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#Kenia2015-Blog

Reisetagebuch I von Thorsten Wenzel // Travel diary I by Thorsten Wenzel

13.08.2015, 09:09

 

English version below

3.8.2015, 5 p.m. – „Safari njema Ulli!“

„Ulli“ – Ulrike Menz, die den Blog während der letzten drei Wochen schrieb, ist heute Nachmittag zurück nach Deutschland geflogen. „Gute Reise Ulli!“. Seit unserem letzten Eintrag sind schon ein paar Tage vergangen, aber wir hatten auch mächtig zu tun. Wie so oft macht man die besten Funde kurz vor knapp – und diese müssen natürlich geborgen werden. Mehr dazu später.

Thorsten Wenzel
Kurz vor Abflug

Zunächst will ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Thorsten Wenzel. Ich arbeite als Wissenschaftsredakteur bei Senckenberg und bin nach Kenia gereist, um eine Reportage über die Ausgrabungen in Karungu und die sich anschließenden Auswertungen am National Museum of Kenya (NMK) in Nairobi zu schreiben. Außerdem wollen wir einen kurzen Film drehen. Da Ulli jetzt weg ist, übernehme ich das Bloggen.

Was hatte ich mir vor der Abreise nicht alles vorgenommen: ein wenig Kisuaheli lernen, mich mit Flora und Fauna vertraut machen, Wissenswertes über das Land, die Menschen und ihre Bräuche in Erfahrung bringen, die jüngsten Publikationen zum Thema studieren, um auch etwas mitreden zu können. So hatte mir Thomas „Tom“ Lehmann – er leitet die Ausgrabungen in Karungu – auf meine Bitte hin etwa ein Dutzend wissenschaftliche Artikel zukommen lassen … Nun, nur wenig davon ist passiert. Mit dem Tagesgeschäft in der Redaktion, den Reisevorbereitungen (vor allem den vielen Impfungen und Behördengängen) ist man schon ausgelastet, dann auf den letzten Drücker packen, noch ein paar Kleinigkeiten besorgen … Der Flieger hebt ab, und ich atme seit Tagen das erste mal wieder durch. Bei (fast) jedem das gleiche Spiel, wie ich später höre! Nicht so sehr bei Tom, der seit 2003 regelmäßig für zwei Monate jährlich in Kenia gräbt und auch in puncto Reisevorbereitungen eine gewisse Routine hat.

Inzwischen bin ich 11 Tage in Kenia. Die beiden ersten verbrachte ich in Nairobi, dann sechs Tage im Grabungscamp und jetzt nochmal drei Tage am NMK zur Sichtung und ersten Auswertung der immerhin über 1500 Einzelfunde. An ein paar Einträgen meines Reisetagebuchs will ich Euch teilhaben lassen und vor allem an den Bildern. Denn die Kamera war mein ständiger Begleiter – was sicher den Zauber des Erlebens oder das Genießen des Augenblicks etwas geschmälert hat! Andererseits: Den Fotoapparat aus der Hand zu legen, fiel mir schwerer, war ich immer auf der Jagd nach einer schönen Momentaufnahme – um diese wunderbaren Erlebnisse festzuhalten und mit Euch zu teilen. (Einige von Euch werden dieses Zitat aus „Into the Wild“ von Jon Krakauer kennen: „Happiness is only real when shared.“)


 

 24.7.2015, 10:25 a.m. – Landung in Nairobi

Eine Kollegin, die lange Zeit in Westafrika tätig war, meinte vor meiner Abreise: „Afrika riecht anders. Achte mal darauf, wenn Du das Flugzeug verlässt!“ So sehr ich mich auch anstrenge, ich kann auf dem Stairway nichts Außergewöhnliches riechen: typischer Rollfeldgeruch – leider!


