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SO 250 KuramBio II Blog

Unser "Wurm"-Team // Our "worms" team

31.08.2016, 09:27

Russian Version

 

Tagebuch, Mittwoch, 31. August 2016

In unserem Expeditionsteam gibt es vier Wissenschaftler, die großes Interesse an Würmern haben, mehr als an anderen Tieren: Vladimir, Aleksei, Inna und Anastassya – sind unser "Wurm" Team. Warum sind Würmer so attraktiv? Würmer sind überall, sie sind geheimnisvolle Wesen und zeigen eine extrem hohe Vielfalt. Wir wissen viel mehr über Tiefsee-Stachelhäuter oder Weichtiere als über Tiefseewürmer. Diese sind oft sehr zart und zerbrechlich und daher in der Regel beschädigt oder unvollständig. Oft können die Körperfragmente nach den Probenahmen kaum identifiziert werden. Moderne Techniken ermöglichen es uns aber heute die Tiere bereits an Bord lebend zu sehen, ihre Farben und Teile ihres Lebensraumes durch die Sedimente zu sehen das erklärt viel über diese Tiere. Zu diesem Zeitpunkt haben wir schon Würmer aus verschiedenen Tiergruppen: Nematoden (Fadenwürmer), Kinorhynchen (Hakenrüssler), Priapuliden (Priapswürmer), Nemertini (Schnurwürmer), Polychaeten (Meeresborstenwürmer - einschließlich Echiuriden [Igelwürmer] und Pogonophoren [Bartwürmer]) und Sipunculiden (Spritzwürmer) gefangen.

Polychaet Tomopteris sp, Igelwurm Alomasoma nordpacifica und der Nemertine Nectonemertes mirabilis. © Anastassya Maiorova
Polychaet Tomopteris sp, Igelwurm Alomasoma nordpacifica und der Nemertine Nectonemertes mirabilis
© Anastassya Maiorova

Polychaeten sind die dominante Wurmgruppe der hadalen Tiefsee-Gemeinschaften. Bis jetzt fanden wir 20 Polychaetenfamilien, aber wir schätzen, dass die Gesamtzahl der Familien in dem Gebiet 60 übersteigt. Die Familien Sabellariidae und Opheliidae sind am häufigsten in unseren Proben (insbesondere Opheliiden der Gattung Travisia, der „Stinker“ genannt, da er unangenehme Geruchsstoffe ausscheidet, so dass wir ihn riechen bevor wir ihn sehen.) Aber wir haben auch eine andere interessante Familie gefunden, die nie in tiefem Wasser gefunden worden war – die Fauveliopsidae. Es gibt keine schöneren Würmer als die pelagischen Polychaeten der Gattung Tomopteris, die im Meer schweben und in der Tiefe tanzen können.
Igelwürmer (Echiuriden) sind ebenfalls sehr häufig in unseren Proben. Dies sind sackartige Würmer mit sehr weicher, durchscheinender Haut und einem spatelartigen Rüssel (Proboscis) für die Nahrungsaufnahme. Der russische Zoologe Lev Zenkevich hat viele abyssale und hadale Echiuriden vom Kurilen-Kamtschatka-Graben beschrieben. Jetzt, 50 Jahre später haben wir eine hervorragende Chance, lebende Würmer haben für Zeichnungen und Photographie sowie Genetik zu sammeln. Die meisten Igelwürmer haben Zwergmännchen, die in großen Weibchen leben, aber in der Tiefsee sind Igelwurm-Zwergmännchen noch nicht gefunden worden. Vielleicht haben wir Glück und können diese mysteriösen Männer in unseren Proben finden?
Sipunculiden (oder Spritzwürmer) sind am nächsten verwandt mit Ringelwürmern. Die meisten Arten sind weit verbreitet in allen Ozeanen sowie sehr häufig. Sipunculiden haben einen relativ einfachen Bauplan, der in der gesamten Gruppe erhalten bleibt. Bisher fanden wir sechs Arten dieser Würmer und Phascolion lutense ist die häufigste Art unter ihnen.

Einige Nematoden aus einer Großkatengreifer- Probe. © Vladimir Mordukhovich
Einige Nematoden aus einer Großkatengreifer- Probe
© Vladimir Mordukhovich 

