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#Kenia2015-Blog

Erste Grabungserfolge

24.07.2015, 11:36

Unser Camp ist Dank Koch Jackson und seinem Helfer Dickens super organisiert. Morgens um 7 Uhr steht schon der heiße Kaffee auf dem Tisch, der dankbar angenommen wird. Jackson ist währenddessen mit der Zubereitung unseres Mittagssnacks beschäftigt! Nach einem ausgiebigen Frühstück begeben wir uns auf die holprige Fahrt zu einem der beiden Grabungsgebiete, die wir meist schon vor 9 Uhr erreichen.

Schon am Sonntag, beim ersten Rundgang nach unserer Ankunft konnten wir unsere Finger kaum bei uns halten. Wir sind begeistert von der Funddichte! Montags aber ging es dann endlich mit der Suche richtig los und nach dem ersten Survey (Erkundung der Oberfläche) hatten wir auch schon einige bestimmbare Fossilien gefunden!

In den ersten Tagen sind wir die bekannten Fundstellen in Ngira abgelaufen, die wir 2013 schon sehr intensiv untersucht hatten. Dort sind an verschiedenen Stellen auch wieder Fossilien aus dem harten Sandstein herausgewaschen worden. An einem bestimmten Fundplatz, den dem wir 2013 schon fossiles Material von Prodeinotherium hobleyi geborgen haben, wurden nun 2 Backenzähne gefunden.

 Backenzahn2 Backenzähne von Prodeinotherium hobleyi
Foto: Ulrike Menz

Daraufhin haben wir uns entschieden dort einen sogenannten Grid zu legen. Eine Kollegin hat diese Methode entwickelt, um die Taphonomie einer Fundstelle besser zu untersuchen. Die Taphonomie beschreibt den Weg des Fundstücks vom Tod des Individuums bis es nach der Bergung durch einen Paläontologen und der Präparation im Museum landet.

Der Grid wird an einer Stelle gelegt, an der eine entsprechende Fossildichte an der Oberfläche besteht. Es wird ein Gebiet um diese Stelle von etwa 30 qm ausgewählt, welches beispielsweise durch einen Abhang oder einer Sedimentschicht begrenzt wird. Von diesen 30qm wird dann die Topographie, der Pflanzenbewuchs, die Sedimente, etc. auf einem Formblatt beschrieben.

 GridbegrenzungGrid-Begrenzung nach Westen in Ngira
Foto: Ulrike Menz

Nachdem alles beschrieben, abgemessen und eingezeichnet wurde, werden alle Fossilien, ob bestimmbar oder nicht, mit einem geflaggten Nagel markiert. Die bestimmbaren haben eine andere Farbe als die unbestimmbaren Fossilien.

 geflaggtes Fossil
Bestimmbares Fossil mit geflaggtem Nagel
Foto: Ulrike Menz

Innerhalb dieses Gebiets wird dann der Grid von bis zu 9 qm gelegt, vorzugsweise dort, wo die höchste Fossildichte herrscht. Es können aber auch nur 6 zusammenhängende Quadratmeter ausgelegt werden, während z.B. 3 einzelne qm, die mit dem Grid nicht direkt in Verbindung stehen, einzeln im vorher bestimmten Gebiet liegen. Den Feldern des zusammenhängenden Grids werden Namen von A1 bis beispielsweise C3 zugewiesen, die außenliegenden werden entsprechend z.B. mit X1 bezeichnet.

Anschließend wird jeder Quadrant in eine extra Tüte eingesammelt. Die bestimmbaren Stücke werden von den unbestimmbaren getrennt. Alles in allem waren wir den ganzen Nachmittag damit beschäftigt, denn es kostet Zeit sich in den Grid einzuarbeiten. Kirsten Jenkins, eine Doktorandin von Kieran McNulty, schreibt über die Verteilung und die Anteile bestimmbarer und unbestimmbarer Fossilien ihre Doktorarbeit. Über die Abnutzung des Fossils kann sie Rückschlüsse über Transport, Verdauung oder sogar Tod ziehen, wenn deutliche Bißspuren gefunden werden.

