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Bei Überlebenskünstlern am Ende der Welt // Among survival artists at the end of the earth

Forschen in der Antarktis: die argentinische Carlini-Station // Research in Antarctica: the Argentinean Station Carlini

14.01.2016, 16:01

Länder, die  in der Verwaltung der unbewohnten Antarktis ein Mitspracherecht haben möchten, müssen dem Antarktisvertrag beitreten und dauerhaft Forschung vor Ort betreiben. Mittlerweile gibt es an die hundert Forschungsstationen von etwa 25 Vertragsstaaten. Zwölf sind es alleine auf King George Island, wo auch wir uns gerade befinden. Wie sieht es denn auf einer solchen Forschungsstation aus?

Der Antarktisvertrag wurde 1959 von zwölf Ländern unterschrieben und ist seit 1961 in Kraft. Er legt fest, dass die Antarktis ausschließlich friedlich zu nutzen und auf wirtschaftliche Ausbeutung und militärische Nutzung zu verzichten ist. Bestehende Gebietsansprüche, die von Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Großbritanniern, Neuseeland und Norwegen erhoben werden, sowie Streitigkeiten darüber ruhen seither.

Argentinische Carlini-Station in der Potter-Bucht im Südwesten von King George Island © Elisa Lagostina
Argentinische Carlini-Station in der Potter-Bucht im Südwesten von King George Island © Elisa Lagostina

Die argentinische Forschungsstation Carlini

Argentinien unterhält insgesamt neun Forschungsstationen in der Antarktis. Eine davon, die Carlini-Station, liegt in der Potter-Bucht im Südwesten von King George Island. Sie besteht seit 1953, zunächst nur als ein einfacher Stützpunkt. Dann wurde sie 1982 als Forschungsstation etabliert. Geführt wird sie nach wie vor vom argentinischen Militär. Etwa neunzig Menschen können hier leben und arbeiten. Im Winter überwintern 60 Personen auf der Station.

Carlini-Station in der Potter-Bucht mit dem Nunataka Florence im Hintergrund © Birgit Kanz
Carlini-Station in der Potter-Bucht mit dem Nunataka Florence im Hintergrund © Birgit Kanz

Etwa 20 orangefarbene Gebäude liegen auf dem Stationsgelände. Darunter sind vier Wohn- und Schlafgebäude. In den anderen befinden sich Laboratorien, die IT-Zentrale, die ärztliche Versorgung, die meteorologische Station, die seismographische Station, Lebensmittelvorräte, Müll, Generatoren für die Stromversorgung, Boote, Fahrzeuge und Taucherausrüstungen etc.

Motorboote auf der Carlini-Station © Birgit Kanz
Motorboote auf der Carlini-Station © Birgit Kanz

Fahrzeuge auf der Carlini-Station © Birgit Kanz
Fahrzeuge auf der Carlini-Station © Birgit Kanz

Außerdem gibt es ein Haus mit Fitness-, Kino- und Tanzräumen. Die Freizeit der hier arbeitenden Menschen darf nicht zu kurz kommen und die Woche braucht ihre Highlights. Besonders für die hier (im Dunkeln) Überwinternden sind vergnügliche Unterbrechungen im Alltag wichtig, damit die Stimmung nicht absinkt. So werden beispielsweise freitags Filme gezeigt und samstags gibt es Ataque, den Tanz- und Disco-Abend. Das Angebot wird auch von den nur saisonal Forschenden freudig angenommen.

Haupthaus („Casa Principale“) und weitere Wohngebäude auf der Carlini-Station © Birgit Kanz
Haupthaus („Casa Principal“) und weitere Wohn- und Arbeitsgebäude auf der Carlini-Station © Birgit Kanz

Carlini-Station mit Generatorengebäude, Haupthaus, Dallmann-Labor (v.r.n.l.). Links vorne die Dieseltanks. © Birgit Kanz
Carlini-Station mit Generatorengebäude, Haupthaus, Dallmann-Labor (v.l.n.r.). Links vorne die Dieseltanks. © Birgit Kanz

Krankenstation, Freizeit- und Wohngebäude auf der Carlini-Station. Im Hintergrund die Felsformation Tres Hermanos © Birgit Kanz
Blick vom Gletscher auf die Carlini-Station © Birgit Kanz

Blick vom Gletscher auf die Radio- und meteorologische Station links im Bild © Birgit Kanz
Krankenstation, Freizeit- und Wohngebäude auf der Carlini-Station. Im Hintergrund die Felsformation Tres Hermanos © Birgit Kanz

Das deutsche Dallmann-Labor

Deutschland, konkret das AWI, unterhält in Kooperation mit dem „Instituto Antártico Argentina (IAA)“ auf Carlini seit 1994 zwei Labor- und ein Wohngebäude. Sie firmieren unter dem Begriff „Dallmann-Labor“, benannt nach Eduard Dallmann, einem Pionier der deutschen Antarktisforschung. Hier wohnen und arbeiten internationale ForscherInnen, die mit dem AWI kooperieren.

