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Bolivien Blog

Big Data – Das Orchester der Frösche im Jahresverlauf (Agentenmethoden, Teil 1)

13.11.2014, 12:00

Nach den nötigsten Besorgungen sind wir nun auf der schönen Forschungsstation in der Chiquitania. Zunächst gibt es einen kleinen Rückschlag, denn im April installierte Gerätschaften zur permanenten bioakustischen Erfassung haben ihren Geist aufgegeben.

BlickübereinenSee

Blick über den großen Teich auf das schöne Centro, die Forschungsstation von Senckenberg in Bolivien.

Es handelt sich um einen Langzeitrekorder der Sorte „SongMeter“, der über einen Bleiakku gespeist wird, welcher sich wiederum über ein Solarpanel wieder aufladen soll – das ist die Theorie, aber die Praxis sieht anders aus: Am 5. Juli (wie wir aufgrund der gespeicherten Daten rekonstruieren können) hat die Apparatur aufgehört aufzunehmen.  

Nach einer Prüfung des Akkus vermuten wir, dass dieser nicht mehr funktioniert. Aber immerhin: Seit der Installation des Ganzen Ende April haben wir nun zwei Monate Daten sammeln können! Zu jeder vollen Stunde nimmt der Rekorder für 2:30 min auf – so sieht man, was sich in der Geräuschlandschaft im Laufe eines Tages, einer Woche, eines Monats oder eines Jahres tut.

Das sind im wahrsten Sinne des Wortes „Big Data“ – eine Datenfülle, die nur mit Hilfe von Computern bzw. neuester Software auszuwerten ist, aber selbst damit stoßen wir – heute noch – auf Grenzen. Wir Wissenschaftler heute stehen also noch vor einem riesigen Datenberg, den wir mit den neuesten Methoden zwar gesammelt haben, aber in naher Zukunft wahrscheinlich noch nicht auswerten können.

Die Erforschung der Geräuschlandschaften der Erde (im Fachjargon gerne auch „Soundscapes“ genannt) steckt deshalb noch in ihren Kinderschuhen. Bernie Krause, einer der ganz großen Vorreiter der professionellen Dokumentation von Naturklängen, beschreibt die von diesem Forschungszweig ausgehende Faszination in seinem Buch „Das große Orchester der Tiere“ (2012): „Der ganze Planet ist erfüllt von einem kraftvollen Widerhall, der ebenso umfassend und weitreichend wie fein ausbalanciert ist. Jeder Ort mit seinen gewaltigen Populationen an Pflanzen und Tieren wird zur Konzerthalle, und überall führt ein einzigartiges Orchester eine unvergleichliche Symphonie auf, wobei sich die Töne einer jeden Spezies harmonisch in die Partitur einfügen. Es ist ein hochentwickeltes, von der Natur geschaffenes Meisterwerk“.

SongMeter

Noch nicht ganz ausgefeilt, aber auf einem guten Weg: Das bioakustische Langzeitprojekt auf San Sebastián.

Hypsiboas punctatus

Hypsiboas punctatus

 Bei einer kurzen und vorläufigen Analyse unserer Aufnahmen schauen wir erst einmal, welche Arten den noch in der Trockenzeit rufen. Und siehe da, interessanterweise konnten wir feststellen, dass es im Juli (zur dortigen Trockenzeit) zwei Froscharten gibt, die immer noch aktiv sind: Hypsiboas punctatus und H. geographicus. Eine erste kleine, unerwartete Erkenntnis.

Film zu diesem Beitrag:

Hypsiboas geographicus scheint nicht nur in den Regenzeiten, sondern auch während der Trockenzeiten aktiv zu sein.

 

 



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