 Foto thomas LehmannBißspuren in einem löwengroßen Carnivoren-Oberschenkelknochen von einem Krokodil
Foto: Thomas Lehmann

Da wir ein internationales Team sind, folgt hier ein Eindruck von einer unserer amerikanischen Studenten, Tessa Cicak aus Minnesota:
„Die ersten paar Tage der Feldarbeit bestanden aus dem Absammeln der Oberfläche. Jedem Teammitglied wurde eine Schicht zugeordnet, die er oder sie abschreiten musste, wobei alle freiliegenden Fossilien gesammelt wurden.

Ich arbeite mit Sam Odhiembo, einem Arbeiter, der seit 2006 mit Dr. Kieran McNulty zusammenarbeitet. Er stammt ursprünglich vom Rusinga Island und hat ein unglaubliches Talent dafür, winzige Zahnstückchen und Skelettfragmente der Mikrofauna zu entdecken. Wir schreiten die Schichten rasch ab, aber seinen scharfen Augen entgeht nichts. Wir arbeiten uns mit gebeugten Rücken voran, kratzen mit langen Stöcken im Boden, schieben den Kies zur Seite und legen Fragmente von Fossilien frei.

Während Sam mir beibringt, meine Augen darauf zu trainieren, die kleinen, leicht zu übersehenden Stücke zu finden, erklärt er mir gleichzeitig die Luo-Namen für die Tiere, die wir sehen, oder ‘Orega ratch’ für die Schichten, in denen wir nur sehr wenig entdecken. Während des Sammelns unterhalten wir uns beiläufig. Ich frage ihn über Rusinga und die Gegend um den Viktoria-See aus, und er fragt mich nach dem Leben in den Vereinigten Staaten. Unsere Unterhaltungen bewegen sich von der Diskussion politischer Systeme bis hin zu unseren ganz persönlichen Philosophien.

Die Zusammenarbeit mit Sam hat mir eine bessere Verbundenheit mit den Menschen dieser Region ermöglicht. Er erklärt, was die lokale Bevölkerung von unserer Arbeit hält, die ja praktisch in ihrem Garten stattfindet. Er unterhält sich mit den Kindern, die sich sammeln, um uns zuzuschauen. Er erklärt ihnen, was wir tun und wie wir am besten unsere Forschungsergebnisse konservieren können. Er hat es sich zur Priorität gemacht, mir jeden Tag ein wenig Luo beizubringen, was mir hilft, eine Verbindung mit den jüngeren Arbeitern aufzubauen. Es ist meine persönliche Ansicht, dass das Aufbauen von Verbindungen mit allen Mitgliedern des Teams vielleicht den wichtigsten und lohnenswertesten Aspekt der gesamten Feldarbeit darstellt. Es wäre einfach, die Erfassungen stillschweigend und nur von den eigenen Gedanken begleitet durchzuführen. Aber die Unterhaltungen mit Sam haben mir neue akademische Perspektiven eröffnet und geben mir einen besseren Eindruck, wo ich persönlich in der größeren Gemeinschaft stehe, in der ich meine Forschungen ausführe.“   

 Tessa und SamTessa und Sam bei der Arbeit

 

Zu den Sponsoren und Förderern der Forschungsreise gehören neben Globetrotter, Land Rover und der Schack-Stiftung auch die Freunde und Förderer der Goethe-Universität Frankfurt.

Hier bloggt:
Dipl.-Biol. Ulrike Menz
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Paläoanthropologie

Vorschau

Im nächsten Teil unseres Blogs berichten wir davon, was neben der Arbeit im Camp passiert und wie wir unsere freie Zeit nutzen.



Thanks to our cook, Jackson, and his helper, Dickens, our camp is perfectly organized. At seven in the morning, we wake up to fresh hot coffee, which we gratefully accept. All the while, Jackson is busy preparing our lunch snacks! After an extensive breakfast, we set out on the bumpy drive to one of our two excavation sites, where we usually arrive before 9 am.

Already on Sunday, during our first tour after our arrival, we could barely contain our excitement. We are thrilled with the density of artifacts! On Monday, we were finally able to really dive into our work, and after an initial survey (surface exploration) we already discovered several identifiable fossils!