Dallmann-Wohngebäude © Birgit Kanz
Dallmann-Wohngebäude © Birgit Kanz

Deutsche und argentinische Laborgebäude auf der Carlini-Station © Birgit Kanz
Deutsche und argentinische Laborgebäude auf der Carlini-Station © Birgit Kanz

Eines der Dallmann-Labore © Birgit Kanz
Eines der Dallmann-Labore © Birgit Kanz

Das Dallmann-Wohngebäude hat Platz für 16 Leute. Es gibt vier Schlafräume mit je zwei Etagenbetten, ein Bad mit vier Waschbecken, vier Toiletten und vier Duschen, ein Büro/Aufenthaltsraum mit einem PC mit Internetanschluss, eine Küche, einen Raum für Waschmaschine, Trockner und zwei Wasserauffangtanks und ein Labor. Außerdem gehört ein eigenes Vorratshaus zum Dallmann, d. h. es gibt eine gewisse Unabhängigkeit von der restlichen Station. Als ich das Dallmann-Gebäude betrat, fühlte ich mich in meine frühere WG-Zeiten versetzt. Der Standard ist einfach, aber atmosphärisch (und auch tatsächlich) warm und freundlich.

Flur im Dallmann © Birgit Kanz
Flur im Dallmann © Birgit Kanz

Küche im Dallmann © Birgit Kanz
Küche im Dallmann © Birgit Kanz

Schlafraum im Dallmann © Birgit Kanz
Schlafraum im Dallmann © Birgit Kanz

Die Dallmann-Laboratorien sind mit modernen Gerätschaften, wie Zentrifugen, Waagen, Stereomikroskop, -80 °C-Gefrierschränken etc., ausgestattet. Jede Forschergruppe kann überdies die eigene notwendige Ausstattung hierher verfrachten lassen und aufstellen, so dass projektspezifisch Experimente durchgeführt werden können. Die meisten Gruppen am Dallmann arbeiten aktuell marinbiologisch in Bezug zum Thema Klimawandel. Sie entnehmen und filtern Wasser- und Sedimentproben und untersuchen an Algen (Phytoplankton, Makroalgen) und Meerestieren (Meio-, Makrobenthos) beispielsweise die Auswirkung zunehmender Erwärmung und Versauerung des Polarmeeres. Aktuell befinden sich hier WissenschaftlerInnen aus Göteborg (Schweden), Gent (Belgien), Cordoba und Mar del Plata (beides Argentinien), Quebec (Kanada) and Frankfurt. Elisa und ich sind die einzigen Nicht-Marinbiologinnen auf der gesamten Station.

Wie hier kulinarisch Leib und Seele zusammen gehalten werden, davon berichte ich in meinem nächsten Blog.

Hier bloggt:
Dr. Birgit Kanz
Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt am Main



Research in Antarctica: the Argentinean Station Carlini

Countries that would like to have a say in the administration of the uninhabited Antarctic must joint the Antarctic Treaty and permanently conduct research on site. To date, there are almost one hundred research stations run by approximately 25 treaty countries. Twelve of them are found on King George Island alone, the island where we are currently located. So what does it look like on one such a research station?

The Antarctic Treaty was signed in 1959 by twelve countries and has been in effect since 1961. It stipulates that the Antarctic may only be used for peaceful purposes and that economic exploitation and military use must be avoided. Existing territorial claims raised by Argentina, Australia, Chile, France, Great Britain, New Zealand and Norway as well as any disputes in this regard have rested since then.

The Argentinean Carlini Station in Potter Bay in the southwest part of King George Island © Elisa Lagostina
The Argentinean Carlini Station in Potter Bay in the southwest part of King George Island © Elisa Lagostina

The Argentinean research station Carlini

Argentina maintains a total of nine research stations in Antarctica. One of them, the Carlini Station, is located in Potter Bay in the southwestern part of King George Island. It was founded in 1953, initially as a simple military base. In 1982, it was established as a research station. It continues to be managed by the Argentinean military. The station accommodates about 90 persons who can live and work here. In the winter, 60 persons remain on the station.

