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SO 250 KuramBio II Blog

Tagebuch, 13.September 2016 // Daily log, 13. September 2016

13.09.2016, 13:53

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Tagebuch, 13.September 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Christina Schmidt und ich bin Doktorandin mit dem Schwerpunkt Meiofauna und benthische Ruderfußkrebse (Copepoda) am Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, Wilhelmshaven und am Zoologischen Museum Hamburg. Benthisch bedeutet, dass die Tiere am Boden leben.

Der Begriff „meio“ bedeutet so viel wie „kleiner“, es handelt sich also um sehr kleine Tiere. Üblicherweise werden solche Organismen zur Meiofauna gerechnet, die Sediment bewohnen und eine Größe zwischen 1 mm und 32 µm besitzen. Warum sind so kleine Tiere interessant für die Forschung? Die Dichte und Biomasse von Meiofauna in der Tiefsee übersteigt die von größerer Fauna beträchtlich. Meiofaunaorganismen können außerordentlich divers sein und dienen als Nahrung für größere Tiere. Daneben beeinflussen sie positiv die Stabilität von Sedimenten, und damit zugleich ein ganzes Ökosystem. Neben den Nematoda – kleinen Fadenwürmern – sind Copepoda die zweithäufigsten Meiofaunaorganismen in der Tiefsee. Somit ist also genügend „Forschungsmaterial“ verfügbar. Ich interessiere mich besonders für Meiofauna aus dem Hadal, also den tiefsten Bereichen im Ozean. Bereits 2014/15 habe ich Proben aus einem anderen Tiefseegraben – dem Puerto Rico Graben gesammelt, zudem habe ich auf der ersten KuramBio-Expedition eine Menge Daten über Meiofauna aus dem Abyssal um 5000 m erfasst. Diese Daten laden nun zu einem Vergleich mit den neuen Proben ein, da man davon ausgehen kann, dass sich die Fauna in 8000-9000 m von der in 5000 m unterscheidet. Wir gehen auch davon aus, dass wir neue Copepoda-Arten finden werden. In anderen Studien wurden tatsächlich schon bis zu 99% aller Tiefsee-Harpacticoida, (Fachwort für die am und im Boden lebenden Copepoda) als neue Arten deklariert.

 Diverse Harpacticoida Arten. Aufnahme mit konfokalem Laser-scanning Mikroskop. © Christina Schmidt
Diverse Harpacticoida Arten. Aufnahme mit konfokalem Laser-scanning Mikroskop.
© Christina Schmidt

Für viele meiner Freunde und Bekannten ist es immer wieder interessant zu erfahren wie sich der Tagesablauf auf einem Forschungsschiff gestaltet, was es zu Essen gibt, wie die Unterbringung aussieht. Nicht wenige sind überrascht, wenn ich Fotos zeige, die bei Nacht aufgenommen wurden, da wir hier in 24 h Schichten arbeiten. Ebenso kommt immer wieder die Frage auf ob wir selber- oder mit einem U-Boot tauchen um unsere Proben zu erhalten. Dann komme ich immer wieder leicht ins Schmunzeln. Sporttaucher tauchen i.d.R. bis etwa 40-50 m, mit speziellem Atemgas auch auf unter 100 m. Der (anerkannte) Rekord im Apnoetauchen, also Tauchen ohne Sauerstoffflaschen, wo lediglich die Luft angehalten wird, liegt bei etwa 122 m. Leser die regelmäßig diesen und andere Blogs wissenschaftlicher Expeditionen verfolgen, werden bereits festgestellt haben, dass wir auch keine U-Boote nutzen, sondern sogenannte „Großgeräte“ i.d.R. auf den Meeresboden herablassen, welche an Drahtkabeln am Schiff befestigt sind. Hierzu werden unterschiedliche Kabel benutzt. Der stahlverzinkte Draht hat einen Durchmesser von 18,2 mm, eine Länge von 12400 m, ist drallarm (dreht sich wenig um die eigene Achse) und wird z.B. für den Multicorer oder Schleppgeräte benutzt. Manche Geräte brauchen aber Strom, z.B. das Multinetz. Solche Geräte werden dann am Einleiterkabel befestigt, welches einen Durchmesser von 11 mm - und eine Länge von ca. 8400 m besitzt.