During the first few days, we covered the known fossil sites in Ngira, which we had already studied intensively in 2013. There, we discovered that additional fossils had again been washed out of the hard sandstone. In a certain site, where in 2013 we recovered fossil material from Prodeinotherium hobleyi, we were now able to find 2 molars.

2 molars from Prodeinotherium hobleyi. Photo: Ulrike Menz
2 molars from Prodeinotherium hobleyi
Photo: Ulrike Menz

Following this find, we decided to lay down a so-called grid at the site. A colleague developed this method in order to be able to better study the taphonomy of an excavation site. The taphonomy describes the path of the artifact from the individual’s death to its recovery by a paleontologist and subsequent preparation in a museum.

The grid is laid down at a location where a corresponding fossil density is found near the surface. An area of about 30 square meter is selected around this spot, which may be delimited by a slope or a sediment layer. Subsequently, the topography, flora, sediments, etc., of this 30 square meter area are described on a blank form.

Western grid boundary in Ngira. Photo: Ulrike Menz
Western grid boundary in Ngira
Photo: Ulrike Menz

Once everything has been described, measured and recorded, all fossils – whether identifiable or not – are marked with a flagged nail. Identifiable fossils are marked in a different color than those that cannot be identified.

Identifiable fossil with a flagged nail. Photo: Ulrike Menz
Identifiable fossil with a flagged nail
Photo: Ulrike Menz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Within this area, a grid of up to 9 square meters is put down; ideally in the location with the highest fossil density. However, it is also possible to only lay a grid of 6 contiguous square meters, with 3 single square meter plots placed apart from the 6 square meter grid in previously determined locations. The fields of the contiguous grid are assigned names, e.g., from A1 to C3; the extraneous fields are correspondingly identified by X1, etc.

Subsequently, fossils from each quadrant are collected in a separate bag. The identified pieces are kept separate from the unidentified ones. All told, this kept us busy for an entire afternoon, since it takes time to become familiar with the grid. Kirsten Jenkins, one of Kieran McNulty’s PhD students, is writing her doctoral thesis about the distribution and proportions of identifiable and unidentifiable fossils. Based on the fossil’s amount of wear, she is able to draw conclusions about transport, digestion and even death, if clear bite marks can be found.

Crocodile bite marks on the femur of a lion-sized carnivore. Photo: Thomas Lehmann
Crocodile bite marks on the femur of a lion-sized carnivore
Photo: Thomas Lehmann

 

Since we are an international team, here is an impression given by one of our American students, Tessa Cicak from Minnesota:

“The first few days of fieldwork consisted of surface collection. Each team member was assigned a layer and asked to walk it and collect the fossils which lay on the surface.

I work with Sam Odhiembo, a workman who has been working with Dr. Kieran McNulty since 2006. Originally from Rusinga Island, he has an incredible talent for finding tiny tooth fragments and postcrania from microfauna. We move quickly over the layers, yet his keen eyes miss nothing. We move with our backs bent, scratching at the ground with long sticks, moving the gravel and exposing fragments of fossils.             

While Sam teaches me how to train my eyes to find the small easy-to-miss pieces, he also teaches me Luo terms for the animals we are finding or ‘Orega ratch’ for the layers in which we find very little. As we collect, we casually talk. I ask about Rusinga and the Lake Victoria region and he asks about the United States. Our conversations range from discussions of political systems and issues to our own personal philosophy. 

Working with Sam has given me a better connection to the people in the area. He explains the local’s perception of our work which is essentially in their garden. He speaks to the children that gather and watch us. He tells them what we are doing and how to best preserve our research. He has made it a priority to teach me small bits of Luo which helps me connect with the younger workers. I personally believe that creating a connection with all the people who are part of your team is perhaps one of the most important and rewarding facets of fieldwork. It is easy to just quietly survey with your own thoughts, but the conversations with Sam have given me new perspectives on academia and my place within the broader community in which my research takes place.”

 

Tessa and Sam
Tessa and Sam at work

 

The expedition is supported by Globetrotter, Land Rover, Schack-Stiftung and Freunde und Förderer der Goethe-Universität Frankfurt.

The blogger:
Dipl.-Biol. Ulrike Menz
Senckenberg Research Institute and Nature Museum
Paleoanthropology

 

 

 



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