Carlini Station in Potter Bay, with the Nunataka Florence in the background © Birgit Kanz
Carlini Station in Potter Bay, with the Nunataka Florence in the background © Birgit Kanz

About 20 orange buildings are scattered across the station’s premises. These include four living quarters/dormitories. The other buildings house laboratories, the IT center, an infirmary, the meteorological and seismographic stations, food supplies, garbage, generators for the supply of electricity, boats, vehicles and diving equipment, etc.

Motor boats at the Carlini Station © Birgit Kanz
Motor boats at the Carlini Station © Birgit Kanz

Vehicles at the Carlini Station © Birgit Kanz
Vehicles at the Carlini Station © Birgit Kanz

In addition, there is a building with fitness, movie and dance rooms. The people who work here need time for recreation, and the week must feature its highlights. Especially for those who spend the winter here (in the dark), entertaining interruptions of the daily routine are important for maintaining a positive attitude. For example, movies are shown on Fridays and on Saturdays, the Ataque – a dance and disco night – takes place. This entertainment program is gladly embraced by the seasonal researchers as well.

Main building (“Casa Principale”) and additional living quarters at the Carlini Station © Birgit Kanz
Main building (“Casa Principal”) and additional living and working quarters at the Carlini Station © Birgit Kanz

Carlini Station with generator building, main building, Dallmann Laboratory (right to left). The diesel tanks are visible in the front to the left. © Birgit Kanz
Carlini Station with generator building, main building, Dallmann Laboratory (left to right). The diesel tanks are visible in the front to the left. © Birgit Kanz

Infirmary, recreational building and living quarters at the Carlini Station, with the rock formation Tres Hermanos in the background. © Birgit Kanz
View from the glacier to the carlini station © Birgit Kanz

View from the glacier to the radio and meteorological station (on the left) © Birgit Kanz
Infirmary, recreational building and living quarters at the Carlini Station, with the rock formation Tres Hermanos in the background. © Birgit Kanz

The German Dallmann Laboratory

Since 1994, Germany, and more specifically, the AWI, maintains two laboratory and residential buildings at Carlini in cooperation with the “Instituto Antártico Argentina (IAA).” They operate under the name “Dallmann Laboratory,” named after Eduard Dallmann, a pioneer of the German Antarctic research. These buildings house international researchers, who live and work here in cooperation with the AWI.

Dallmann living quarters © Birgit Kanz
Dallmann living quarters © Birgit Kanz

German and Argentinean laboratory buildings at the Carlini Station © Birgit Kanz
German and Argentinean laboratory buildings at the Carlini Station © Birgit Kanz

One of the Dallmann laboratories © Birgit Kanz
One of the Dallmann laboratories © Birgit Kanz

The Dallmann residential building can accommodate 16 persons. There are four dormitories with two bunk beds each, a bathroom with four sinks, four toilets and four showers, an office/lounge with a PC with Internet connection, one kitchen, a laundry room with a washer and drier, two water collection basins and a laboratory. In addition, the Dallmann compound includes its own storage house, which gives it a certain degree of independence from the remaining station. When I first entered the Dallmann building, it took me right back to the shared apartments of my early student days. The standard is simple, but it conveys a certain (even literally) warm and friendly atmosphere.

Hallway in the Dallmann building © Birgit Kanz
Hallway in the Dallmann building © Birgit Kanz

Kitchen in the Dallmann building © Birgit Kanz
Kitchen in the Dallmann building © Birgit Kanz

Dormitory in the Dallmann building © Birgit Kanz
Dormitory in the Dallmann building © Birgit Kanz

The Dallmann laboratories are furnished with modern equipment such as centrifuges, scales, stereo microscopes, -80 °C freezers, etc. In addition, each group of researchers can have their own equipment shipped and installed here that is needed in order to be able to conduct project-specific experiments. Most of the groups currently stationed at the Dallmann are conducting marine biology work in connection with the global climate change. They collect and filter water and sediment samples and use algae (phytoplankton, macro-algae) and marine animals (meio- and macrobenthos) to study the effects of the polar sea’s increasing warming and acidification. Currently, the Dallmann houses scientists from Gothenburg (Sweden), Gent (Belgium), Cordoba and Mar del Plata (both Argentina), Quebec (Canada) and Frankfurt. Elisa und I are the only non-marine biologists in the entire station.

In my next blog, I will tell you how body and soul are kept together here with culinary delights.

The blogger:
Dr. Birgit Kanz
Senckenberg Research Institute



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