Eine weitere interessante Gruppe von Würmern, die wir auf  dieser Expedition finden sind die zu Nemertini (Schnurwürmer). Fast 1300 Arten sind bisher beschrieben, während nur drei Arten von bodenlebenden Nemertini in der Tiefsee über 3000 m gesammelt wurden. Sonnenemertes cantelli - die tiefste beschriebene Nemertinenart wurde in einer Tiefe von 4889 m gefunden und nach dem  früheren wissenschaftlichen Forschungsschiff 'Sonne' nach der KuramBio Expedition benannt. Während dieser Expedition wurden Nemertini aus Tiefen von 6000-8000 m gesammelt. Die schöne Nectonemertes mirabilis wurde vom Multinetz gesammelt. Dieser fischartig aussehende Nemertini hat einen interessanten Geschlechtsdimorphismus. Die Männchen besitzen ein Paar Tentakeln am Kopf um die Weibchen zu fangen.
Nematoden (Fadenwürmer) sind die häufigsten Würmer in den bodenlebenden Tiergemeinschaften. Diese schönen und eleganten Tiere sind allgegenwärtig. Normalerweise sind Nematoden unsichtbar für unser Auge aber einige Arten überschreiten 1 cm. Ein sehr großer Nematode mit einer Körperlänge von 1,7 cm wurde während der SokhoBio Expedition in Ochotskischen Meer gesammelt und nun hoffen wir noch größere Exemplare zu sammeln!
Im Moment müssen wir unsere Geschichte beenden, denn nun kommt wieder das Agassiz Trawl an Deck und wir warten auf neue, unbekannte Kreaturen!

geblogged von:
Anastassya Maiorova, Aleksei Chernyshev, Inna Alalykina (A. V. Zhirmunsky Institut für Meeresbiologie, Wladiwostok) und Vladimir Mordukhovich (Far Easter Federal University, Wladiwostok)


 

Daily log, Wednesday, 31.August 2012

Our ‘worms’ team

 

In our expedition there are 4 people who have great interest to worms more than other animals: Vladimir, Aleksei, Inna, and Anastassya – our ‘worms’ team’. Why are worms so attractive? Worms are ubiquitous and mysterious creatures with extremely high diversity. We still know more of deep-sea echinoderms or molluscs than of deep-sea worms as those are very fragile and usually damaged or incomplete; often these body fragments could not be identified after dredging or grab sampling. Now modern techniques allow us to see these animals alive on board, to see their colors and their habitats, and this tells us a lot about the animals. To this moment we collected worms from different taxa – nematods, kinorhynchs, priapulids, nemerteans, polychaets (including echiurans and pogonophors), and sipunculans.

Polychaeta Tomopteris sp., spoon worm Alomasoma nordpacifica, and nemertean Nectonemertes mirabilis. © Anastassya MaiorovaPolychaeta Tomopteris sp., spoon worm Alomasoma nordpacifica, and nemertean Nectonemertes mirabilis.
© Anastassya Maiorova

It seems now that polychaets are the dominant group of the hadal communities. Until now we found 20 polychaete families and we are estimating that a total number of species in the area will exceed 60. Sabellariidae and Opheliidae are the most abundant families in our samples (especially ophiliids of the genus Travisia, the most odorous among the polychaets, the “stinker”). However, we also found another interesting family that had been never reported from deep water – the Fauveliopsidae. There are no more beantiful worms than pelagic polychaets of the genus Tomopteris which can float and dance in the deep sea.
Spoon worms (echiurans) are also very abundant in our samples – sac-like worms with very soft translucent skin and a spatula-like proboscis for feeding. The Russian zoologist Lev Zenkevich described many abyssal and hadal echiurans from the Kurile-Kamchatka Trench, and now when 50 years later, we get an excellent chance to collect living worms for images and genetics. Most spoon worms have dwarfish males living in the large females, but in deep-sea echiurans dwarf males are not found yet. Maybe we'll get lucky to shed light to these mysterious males?
Sipunculans (or peanut worms) are the next closely related worms to the Annelida. Most of these species are widespread in all oceans as well as abundant. Sipunculans have a relatively simple body plan that is conserved throughout the group. Until now we found six species of these worms, and Phascolion lutense is more abundant among them.

Some nematods from a box-corer sample. © Vladimir Mordukhovich
Some nematods from a box-corer sample
© Vladimir Mordukhovich

Another interesting group of worms that we found during this expedition are nemerteans (ribbon worms). Almost 1300 species are described now, whereas only 3 species of benthic nemerteans were collected from depths exceeding 3000 m. The deepest described nemertean was found at depths of 4889 m and named after the previous research vessel ‘Sonne’ – Sonnenemertes cantelli. During the expedition nemertean worms were collected at depths of 6000-8000 m. A beautiful Nectonemertes mirabilis was collected with the multinet; this fish-like nemertean has a sexual dimorphism because males possess a pair of the tentacles on the head for catching the female.
Nematodes are most abundant worms in benthic communities. These beautiful and elegant animals are ubiquitous. Usually nematodes are invisible with imperceptible eye but some species may exceed 1 cm. One huge nematode with a body length 172 mm was collected during the SokhoBio expedition and now we hope to collect even larger specimens!
At the moment we need finish our story because once again the Agassiz trawl comes on board and we are curiously waiting for new and unknown creatures!

blogged by:
Aleksei Chernyshev, Anastassya Maiorova, Inna Alalykina (A.V. Zhirmunsky Institute of Marine Biology, Vladivostok), and Vladimir Mordukhovich (Far Easter Federal University, Vladivostok)

 

 

 

 



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