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Bei Überlebenskünstlern am Ende der Welt // Among survival artists at the end of the earth

Eine faszinierende Reise geht zu Ende // A Fascinating Journey Comes to an End

04.02.2016, 09:29

Ein zweiter Ausflug zu den Pinguinen war notwendig, um auch noch die letzten drei Flechtenarten unserer Liste aufzuspüren. Danach verblieben uns noch einige antarktische Schönwettertage, die wir zur Optimierung unserer Sammlung nutzten, und dann hieß es auch schon Abschiednehmen von Carlini.

Panorama - Elephant Island gegenüber der Potter-Bucht © Birgit Kanz
Panorama - Elephant Island gegenüber der Potter-Bucht © Birgit Kanz

Während wir fünf unserer acht gesuchten Flechtenarten schon gesichert wussten, konnten wir mit der Ausbeute der verbleibenden drei nährstoffliebenden Arten Xanthoria elegans, Candelariella flava und Physcia caesia noch nicht zufrieden sein. Es musste sie hier auf der Potter-Halbinsel geben. Das war uns bekannt. Wir beschlossen daher, die Pinguinkolonie noch einmal aufzusuchen.

Stranger Point mit Pinguin-Kolonien, King George Island © Elisa Lagostina
Stranger Point mit Pinguin-Kolonien, King George Island © Elisa Lagostina

Wieder schlossen wir uns den Pinguin- und RobbenforscherInnen an, und wieder beobachteten wir fasziniert die See-Elefanten, Esels- und Adelie-Pinguine. Auch das Zügel-Pinguin-Paar trafen wir wieder an. Wir steuerten direkt den Stranger Point an, ein ins Meer hineinragender, von Vögeln und Pinguinen besiedelter größerer Felsenkomplex. Den hatten wir bei unserem ersten Besuch des Schutzgebietes nicht erreicht. Es sah aber ganz so aus, als würden wir nur dort unsere Arten finden können. Und tatsächlich, nach kurzer Zeit des Suchens am Felsen fanden wir von allen drei Arten  schöne Bestände. Sie hatten tatsächlich ihr Haupt-Vorkommen nur hier auf diesem Felsen. Ihr Abklopfen vom Fels war noch etwas mühsam, aber dann hatten wir es geschafft: unsere Aufgabe in der Antarktis war erfüllt!

Xanthoria elegans, gut erkennbar an der dunkelorangen Farbe und den schön effigurierten Rändern. © Birgit Kanz
Xanthoria elegans, gut erkennbar an der dunkelorangen Farbe und den schön effigurierten Rändern. © Birgit Kanz

Nach dem Einsammeln widmeten wir uns entspannt dem Ausblick vom Stranger Point. Er bietet einen herrlichen Ausblick auf den weiteren Verlauf der Küste, die an dieser Stelle nach Westen  abknickt. Die Felsküste tritt zurück und der Strand weitet sich. Dadurch liegen alle Pinguinkolonien nebeneinander auf einer Ebene, und ich bekommme erstmals ein Ahnung, wie viele Hunderte, ja Tausende von Pinguinen sich hier tummeln müssen.

Blick vom Stranger Point auf die Pinguinkolonien.  © Birgit Kanz
Blick vom Stranger Point auf die Pinguinkolonien.  © Birgit Kanz

Das i-Tüpfelchen dieses erfolgreichen und wunderschönen Tages kam nur wenig später in Gestalt eines Königspinguins daher! Wir waren wirklich Glückspilze!!! Ein bis zwei Individuen verirren sich ab und an hierher – und da stand nun eines und ließ sich ungerührt bewundern. Was für ein prachtvoller Anblick!!!

Königspinguin © Birgit Kanz
Königspinguin © Birgit Kanz

Nun blieb uns noch eine Woche bis zur Abreise. Diese nutzten wir, um unsere Aufsammlungen zu optimieren, zu sortieren und möglichst platzsparend zu verpacken. Ich suchte noch einmal alle Stellen auf, die mir besonders gut gefallen hatten, suchte nochmals intensiv nach vielleicht bislang noch übersehenen, neuen Flechtenarten, genoss die ruhige Landschaft und die Aussichten aufs Meer und versuchte, mir alles unauslöschlich einzuprägen. So ohne Weiteres würde es keine Rückkehr mehr in die Antarktis mehr geben.