 

24.7.2015, 1 p.m. – Leakey und andere Forscher

Gegen 12:30 p.m. erreiche ich das Appartment in der Harry Thuku Road. Professor Kieran McNulty von der University of Minessota, einer von drei Direktoren des REACHE-Projekts, erwartet mich bereits am Eingangstor des Appartmenthauses. Wir bringen kurz das Gepäck nach oben und machen uns auf den Weg zum Museum. Zehn Minuten zu Fuß und wir stehen am Eingangstor in der Hill Road. Eine Armada von Bussen, vermeintliches Chaos auf dem Schotterparkplatz gleich neben dem Pförtnerhaus. Viele Schulklassen besuchen täglich das National Museum of Kenya in Nairobi.

National Museum of Kenya. Foto: Thorsten Wenzel
Am Eingang des National Museum of Kenya, Nairobi. An manchen Tagen reißt die Warteschlange von Schülerinnen und Schülern nicht ab.
Foto: Thorsten Wenzel

Kieran führt mich kurz über das Gelände, zeigt mir die wichtigsten Gebäude. Der Weg zum Forschungs- und Sammlungstrakt führt uns vorbei an der Statue von Louis Leakey. Der weltberühmte Paläoanthropologe und gebürtige Kenianer machte sich schon in den 1920er Jahren – gegen die Meinung der Fachwelt – in Afrika auf die Suche nach unseren Urahnen zu suchen. Mit dem 1,8 Mio. Jahre alten Hominiden Zinjanthropus aus der Olduvai-Schlucht in Tansania im Jahr 1959 dachte er zunächst, einen frühen Vertreter der Gattung Homo gefunden zu haben – ein Irrtum. Doch fünf Jahre später stießen seine Frau Mary und er schließlich auf die Reste dreier menschlicher Kreaturen, die sie als neue Art Homo habilis beschrieben. Der Beweis war erbracht: Die Wiege der Menschheit stand in Afrika!

Statue von Louis Leakey. Foto: Thorsten Wenzel
Grandseigneur der Paläoanthropologie Louis Leakey
Foto: Thorsten Wenzel

 

Im Labor lerne ich zwei von Kierans Doktoranden kennen, die Paläoanthropologen Kirsten Jenkins und Rudger Jensma. Kirsten widmet sich der Taphonomie von Fossilien, sie untersucht also, was mit einem Lebewesen von seiner Einbettung und Fossilwerdung über die Jahrmillionen bis heute passiert ist. Rudgers hat sich auf die Zähne von Altweltaffen spezialisiert. Zum Team gehört auch Irisa Arney, deren Interesse dem Skelett schädelabwärts gilt.


 

24.7.2015, 4 p.m. – In der Schatzkammer

Tom Mukhuyu. Foto: Thorsten Wenzel
Mit Sammlungsassistent Tom Mukhuyu im Tresorraum
Foto: Thorsten Wenzel

Zwei Türen weiter stellt mir Kieran Sammlungsassistent Tom Mukhuyu vor. Er sitzt in einem kleinen Durchgangszimmer mit schönen alten Möbeln. Neben seinem Schreibtisch: eine gut 20 Zentimeter dicke Tresortür. Dahinter liegt die Schatzkammer des Museums mit den wertvollsten Stücken. Tom öffnet einen der Sammlungsschränke und holt eine Kiste heraus. Als ich das Etikett lese, verschlägt es mir die Sprache: West Turkana Hominids KNM-WT 17000. Das Kürzel kenne ich: „Black Skull“ bzw. Australopithecus aethiopicus, schoss es mir durch den Kopf. Ich habe immer wieder mit paläoanthropologischen Themen zu tun. Doch es ist eine Sache, Artikel zu lesen, zu redigieren oder zu schreiben, Fotos von Funden anzuschauen. Etwas ganz Anderes ist es, Originalfossilien live vor sich zu haben. (Warum pilgern an Ostern so viele Christen zur Grabeskirche nach Jerusalem?)