Stahlverzinkter Draht an dem der EBS gerade gefiert wird. © Christina Schmidt
Stahlverzinkter Draht an dem der EBS gerade gefiert wird.
© Christina Schmidt

Hier nun nun noch kurz einige Informationen zum Schiff und Tagesablauf: Das deutsche Forschungsschiff Sonne wurde 2014 in Dienst gestellt und ist 116 m lang. Mit seinen zahlreichen Einzelkammern ist es überaus komfortabel. Diese haben neben einem Bett auch ein eigenes Bad, sowie einen Schreibtisch, Kühlschrank und einige Schränke zum Verstauen der eigenen Habseligkeiten. Drei Mal täglich gibt es Mahlzeiten und zwei Mal gibt es Kaffee, um 15 Uhr ist „Caketime“ bei der wir immer wieder unterschiedliche Kuchen genießen dürfen. Das Essen entspricht der guten alten deutschen Küche.

Kuchenzeit. © Christina Schmidt
Kuchenzeit.
© Christina Schmidt

In diesem Sinne, vielen Dank für das Lesen meines Blogs und bis bald mal wieder!

geblogged von:
Christina Schmidt, Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, Wilhelmshaven

 


 

Daily log, 13. September 2016

Dear readers,

My name is Christina Schmidt and I am a PhD student with focus on meiofauna at the German Centre for Marine Biodiversity Research, Wilhelmshaven and at the Zoological Museum Hamburg. Benthic means that the animals live at the bottom and the term "meio" means "small". Usually, these organisms inhabit the sediment and have a size between 1 mm and 32 micrometer. Why are so small animals of interest for the research? The density and biomass of meiofauna in the deep sea exceeds that one of bigger fauna considerably. meiofauna can be extremely diverse and serve as food for larger animals. They also positively influence the stability of sediments, and therefore the whole ecosystem. Beside the Nematoda (small worms) Copepoda (small crabs) are the second most meiofauna Taxa in the deep sea. Thus, there is enough "research material" available. I am interested in meiofauna from the hadal - the deepest areas of the ocean. Already 2014/15 I sampled another deep-sea trench – the Puerto Rico Trench. Also I collected a lot of meiofauna-data from the abyss in 5000 m on the KuramBio I expedition. These data can be used for a comparison with the new samples as one can assume that the fauna in 8000-9000 m will be different from that of 5000 m. We also assume that we will find new Copepoda species. In other studies already up to 99% of all deep-sea Harpacticoida, (one order of Copepoda) were actually declared as new species.

Diverse harpacticoid species. Picture taken with a confocal laser-scanning microscope. © Christina Schmidt
Diverse harpacticoid species. Picture taken with a confocal laser-scanning microscope.
© Christina Schmidt

For many of my friends, it is interesting to know how the daily routine looks like on a research vessel, how the cabins are furnished and what we eat. Many are surprised when I show them photos that were taken at night, because we are working in 24-hour shifts. Very often I get the question if we dive with a submarine or by ourselves to receive our samples. Then I always have to smile. Sport divers dive 40-50 m. With a special breathing gas it is possible for a sport diver to go up to 100 m. The record in free diving, diving without air tanks where only the air is stopped, is about 122 m. Readers which are following this and other blogs of scientific expeditions regularly, have already noted that we use no submarines, but gears which are fixed to wire cables to the vessel. For this purpose, different cables are used. The galvanized steel wire has a diameter of 18.2 mm, a length of 12400 m and is non-twisting and is e.g. used for the multi-corer. But some gears need electricity, for example, the multinet. Such gears are then mounted on the single-core cable, which have a diameter of 11 mm - and has a length of approximately 8400 m.

 EBS is attached on the galvanized steel wire. © Christina Schmidt
EBS is attached on the galvanized steel wire.© Christina Schmidt

Here are some short information about the ship and daily routine: The German research vessel Sonne was brought into service in 2014 and is 116 m long. With its numerous single chambers, it is extremely comfortable. Beside a bed and a private bathroom, the cabins have a work desk, refrigerator and some cupboard for storing the own belongings. Three times a day there are meals and twice there's coffee time. The food is of good old German cuisine.

Caketime. © Christina Schmidt
Caketime.
© Christina Schmidt

Thank you for reading my blog and bye for now!

blogged by:
Christina Schmidt, German Center for Marine Biodiversity Research, Wilhelmshaven



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