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Sonne Expedition - "Benthosgemeinschaften: Schwämme"

3. Wochenbericht: Ankunft im IOM-Areal

10.04.2015, 11:02, Kommentare 1 Kommentar

Nach genau drei Wochen auf hoher See hat das neue Forschungsschiff Sonne das deutsche Explorationsgebiet der BGR verlassen und ist nach etwa elf Stunden Transit im benachbarten IOM-Areal angekommen (IOM = Inter Ocean Metals). Die Untersuchungen im deutschen Lizenzgebiet sind sehr gut verlaufen und damit für diese Expedition abgeschlossen. Während fünf Arbeitseinsätzen des ROVs (Remotely Operated Vehicle) vom Typ „ROV Kiel 6000“ konnte eine Vielzahl verschiedenster Tiefsee-Megafauna gesammelt werden, darunter in erster Linie Schlangensterne, Korallen und Schwämme. Viele Arten in diesem Gebiet sind noch unzureichend beschrieben oder für die Wissenschaft ganz neu. 

Glasschwamm der Gattung Caulophacus mit Schlangenstern. Foto: (C) Geomar 
Glasschwamm der Gattung Caulophacus mit Schlangenstern
(C) Geomar

Schwämme (Porifera)
Die meisten Schwämme sind sessile Suspensionsfresser. Das bedeutet, die fest gewachsenen Individuen können ihren Standort nicht (bzw. nur minimal) verändern und sind, neben der eigenen Filter-Aktivität, von den Nährstoffen abhängig, die über die Wasserströmung zu Ihnen heran transportiert werden. Die einzige bisher bekannte Ausnahme bilden die Raubschwämme der Familie Cladorhizidae. Diese carnivoren Schwämme ernähren sich von Kleinstkrebsen (wie Ruderfuß- und Flohkrebse), die an ihren mit mikroskopisch kleinen Haken besetzten Fibrillen hängen bleiben, in den Schwammkörper eingezogen und verdaut werden.

 

Glasschwamm vom Morphotyp Staurocalyptus. Foto: (C) Geomar
Glasschwamm vom Morphotyp Staurocalyptus
(C) Geomar

Die oft sehr kleinen Vertreter der Cladorhizidae sind für ihr Vorkommen in der Tiefsee bekannt, während dieser Expedition warten wir jedoch noch auf einen solchen Fund. Trotz großer Bemühungen und genauester Bearbeitung der Proben des Epibenthosschlittens und des Kastengreifers haben wir bisher noch keinen dieser Schwämme finden können. Dennoch sind wir der Überzeugung, dass die Expedition ist bis zum jetzigen Zeitpunkt ein voller Erfolg ist! Es ist uns gelungen zahlreiche seltene und überaus formenreiche Glasschwämme mit dem ROV des Forschungsinstituts Geomar zu sammeln. Dabei reicht das Größenspektrum der Glasschwämme von wenigen Zentimetern bis zu etwa einem Meter.

 

Glasschwamm der Gattung Hyalonema (oder auch Tulpenschwamm) mit bewachsenem Stiel. Foto: (C) Geomar 
Glasschwamm der Gattung Hyalonema
(oder auch Tulpenschwamm) mit bewachsenem Stiel
(C) Geomar

Unsere ROV-Piloten sammeln die meisten Schwämme mit einem beweglichen Greifarm Namens „Orion“. Bisher konnten wir Glasschwämme sammeln, die auf den Manganknollen, im feinen Sediment zwischen den Knollen oder auf grobem Basaltgestein an den Hängen von unterseeischen Bergen festgewachsen waren. Erstaunlich ist dabei die große Formenvielfalt, dieser stammesgeschichtlich urprünglichen Tiere. Manche Arten besitzen einen langen Stiel an dessen Ende ein weicher Körper sitzt, dessen Form oft an eine Blume erinnert (z.B. die Arten der Gattung Hyalonema die nicht ohne Grund auch Tulpen-Schwämme genannt werden). Schwämme die direkt auf dem Weichboden wachsen, bilden sehr oft Wurzelschöpfe, die aus einzelnen Schwammnadeln bestehen, welche mehrere Dezimeter bis zu über einem Meter (Pfahlnadel der Gattung Monorhaphis) lang werden können. In der Tiefsee gibt es Glasschwämme, die spherische, trichter- oder becherartige, pilzähnliche oder vasenartige Wuchsformen und noch viele andere, auch komplexere Strukturen bilden. Mit dem ROV werden alle Organismen in ihrem natürlichen Lebensraum fotografiert bevor sie gesammelt werden. Bis die Tiere an die Meeresoberfläche gelangen werden sie in einer speziell angefertigten Transportkiste des Senckenberg Wilhelmshaven gelagert. Diese Kiste ist fest am ROV in einer ausfahrbaren Schublade befestigt.

Weitere Kursplanung
Nach der Beprobung des IOM-Lizenzgebietes wird FS Sonne voraussichtlich in das französische Lizenzgebiet des Ifremer fahren und dort weitere Untersuchungen durchführen. Außerdem soll nach Möglichkeit noch ein großes Referenzgebiet, von den Wissenschaftlern auch als APEI bezeichnet (APEI = Area of Particular Environmental Interest), untersucht und beprobt werden. Im nächsten Bericht werde ich über die weitere Bearbeitung der Schwammproben Genaueres schreiben. Bis dahin viele Grüße vom Team der Sonne.

Daniel Kersken & Dorte Janussen 



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