Label. Foto: Thorsten Wenzel
Originaletikett von "Black Skull"
Foto: Thorsten Wenzel

Ich durfte den Schädel anfassen, hochnehmen. Der massive Scheitelkamm und die blauschwarze Farbe verleihen ihm etwas besonders Urtümliches, ja Übernatürliches, gleichzeitig etwa Erhabenes. Ich habe ein seltsames Gefühl, bekomme Gänsehaut (tatsächlich!). Tom Mukhuyu zeigt mir noch drei weitere Hominidenfunde: Paranthropus boisei (KNM-ER 406), Proconsul africanus (KNM-RU 7290) und Homo rudolfensis (KNM-ER 1470). Wir verlassen den Raum. Was ist da drinnen passiert? Ich denke, es war Ehrfurcht, eine spirituelle Erfahrung und definitiv ein Höhepunkt meiner Keniareise.


 

25.7.2015, 12:30 p.m. – Außen hui, innen pfui!

Heute steht die Übergabe des Mietwagens an, eines 110er Defenders, den wir von Deutschland aus gebucht haben. Geländegängige Fahrzeuge sind ein Muss in Karungu, denn die Straßen sind nicht asphaltiert. Land Rover Deutschland hat sich freundlicherweise bereiterklärt, die Kosten für die Anmietung des Fahrzeugs zu übernehmen. Ich selbst hatte mich darum gekümmert und explizit einen zuverlässigen Wagen möglichst neueren Baujahrs angefragt. Um sicherzugehen, bat ich vor Buchung um ein Foto und die Autovermietung schickte mir schließlich eines – sah gut aus, ich war beruhigt!

Ich stehe wie verabredet um 12:30 Uhr am Eingang des Museums in der Kipande Road. 20 Minuten später rollt der Landy an – silberfarben, frisch gewaschen blitzt er in der Sonne. Ja, das ist der Wagen vom Foto. Breites Grinsen des Vermieters: „Here it is, your Land Rover!“ Als ich die Tür öffne, schrecke ich zurück. Ein Zeitsprung? Innen ist der Landy uralt, verschlissen, alles wirkt improvisiert und zusammengestückelt. Die Mittelkonsole (sie liegt nur lose auf) und Rücksitzbank stammen von irgendeinem anderen Fabrikat. Mein Gegenüber scheint Gedanken lesen zu können. „It is an old car but the motor is in good shape and I have put on new tires.“ Gute Reifen sind wichtig, klar. Vier (!) verschiedene Schlüssel drückt er mir in die Hand. Der Wagen entspricht nicht den Vereinbarungen, doch soll ich mich einen halben Tag vor Abreise auf die Suche nach einer Alternative machen? Ich frage wenigstens nach einem Preisnachlass, aber nichts zu machen: „In Kenya you pay for the class of a vehicle, not for its age“, lautet die Antwort (was sicher nicht ganz stimmt). Ich nehm’s sportlich, hab‘ ich später wenigstens was zu erzählen.

Um es vorwegzunehmen: Abgesehen von einem abgefallenen Scheibenwischer, einer Türentriegelung, die schon am dritten Tag ihren Geist aufgab, einem defekten Türschloss und einer nicht zu arretierenden Rückbank, die beim scharfen Bremsen nach vorne kippte, war uns der Landy ein treues Arbeitspferd! Unserem langjährigen Sponsor Land Rover sei an dieser Stelle herzlich für die großzügige Unterstützung gedankt!


 

25.7.2015, 7 p.m. – Letzter Abend im Appartment

Kieran, Kirsten, Irisa und Rudger haben mich für zwei Nächte aufgenommen. Ich wohne in einem schönen Appartment unweit des Museums. Am Samstagabend gehen wir gemeinsam einkaufen, kochen Gemüseeintopf À la Irisa. Zum Essen gibt es eine Flasche eisgekühlten und sehr leckeren Sauvignon blanc, dann noch eine zweite. Wir sitzen noch lange zusammen und reden bis spät in die Nacht über unsere Arbeit und zukünftige Projekte … Was kann jetzt noch kommen?


