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SO 250 KuramBio II Blog

Kniffliges Sediment gemeistert - auf zu Station 4 // Tricky sediment mastered - off to station 4

29.08.2016, 12:40

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Tagebuch, 28. August 2016

Beinahe zwei Wochen sind bereits verstrichen seitdem das FS Sonne aufbrach, um die Tiefen des Kurilen-Kamtschatka-Grabens zu erforschen und die dritte Station liegt nun hinter uns. Mit einer Tiefe von ca. 6000 m stellte die Station eine der flacheren des Einsatzplans dar, brachte zugleich aber die bisher herausforderndste Bodenbeschaffenheit mit sich. Das sehr weiche, schlammige Sediment erschwerte den Einsatz einiger Geräte. Insbesondere beim Hinunterlassen des Multicorers (MUC) war erhöhtes Feingefühl gefragt. Für den MUC, der benthische Organismen der obersten Sedimentschicht mit an Deck bringen soll, gilt es bei Ankunft am Meeresboden den richtigen Moment abzupassen, an dem er wieder hinauf gezogen wird. Dies sind für gewöhnlich einige Sekunden. Ist das Sediment sehr weich, kann dies jedoch einerseits dazu führen, dass das Gerät schnell zu tief im Boden versinkt oder aber zu früh zurückgezogen wird und nur eine geringe Menge an Sedimentprobe in den Röhren mit sich führt. Auch für den Epibenthosschlitten (EBS) ist es wichtig solch eine Beschaffenheit miteinzubeziehen, damit er sich nicht zu sehr im Sediment vergräbt und um dessen Tauspannung nicht an seine Grenzen zu bringen. Daher wurde beim zweiten EBS-Einsatz der Station entschieden auf eine schmalere und leichtere Variante des EBS ohne Kamerasystem zurückzugreifen. Sehr harter, steiniger Meeresgrund kann hierbei ebenso von Nachteil sein. Schwierigere Sedimentvoraussetzungen sind bei einer Tiefseeexpedition natürlich keine Seltenheit und können unter Einbezug der nötigen Erfahrungen gut gemeistert werden.

Der anschließende Einsatz des Agassiz-Trawl (AGT) in den frühen, verhältnismäßig „sonnigen“ Morgenstunden beförderte eine gut 2 m hohe Schicht an Schlamm zu Tage.

Ankunft des AGT mit 2 m Tiefenschlamm. © Johanna Bober
Ankunft des AGT mit 2 m Tiefenschlamm
© Johanna Bober

Teamwork beim Sieben der AGT Sedimentprobe. © Johanna Bober
Teamwork beim Sieben der AGT Sedimentprobe
© Johanna Bober

Das AGT-Netz dient dem Fang von bodenlebender Megafauna. Dauergäste im Netz waren bisher unter anderem die „fast niedlichen“ Schweinchen ähnelnden Seegurken (Holothuroidea), Seesterne (Asteroidea) und Schlangensterne (Ophiuroidea). Zur Abwechslung versteckte sich bei diesem Fang sogar noch ein für den AGT ungewöhnlicher Gast in den Schlammmassen – ein lebendiges Exemplar eines Pteropoden (Clione limacina)! Üblicherweise wird diese im oberen Pelagial lebende Art mit dem Planktonnetz gefangen und muss daher auf dem Weg nach oben in der Wassersäule vom AGT-Netz mitgenommen worden sein.  

 Holothuroidea-Schweinchen. © Johanna Bober
 Holothuroidea-Schweinchen
© Johanna Bober

Kurz nach Abschluss des zweiten AGT-Einsatzes erreicht das Schiff gegen 3 Uhr nachts die vierte Station. Die Wetterbedingungen sind bislang stabil und gewohnt nebelig. Ausläufer eines Taifuns, von denen wir bisher glücklicherweise verschont blieben, werden für unser derzeitiges Gebiet prognostiziert. Die erwartete Wellenhöhe von 3 m wird jedoch kein Problem für den Einsatz unserer Geräte darstellen. Gespannt und voller Erwartungen, was das Wetter und die künftigen tieferen Ebenen für uns bereithalten werden, beginnt unser Team mit den Forschungen an der vierten Station.

geblogged von:
Johanna Bober
Centrum für Naturkunde, Zoologisches Museum, Universität Hamburg


 

 Daily log, 28. August 2016

Tricky sediment mastered – off to station 4!

 

Nearly two weeks have already elapsed, since the RV Sonne set off to discover the depths of the Kuril-Kamchatka Trench and the third station lies behind us. With a depth of about 6000 m it has been one of the shallowest, yet most challenging with regard to sediment conditions. The very soft, muddy sediment complicated the deployment of some of our gear. Increased attentiveness was demanded especially during the lowering of the Multicorer (MUC). For the MUC, which is used for carrying benthic organisms of the upper sediment layer on deck, it is important to adjust the right moment at which it is pulled up again. Usually, this moment comprises only a few seconds. However, if the sediment is very soft, it can either lead to the gear sinking into the soil too fast or being pulled back up too early, so that only a small amount of sediment sample remains in the pipes. Also for the epibenthic sledge (EBS) it is of importance to take such conditions into account to avoid that it is burrowing into the soil too deeply and to keep the limits of its rope tension in mind. For the second EBS deployment it therefore was decided to use a smaller, lighter alternative of the EBS without a camera system. Very hard, rocky sediment can be just as disadvantageous. Challenging sediment conditions obviously are nothing scarce during a deep sea expedition and can be mastered quite well by inclusion of experience.

The subsequent deployment of the Agassiz-Trawl (AGT) during the early, relatively „sunny“ hours of the morning brought a 2 m high layer of mud to light.

Arrival of the AGT with 2 m deep-sea mud. © Johanna Bober
Arrival of the AGT with 2 m deep-sea mud
© Johanna Bober

Teamwork at the sieving process of the AGT sediment sample. © Johanna Bober
Teamwork at the sieving process of the AGT sediment sample
© Johanna Bober

The AGT net is used for hauling benthic megafauna. Up to now, permanently found guests in the net have been the „almost cute“ piggy-like sea cucumbers (Holothuroidea), starfish (Asteroidea) as well as brittle stars (Ophiuroidea). This time there had even been hiding a guest in the mud, which is uncommon for the AGT – a living specimen of a Pteropod (Clione limacina)! This species usually inhabits the upper pelagial and must have been caught in the water column on the way up.

Holothuroidea-Piggys. © Johanna Bober
Holothuroidea-Piggys
© Johanna Bober

Shortly after the completion of the second AGT deployment at about 3 o’clock at night, the ship had already arrived at the fourth station. The weather conditions are stable and foggy as usual. A typhoon, which we fortunately have been spared from so far, is forecasted to influence our current area to a minimal extent. The anticipated swell of 3 m height however will not be of any concern for our gear. Excited and full of expectations, what the weather and future areas of a higher depth level will reveal to us, our team begins with the research at the fourth station.

blogged by:
Johanna Bober
Centrum für Naturkunde, Zoologisches Museum, Universität Hamburg



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