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SO 250 KuramBio II Blog

Parasitische Krebse in der Tiefsee // Crustacean parasites of the Deep Sea

29.08.2016, 11:53

Russian Version

 

Tagebuch, 27. August 2016

Wenn Sie sich einen Meeresboden in abyssalen und hadalen Tiefen bis zu mehreren Tausend Metern Tiefe vorstellen, so können Sie dort Schwämme, Seeanemonen, Seegurken, Schlangensterne oder Seesterne auf der Oberfläche der Sedimente entdecken, Muscheln und Schnecken sowie Meeresborstenwürmer hingegen graben in dem Sediment. Zahlreiche Asseln, Flohkrebse, Schlickkrebse, Scherenasseln leben auf dem Sediment, kleine, winzige Ruderfußkrebse leben zwischen den Sedimentpartikeln und gehören zur interstitiellen Fauna, viele andere Tiergruppen schwimmen über dem Sediment. Üblicherweise wird den Organismen weniger Aufmerksamkeit geschenkt, die auf anderen meio-, makro- oder megabenthischen Tieren leben. Tatsächlich sind aber Parasiten und Epibionten sehr divers und auch reichlich vorhanden, selbst in den größten Tiefen der Meere. Ich möchte Ihnen einige Beispiele für parasitische Krebse geben, die wir auf den ersten drei Stationen der KuramBio II Expedition gesammelt haben.

1. Um mit meinen Lieblingsparasiten, den Tantulocarida zu beginnen: Wir haben insgesamt bisher sechs Individuen auf verschiedenen Wirten vom Abyssal bis ins Hadal in 8250 m Tiefe gefunden. Diese sind wahrscheinlich alles neue Arten und sie stellen außerdem die tiefsten Nachweise dieser Tiergruppe dar.

2. Auf einer munnopsiden Meeresassel in einer Epibenthosschlitten-Probe wurde ein unbekannter Parasit nachgewiesen. Sieht aus wie ein riesiger weiser Klumpen, der auf der Bauchseite am Wirtstier festgeheftet ist. Wir hatten zunächst keine Ahnung um was für einen mehrzelligen Organismus es sich dabei handeln könnte. Allerdings ergab die genaue Untersuchung des Wirtstieres, dass dort drei weitere Exemplare der wahrscheinlich gleichen Art, aber eines früheren Entwicklungsstadiums angeheftet waren. Das Problem wurde wahrscheinlich gelöst, vermutlich handelt es sich um eine neue Art eines parasitären Ruderfußkrebses. Um das zu beweisen werden wir eine genetische Analyse des Parasiten durchführen.

Munnopside Assel mit Parasit. © Alexandra Petrunina
Munnopside Assel mit Parasit
© Alexandra Petrunina

3. In vielen Fällen können Krebse auch als innere Parasiten verschiedener Makrozoobenthosorganismen leben. Zum Beispiel war ich sehr glücklich, zwei Arten von Ascothoraciden in den Schlangensternen an einer der ersten Stationen zu finden. Es ist nicht so einfach, einen befallenen Wirt zu erkennen. Man muss sich alle Individuen mit abnormer Form der zentralen Platte um die Mundöffnung sehr sorgfältig ansehen und um an den Parasiten zu kommen, muss das Wirtstier unter dem Stereomikroskop seziert werden, denn in einer Zyste sitzt nicht nur das „gehirn-förmige“ große Weibchen, sondern auch ihr Zwergmännchen.

Schlangenstern mit Ascothoracida. © Alexandra Petrunina
Schlangenstern mit Ascothoracida
© Alexandra Petrunina

Aber die überraschendste Entdeckung machten wir erst nach der Extraktion des ascothoraciden Weibchens aus dem Schlangenstern. Als ich den Parasiten genauer ansah fand ich eine cryptoniscide Larve, das ist eine parasitische Meersassel auf dem Carapax des Ascothoraciden. Meines Wissens ist dies der erste Nachweis einer solchen hyperparasitischen Beziehung zwischen Ascothoraciden und parasitischen Asseln.
Inzwischen haben wir noch weitere erstaunliche Entdeckungen von parasitischen Krebstieren gemacht, aber diese Berichte werde ich für einen späteren Tagebucheintrag aufheben.