 

26.7.2015, 8 a.m. – Auf nach Karungu!

Sonntagmorgen machen James Onyango, Mitarbeiter am National Museum of Kenya, und ich uns Punkt acht Uhr auf den Weg nach Karungu am Ostufer des Lake Victoria. Eine spannende Fahrt übers Land liegt vor uns. 8:20 Uhr passieren wir den Markt im Stadtteil Kangomi. Menschen über Menschen. James scheint es furchtbar eilig zu haben und fährt für meine Begriffe etwas schnell und vor allem zu dicht an den Menschen vorbei, aber daran sollte ich mich noch gewöhnen. Wir fahren an diesem Tag noch an vielen Märkten und Verkaufsständen vorbei. An den Straßenschwellen, die es in Kenia zuhauf gibt und über die man meist nur in Schrittgeschwindigkeit fahren kann, stehen Menschen und bieten ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Waren an. Das farbenfrohe Treiben überall im Land ist beeindruckend – etwas Vergleichbares habe ich noch nie live gesehen, und so bin ich froh, dass James die erste Etappe fährt. Interessant: die kleinen Küchen am Straßenrand, wo vor allem Gemüse, meistens Maiskolben gegart, seltener auch Fleisch oder Fisch auf Holzkohle gegrillt oder geröstet werden. Leute treffen wir wirklich überall an – selbst in den entlegensten Landstrichen tauchen immer wieder Menschen wie aus dem Nichts auf.


 

26.7.2015, 10:20 a.m. – Green Hills of Africa

Um 10:30 Uhr erreichen wir Narok, gegen 13 Uhr Kisii, wo wir einen kurzen Stop für einen Snack einlegen. Kurz vor der Stadt Kisii ist die Vegetation besonders üppig und schaut man über die Teeplantage neben der Straße hinweg auf die sanften Hügel in der Ferne, erinnert es fast an eine deutsche Mittelgebirgslandschaft. Frisches Grün, wohin man schaut. So grün habe ich mir Kenia nicht vorgestellt. James meint, dass die „Long Rains“, so der offizielle Name der ersten Regenperiode im Jahr von März bis Mai, dieses Jahr ungewöhnlich lange angedauert haben.

Das Camp. Foto: Thorsten Wenzel
Nach acht Stunden Fahrt: angekommen am Campsite
Foto: Thorsten Wenzel

Viele viele Schlaglöcher (nach denen muss man permanent Ausschau halten, manche sind fast 20 cm tief und einen Quadratmeter groß), Schwellen und Überholmanöver später geht es auf die letzte Etappe: Die noch ausstehenden 20 Kilometer sind nicht (mehr) asphaltiert. Wir fahren über eine unwegsame Staubpiste. Unser Landy ist jetzt in seinem Element, James lässt ihn laufen, sodass es uns kräftig durchrüttelt. Schließlich ist es geschafft – Karungu. Ankunft im Camp um 4 p.m. Wow! Ich hatte schon Bilder vom Camp gesehen, aber noch keines, das seine erhöhte Lage direkt am Ufer und damit das tolle Panorama auf den See zeigt. Was für ein schöner Ort, und wie ruhig es hier ist: einatmen! Endlich angekommen in Afrika!


 

27.7.2015, 10:30 p.m. – Mein erster Grabungstag

Heute fahre ich das erste Mal mit ins Gelände an die Fundstelle Ngira. Hier wurden während eines Surveys 2013 an vier Punkten fossile Kleinsäugerreste entdeckt. Generell wissen wir noch sehr wenig über die Kleinsäugerfauna in Karungu. Deshalb wird 2015 hier gegraben. Schon 70 cm hat sich eine fünf Männer und zwei Frauen starke Mannschaft in den letzten beiden Wochen an verschiedenen Stellen nach unten gearbeitet.