Impressionen © Birgit Kanz
Impressionen © Birgit Kanz

Impressionen © Birgit Kanz
Impressionen © Birgit Kanz

Impressionen © Birgit Kanz
Impressionen © Birgit Kanz

Außerdem hatte ich begonnen, sämtliche Organisatoren mit Emails zu bedrängen, weil wir so kurz vor der Rückreise immer noch ohne Bestätigung des Rückreisetermins waren. Wir waren unruhig. Denn es galt ja nicht nur den Flieger zurück nach Punta Arenas zu bekommen, sondern auch unsere Bootsüberfahrt nach Fildes zum Flugplatz zu organisieren. Und wie wir wussten, geht so etwas nicht von einem Tag auf den anderen. Vermutlich hätten wir uns gar nicht so zu bemühen brauchen. Uns drängte es ja gar nicht, von hier weg zu kommen. Vielmehr musste es im Interesse der Organisatoren sein, dass unsere Plätze für nachrückende WissenschaftlerInnen frei wurden.

Impressionen © Birgit Kanz
Impressionen © Birgit Kanz

Impressionen © Birgit Kanz
Impressionen © Birgit Kanz

Impressionen © Birgit Kanz
Impressionen © Birgit Kanz

Letztlich lief auch alles wie am Schnürchen. Wir waren mehr oder weniger abreisebereit und konnten warten. Unsere Aufsammlungen steckten in zwei Cargo-Boxen, die im Mai mit dem Schiff Polar Pioneer nach Bremerhaven verschifft und im Juni von uns hoffentlich unbeschädigt in Empfang genommen werden würden. Am vorletzten Tag kam dann auch die Flugbestätigung, und der Stationschef ließ uns ausrichten, dass wir am 9. Januar um 7:30 Uhr gestiefelt und gespornt am Bootshaus zu sein hätten.

Offizielle Bootsüberfahrten sind nur in Taucher-Vollmontur gestattet. © Birgit Kanz
Offizielle Bootsüberfahrten sind nur in Taucher-Vollmontur gestattet. © Birgit Kanz

Überfahrt mit einem Zodiak Hurricane von Potter nach Fildes Peninsula. © Birgit Kanz
Überfahrt mit einem Zodiak Hurricane von Potter nach Fildes Peninsula. © Birgit Kanz

Dort stiegen wir in Taucheranzüge und kletterten in das Boot, dass uns nach Fildes bringen würde. Die Bootsfahrt war wunderschön. Es ging ganz nah an beeindruckenden Eisbergen vorbei, derweil die Tres Hermanos hinter uns langsam in der Ferne verschwanden. In Fildes hatten wir noch einmal im chilenischen Luftwaffenstützpunkt zu warten, den wir schon von unserer Hinfahrt her kannten, dann war es Zeit, zum Flieger zu gehen, der kurz zuvor gelandet war. Wir teilten ihn lediglich mit einer russischen Familie, die sich mit drei Kindern einen Ausflugstag in die Antarktis gegönnt hatte. Die Verpflegung an Bord war exquisit, und auch der Pisco sour und ein Schokoladengeschenk fehlten nicht. Wenn das kein würdiger Abschied von der Antarktis war!

Abschied: Elisa mit Pablo Pretz, Stationschef von Carlini, auf dem Weg zum Flugfeld. © Birgit Kanz
Abschied: Elisa mit Pablo Pretz, Stationschef von Carlini, auf dem Weg zum Flugfeld. © Birgit Kanz

Ankunft unseres Fliegers von der chilenischen Fluggesellschaft Aerovías Dap © Birgit Kanz
Ankunft unseres Fliegers von der chilenischen Fluggesellschaft Aerovías Dap © Birgit Kanz

Elisa und Birgit vor dem Abflug nach Punta Arenas © Birgit Kanz
Elisa und Birgit vor dem Abflug nach Punta Arenas © Birgit Kanz

Es war schön, nach Punta Arenas zurückzukommen, das wir nun schon so gut kannten. Die verbleibenden Tage bis zum Weiterflug nutzten wir, um erneut unser Lieblingsrestaurant La Luna und als Neuempfehlung La Marmita aufzusuchen und ausgiebig dem Seafood zu frönen. Wir kauften Souvenirs, verschickten Karten, gingen spazieren und sortierten Fotos. Am Dienstag, den 12. Januar um 10:15 Uhr, begann dann die lange Rückreise über Santiago de Chile und Madrid, die erst am Abend des Folgetages um 17:55 Uhr am Frankfurter Flughafen endete.

