgang mit dem eingeschleppten Hausgecko dauerte unser auf zwanzig Minuten angesetzter Vortrag weit über eine Stunde.

 

 

Außerdem wollten wir noch einiges nachholen, zu dem wir vor lauter Echsensuche bisher nicht gekommen waren. So hatten wir beispielsweise erst einmal einen kurzen Blick unter die Wasseroberfläche geworfen – und das in einem der besten Tauchreviere der Welt! Ein wenig Schnorcheln vor der Haustür, rund um ein Schiffswrack in der Wafer-Bucht, befreite uns mit Meeresschildkröten und Riffhaien zumindest von allzuschweren diesbezüglichen Selbstvorwürfen. Und nach einer kleinen Wanderung über Schweinepfade zu der die Bucht nach Norden hin begrenzenden Punta Presidio konnten wir auch den letzten Wafer-nahen Aussichtspunkt von unserer Liste streichen. 

 

tarde
Auf dem Rückweg von der Punta Presidio: Abendstimmung über der Bahía Weston. Unten die Isla Pájara, links der Baumfarn Cyathea nesiotica und der Ameisenbaum Cecropia pittieri, natürlich beide endemisch.

wafer
Hinter diesen Felsen schwimmen Haie über dem Riff umher...

 

Viel zu schnell kam mit dem 17. November der Tag der Abreise für uns und die beiden Parkwächter die mit uns hierher gekommen waren. An der Mündung des Río Genio, wo wir vor knapp vier Wochen zum ersten Mal die Kokosinsel betreten hatten, bestiegen wir am frühen Nachmittag mit Sack und Pack und dem von uns erzeugten Müll das inzwischen vertraute Zodiac und fuhren im inzwischen gewohnten Eiltempo hinüber in die Chatham-Bucht, wo die Wind Dancer bereit war den Anker zu lichten. Das tat sie dann auch sobald wir an Bord waren. Nachdem unser Gepäck verstaut war hatten wir Zeit, um vom Heck aus zurückzublicken.

Wind Dancer
...aber leider wartet dieses Schiff auf uns: die Wind Dancer in Chatham.

 

 

Insgesamt waren wir zufrieden mit unserem Aufenthalt: Wir hatten viel von der Insel und ihrer Reptilienfauna gesehen, die Varabilität der heimischen Echsen umfassender erfasst als je zuvor geschehen und dabei bisher nicht dokumentierte morphologische Varianten kennengelernt. Auch in anderen Aspekten ihrer Biologie konnten wir mit neuen Beobachtungen aufwarten.

 

Sphaerodactylus
Gegen Ende unseres Aufenthaltes kannten wir die meisten Individuen von Sphaerodactylus pacificus in der Nähe unseres Wohnhauses quasi schon persönlich.

 

Unser zunächst wichtigstes Ergebnis aber war der zweifelsfreie Nachweis des Asiatischen Hausgeckos – einer gerade erst eingeschleppten Art mit großem invasiven Potential. Prinzipiell ergäben sich aus den genannten Punkten mannigfaltige Möglichkeiten weiterführender Forschung.

 

trackpoints
Da haben wir uns rumgetrieben. Genauer gesagt: da hatte ein robustes, aber empfangstechnisch veraltetes GPS-Gerät Kontakt mit Satelliten.
Küstenlinie und ungefähre Höhenlinien digitalisiert von Peter Minton, EVS Islands.

 

Und die eingangs erwähnte Schlange, die vor über hundert Jahren gesichtet worden war? Wir haben sie während unseres Aufenthaltes nicht finden können. Möglicherweise hat der Beobachter den Schwanz einer Ratte oder eines Geckos gesehen. Oder eine heimlich lebende Schlangenart, die sich vor uns verborgen hielt. Oder irgendetwas anderes... Womöglich werden wir es nie wissen.
Eines aber ist sicher: In den Wäldern der Insel warten noch einige Vertreter verschiedenster Gruppen darauf, von Wissenschaftlern entdeckt und dokumentiert zu werden. Letztlich trägt das Unbekannte, das Geheimnisvolle immens zum Zauber dieser einzigartigen Insel bei. Ihre legendären Schätze hat sie bisher nicht preisgegeben – und den wahren Schatz, ihre biologische Vielfalt, noch längst nicht ganz.

 

adios

Ganz ihrem Wesen entsprechend sahen wir die Insel nicht erst in der Abenddämmerung als kleinen Punkt am Horizont verschwinden. Eigentlich noch ganz nah und trotz wechselnder Regenschleier groß und deutlich sichtbar verschwand sie ganz plötzlich hinter einer wahren Wand von Wasser und blieb fortan unsichtbar. Das war's. Zeit nach vorne zu blicken, auf einen angenehm glatten Pazifik.

 

von Sebastian Lotzkat und Joseph Vargas

Unser Dank gilt all jenen, die unsere außerfahrplanmäßige Expedition ermöglicht, unterstützt und unvergesslich gemacht haben – sowie Ihnen als Leser dieser Zeilen für Ihr Interesse.

 

 



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