 Ascothoracida Männchen, Weibchen und parasitische cryptoniscide Assel. © Alexandra Petrunina
 Ascothoracida Männchen, Weibchen und parasitische cryptoniscide Assel
© Alexandra Petrunina

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Angelika Brandt und Marina Malyutina dafür zu danken, dass ich an dieser Expedition teilnehmen darf. Das ist phantastisch einmal im Leben die Chance zu haben, an einer Expedition teilzunehmen und Material dieser Gruppen von parasitischen Krebsen zu sammeln, die mich interessieren.

geblogged von:

Alexandra Petrunina
Staatsuniversität Moskau


 

Daily log, 27/08/2016

Crustacean parasites of the Deep Sea

 

When you imagine a sea floor at the abyssal and ultra-abyssal depths you could see sponges and sea anemones, sea cucumbers, brittle stars, sea stars slowly moving on the surface of the sediment, clams and snails, polychaete worms digging into the mud, numerous isopods, amphipods, cumaceans, tanaids, tiny copepods representing interstitial fauna and other free dwelling animals. Usually, less attention is paid to the creatures that utilise this mega-, macro- and meiobenthic animals as a substrate or as hosts. But, actually parasites and epibionts are very diverse and abundant even in the deepest sea.
I would like to show some examples of the crustacean parasites collected already in the last three sampling areas of KuramBio II.

1. To start with my favorite Tantulocaridans I can report 6 specimens all on different hosts from both abyssal plain and the trench (8250m). Supposedly, all new species represent the deepest records of these parasites so far.

2. On one of the munnopsid isopods from the EBS sample an unknown parasite was detected. Looking like a huge whitish bulb attached to the ventral side it didn't give us any clue of what group of eukaryotes it could belong to. However, close examination revealed three more specimens of probably the same species but at earlier stage of development. The problem was solved: we realised it was a parasitic copepod, most probably of the unknown species. To prove it we will perform genetic analysis of the parasite.

Munnopsid isopod with parasite. © Alexandra Petrunina
Munnopsid isopod with parasite
© Alexandra Petrunina

3. In many cases, crustaceans are able to live as internal parasites of different benthic invertebrates. For example, I was very happy to find two species of Ascothoracids in the ophiuroids collected by trawling at one of the first stations. It is not that easy to recognise the infested host: you have to carefully observe all the specimens searching for ones with abnormal shape of the central disk. To get the parasite you have to dissect the host under the stereo microscope. This is because not only a clearly visible brain-shaped female but also tiny dwarf male sit together in one cyst.   

Brittle star with Ascothoracida. © Alexandra Petrunina
Brittle star with Ascothoracida.
© Alexandra Petrunina

4. But the most surprising discovery was made soon after extraction of the ascothoracid female from a brittle star. When I looked closely I found a cryptoniscoid larva of the parasitic Isopod attached between the valves of the carapace. To my knowledge this is the first record of hyper-parasitic relationships between Ascothoracida and Isopoda.

Ascothoracida male, female and parasitic cryptoniscid isopod. © Alexandra Petrunina
Ascothoracida male, female and parasitic cryptoniscid isopod
© Alexandra Petrunina

By now we have even more curious discoveries of parasitic crustaceans, but I will leave this for the next parasitic Daily Log of SO250.
I would like to thank Angelika Brandt and Marina Malyutina for this opportunity to join the cruise. This was really a once in lifetime chance to participate in the expedition and to collect material on the groups of crustacean parasites that I'm interested in.

blogged by:
Alexandra Petrunina
Moscow State University



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