Eine faszinierende Reise war zu Ende gegangen.

Elisa und Birgit am Frankfurter Flughafen
Elisa und Birgit am Frankfurter Flughafen

Wir danken allen Organisatoren und allen Menschen, die uns auf unserer Reise geholfen haben, insbesondere Alejandro für seine kurzentschlossene Hilfe, der chilenischen Navy für ihren schnellen Einsatz in der Not, dem Leiter und der Besatzung der koreanischen Station King Sejong für ihre Gastfreundschaft und die köstlichen Mahlzeiten, der argentinischen Navy für die unterhaltsame Patrouillefahrt und nicht zuletzt Dirk Mengedoht (AWI) und Italo Panicucci (Ultramar, Chile) für die Organisation und Koordination unserer Flüge.

Außerdem möchten wir Senckenbergs Kommunikationsabteilung in Person von Daniela Bamberger für die Möglichkeit danken, unseren Blog hier einzustellen und für ihre Unterstützung, Hendrik Herlyn für die großartige und engagierte Übersetzungsarbeit ins Englische und allen Lesern und Leserinnen, die mit Interesse unsere Reise verfolgt haben.

Hier bloggt:
Dr. Birgit Kanz
Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt am Main


 

A Fascinating Journey Comes to an End

It took a second excursion to the penguins for us to track down the remaining three lichen species on our list. After that, we were blessed with a few Antarctic fair-weather days that we used to optimize our collection – and then the time had come already to bid farewell to Carlini.

Panorama - Elephant Island across Potter Bay © Birgit Kanz
Panorama - Elephant Island across Potter Bay © Birgit Kanz

While we had already secured five of the eight species of lichen we were pursuing, we were not satisfied with our results for the remaining three nutrient-loving species Xanthoria elegans, Candelariella flava and Physcia caesia. They had to occur here on the Potter peninsula – this much we knew. Therefore, we decided to pay a repeat visit to the penguin colony.

Stranger Point with penguin colonies, King George Island © Elisa Lagostina
Stranger Point with penguin colonies, King George Island © Elisa Lagostina

Once again, we joined the penguin and seal researchers, and again we were fascinated by the sight of elephant seals, Gentoo and Adelie Penguins. Even our pair of Chinstrap Penguins was present again. We headed directly for Stranger Point, a large rock complex that juts into the ocean, inhabited by penguins and other birds. We never made it to this area during our first visit to the nature preserve. But it certainly looked like we would only be able to find our coveted species over there. And indeed – after a brief search along the rocks we discovered nice populations of all three species! Their main distribution was indeed restricted to this very rock. Chiseling them from the rock proved somewhat tedious, but then we had reached our goal: our mission in Antarctica was fulfilled!

Xanthoria elegans, easily identifiable by its dark orange color and the handsomely effigurated margins. © Birgit Kanz
Xanthoria elegans, easily identifiable by its dark orange color and the handsomely effigurated margins. © Birgit Kanz

After the collecting, we relaxed and indulged in the view from Stranger Point. It offers a beautiful panorama of the continuing coastline, which turns sharply toward the west at this point. The rocky shore recedes and the beach widens. This causes all of the penguin colonies to exist side by side on the same level, and I gained a first inkling just how many hundreds, if not thousands, of penguins are rubbing flippers here.

View from Stranger Point toward the penguin colonies.  © Birgit Kanz
View from Stranger Point toward the penguin colonies.  © Birgit Kanz

The crowning point of this successful and lovely day arrived a little later in the form of a King Penguin! We were truly blessed with luck!!! One or two individuals occasionally stray to this area – and one of them was now standing right in front of us, quite unaffected by our awestruck adoration. What a magnificent sight!!!

King Penguin © Birgit Kanz
King Penguin © Birgit Kanz

We now had one more week until our departure. We used this time to optimize our collections, to sort them and pack them in the most space-saving way possible. I once again revisited all of the sites that I had found particularly appealing, spent some more time intensely searching for other lichen species that we might have overlooked so far, enjoyed the serene landscape and the view across the ocean and tried to burn the impressions indelibly in my memory. There would be no easy return to Antarctica.

