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MSM55 - ARCA

In der Muschelbucht

20.06.2016, 15:11

Arctic Carbonate Factories (Svalbard) - M.S. Merian 55

Seit nunmehr drei Tagen liegt die Maria S. Merian in der Mosselbukta im Norden Spitzbergens. Vermessungen, Kartierungen, eine Vielzahl von Beprobungen sollen den Wissenschaftlern helfen, ein genaueres Bild des Meeresbodens zu zeichnen.

Von Viola Kiel

Spitzbergen – eine Reihe scharfkantiger Gipfel, weißer Schnee auf schwarzem Gestein. Auf dem Inselarchipel Svalbard, dessen Hauptinsel Spitzbergen ist, leben rund 2400 Menschen, aber es fühlt sich an, als wäre vor uns noch nie ein Mensch hier gewesen, so unberührt liegt die schroffe Berglandschaft da.

Logenplätze: Auf der Brücke haben Kapitän und Offiziere einen Rundumblick über das Geschehen und besonders auf dem Peildeck darüber keine schlechte Aussicht.
Logenplätze: Auf der Brücke haben Kapitän und Offiziere einen Rundumblick über das Geschehen und besonders auf dem Peildeck darüber keine schlechte Aussicht. © Eberhard Stegmaier

Zwischen den Bergen erstreckt sich eine Gletscherzunge bis ins Meer. Ungefähr 60 Prozent der Landoberfläche Spitzbergens sind mit Gletschern bedeckt.
Zwischen den Bergen erstreckt sich eine Gletscherzunge bis ins Meer. Ungefähr 60 Prozent der Landoberfläche Spitzbergens sind mit Gletschern bedeckt. © Viola Kiel

Doch viel Zeit zum Staunen bleibt nicht, denn es gibt Einiges zu tun. Noch in der Nacht wird begonnen, das Gebiet mithilfe eines Seitensicht-Sonars zu kartieren. Dabei wird ein akustisches Bild des Bodens erstellt, auf das die Wissenschaftler bei der Planung der weiteren Stationsarbeiten zurückgreifen können.

Am Morgen des ersten Arbeitstags in der Mosselbukta wird der sogenannte Lander in knapp 50 Metern Tiefe auf dem Meeresboden ausgesetzt. In der Mitte der Stahlpyramide ist ein nach unten gerichteter Zylinder befestigt, eine Kamera, die alle zehn Minuten den Meeresgrund ablichtet. Täglich entstehen so 144 Fotos, mit deren Hilfe die Besiedlungsveränderung auf einem Quadratmeter Boden dokumentiert und untersucht werden soll. Zudem sind Messgeräte zur Erfassung von pH-Wert, Temperatur, Salzgehalt und Lichteinstrahlung angebracht. Insgesamt sechs Tage, bis wir ins zweite Arbeitsgebiet aufbrechen, bleibt der Lander an Ort und Stelle im Meer.

Vier Zentner wiegt der Lander, der auf dem Meeresgrund in der Mosselbukta platziert wird. Sechs Tage lang sammelt er Daten und fotografiert in regelmäßigen Abständen den Boden.
Vier Zentner wiegt der Lander, der auf dem Meeresgrund in der Mosselbukta platziert wird. Sechs Tage lang sammelt er Daten und fotografiert in regelmäßigen Abständen den Boden. © Sebastian Teichert

Und auch das Forschungstauchboot JAGO kommt endlich zum Einsatz. Der Pilot und ein weiterer Passagier haben im Inneren des Bootes Platz und können für mehrere Stunden abtauchen. Für jeden Tag sind zwei Tauchgänge geplant, einmal vormittags, einmal nachmittags, dazwischen wird die Batterie geladen.

Bootsmann Enno Vredenborg (vorne rechts) steuert den großen Kran, der JAGO ins Wasser setzt.
Bootsmann Enno Vredenborg (vorne rechts) steuert den großen Kran, der JAGO ins Wasser setzt. © Solvin Zankl

Als „Hakenmann“ muss Peter Striewski bei jedem JAGO-Einsatz die Seilvorrichtungen aus- und einhaken, mit denen das Tauchboot ins wenige Grad „warme“ Wasser gehoben wird.
Als „Hakenmann“ muss Peter Striewski bei jedem JAGO-Einsatz die Seilvorrichtungen aus- und einhaken, mit denen das Tauchboot ins wenige Grad „warme“ Wasser gehoben wird. © Viola Kiel

Das Tauchboot JAGO ist mit einem kleinen Greifarm ausgestattet, der sich bestens dafür eignet, Kalkalgen vom Meeresgrund zu pflücken. Und davon ist der Boden hier in der Muschelbucht nur so übersät. Für Rhodolithen-Forscher und -Fans der siebte Himmel!

Dieser kugelrunde Rhodolith, den das JAGO-Boot aus der Tiefe herauftaucht, besteht aus einer kalzifizierenden Rotalge. Ein Schlangenstern streckt hier eines seiner Ärmchen aus dem hohlen Inneren heraus.
Dieser kugelrunde Rhodolith, den das JAGO-Boot aus der Tiefe herauftaucht, besteht aus einer kalzifizierenden Rotalge. Ein Schlangenstern streckt hier eines seiner Ärmchen aus dem hohlen Inneren heraus. © JAGO-Team GEOMAR



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