Impressions © Birgit Kanz
Impressions © Birgit Kanz

Impressions © Birgit Kanz
Impressions © Birgit Kanz

Impressions © Birgit Kanz
Impressions © Birgit Kanz

In addition, I had started to beset all of the organizers with emails, since this close to our return trip we were still without confirmation of our departure date. This was rather disconcerting. For not only did we have to catch the plane back to Punta Arenas, we also had to organize our boat trip to the airport on Fildes. And as we knew, this kind of thing can’t be done from one day to the next. We probably didn’t have to make such an effort – after all, we really weren’t in that much of a hurry to leave. Rather, it had to be in the organizers’ best interest for us to vacate our spots for the next influx of scientists.

Impressions © Birgit Kanz
Impressions © Birgit Kanz

Impressions © Birgit Kanz
Impressions © Birgit Kanz

Impressions © Birgit Kanz
Impressions © Birgit Kanz

Ultimately, everything went like clockwork. We were more or less prepared for departure and could simply wait. Our collections took up two cargo boxes, which will be shipped aboard the Polar Pioneer to Bremerhaven in May and which we hope to be able to receive undamaged in June. On our second-to-last day, we finally got the confirmation of our flight and the station chief informed us that we had to report at the boathouse on January 9th at 7:30 AM, packed and ready for travel.

Official crossings by boat are only permitted in full diving gear. © Birgit Kanz
Official crossings by boat are only permitted in full diving gear. © Birgit Kanz

Crossing with a Hurricane zodiac from Potter to Fildes Peninsula. © Birgit Kanz
Crossing with a Hurricane zodiac from Potter to Fildes Peninsula. © Birgit Kanz

There, we donned diving suits and climbed aboard the boat that was to carry us to Fildes. The boat trip was glorious. We passed in close proximity to impressive icebergs, while behind us the Tres Hermanos slowly disappeared in the distance. In Fildes, we had to wait again at the Chilean air force base, which we knew already from our outbound journey, and then it was time to proceed to the airplane, which had landed a short time earlier. We only shared it with a Russian family with three children, who had treated themselves to a day trip to Antarctica. The food on board was exquisite and included a Pisco sour as well as a gift chocolate. A truly worthy farewell to Antarctica!

Good-bye: Elisa with Pablo Pretz, station chief at Carlini, on the way to the airfield. © Birgit Kanz
Good-bye: Elisa with Pablo Pretz, station chief at Carlini, on the way to the airfield. © Birgit Kanz

Arrival of our plane from the Chilean airline Aerovías Dap © Birgit Kanz
Arrival of our plane from the Chilean airline Aerovías Dap © Birgit Kanz

Elisa and Birgit prior to takeoff for Punta Arenas © Birgit Kanz
Elisa and Birgit prior to takeoff for Punta Arenas © Birgit Kanz

It was nice to return to Punta Arenas, which seemed so familiar to us by now. We took advantage of the remaining days until our continuing flight to revisit our favorite restaurant, La Luna and explore the newly recommended La Marmita, where we excessively indulged in seafood. We bought souvenirs, sent postcards, took walks and sorted through our photos. On Tuesday, January 12th at 10:15 AM, we embarked on the long journey home via Santiago de Chile and Madrid, which only ended the following day at 5:55 PM at the Frankfurt airport.

A fascinating journey had come to an end.

Elisa and Birgit at Frankfurt airport
Elisa and Birgit at Frankfurt airport

A big thank-you to all organizers and all the people who helped us on our journey, in particular to Alejandro for his spontaneous aid, the Chilean Navy for its rapid deployment in our time of emergency, the leader and the crew of the Korean station King Sejong for their hospitality and the delectable meals, the Argentinean Navy for its entertaining patrol ride, and last but not least to Dirk Mengedoht (AWI) and Italo Panicucci (Ultramar, Chile) for organizing and coordinating our flights.

In addition, we would like to thank the Senckenberg Communications Department in the person of Daniela Bamberger for the opportunity to post our Blog on here and for her support; Hendrik Herlyn for his excellent and committed translations into English; and all our readers who followed our journey with such interest.

The blogger:
Dr. Birgit Kanz
Senckenberg Research Institute



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