Das Tarp. Foto: Thorsten Wenzel
Geländearbeit am Fundort Ngira
Foto: Thorsten Wenzel

Wir bauen zunächst das Tarp auf. Unser Sponsor Globetrotter hat hier ziemlich tief in die Tasche gegriffen: extrem leicht, strapazierfähig, langlebig – HILLEBERG eben. Und in rot, wie wir es uns gewünscht hatten! Zum Tarp meinte ein Teammitglied gestern noch kritisch: "Der Aufbau dauert viel zu lange, das Ding brauchen wir eigentlich nicht." Heute in der Mittagshitze dann: "Warum hast das nicht viel früher vorbeigebracht, ich mag gar nicht mehr ohne rausgehen!“

Foto: Thorsten Wenzel
Ralf hat ein winziges Zähnchen ausgemacht und entnimmt es mit einer Pinzette
Foto: Thorsten Wenzel

 

Foto: Thorsten Wenzel 
Typischer Fund in Ngira: Kleinsäugerzähne
Foto: Thorsten Wenzel

Vorsichtig tragen Ulli, Ralf und Jeremy das Sediment ab, Melanie und Felix zerkleinern die größeren Brocken und trennen mithilfe dreier übereinanderliegender Siebe mit unterschiedlichen Maschengrößen die Fossilien vom Sediment. Jedes wird akribisch abgesucht, damit uns kein Knöchelchen, kein Zähnchen entgeht. Für kleinste Fossilien oder Bruchstücke wird das Siebgut schließlich geschlämmt. Das geschieht im Camp, denn an der Fundstelle gibt es kein fließendes Wasser.

Foto: Thorsten Wenzel

Unsere Siebestation im Gelände. Handarbeit: Immer wieder werden einzelne Brocken aus den Sieben herausgenommen, genau betrachtet und weiter zerkleinert.
Fotos: Thorsten Wenzel

Foto: Thorsten Wenzel



Viel gegraben hab‘ ich an meinem ersten Tag im Gelände nicht. Die Bilanz am Abend: jede Menge Kleinsäugerzähne und -knochen, zum Beispiel von Rüsselspringern, Hirschferkeln oder Rohrratten – und 123 Fotos! Ach ja, und vier Liter Wasser.

 


28.7.2015, 6:45 a.m. – Hippo

„Ein Flußpferd! Hol‘ schnell die Kamera!“ Die ganze Mannschaft steht am Ufer und schaut auf einen kleinen dunklen Schatten im Wasser, gut 150 Metern entfernt, dort wo morgens die kleinen Fischerboote ablegen. Ein Königreich für ein Teleobjektiv! Naja, ich fange an zu knipsen, mache im Lauf der nächsten 30 Minuten mehr als 100 Bilder. Jedes Bild zeigt das Flusspferd etwas genauer, denn das Tier kommt immer näher heran. Am Ende steht der Koloss seelenruhig 40 Meter von uns im Flachwasser und weidet Gräser ab, und wir hören ihn ab und an sogar schmatzen.

Hippo. Foto: Thorsten Wenzel
Direkt am Campsite: gefräßiger Koloss im Flachwasser
Foto: Thorsten Wenzel

Ich hole ihn so weit wie möglich heran und drücke immer und immer wieder den Auslöser – ein Schnappschuss mit aufgerissenem Maul wäre toll. Hat schließlich geklappt. Mein erstes Hippo in freier Wildbahn!


 

28.7.2015, 11 a.m. – Riesenschildkröte: die Freilegung

Kachuku. Heute wartet ein paläontolgischer Leckerbissen auf mich. „Vor einigen Tagen fand unser Team beim Abgehen des Geländes im Oberhang einer Erosionsrinne in Kachuku eine große Landschildkröte“, so Tom. Nach zweieinhalb Tagen Grabungsarbeit ist das Fossil weitestgehend freigelegt, und ich soll den Status quo mit Fotos dokumentieren. „Groß“, meinte Tom.

Schildkröte. Foto: Thorsten Wenzel
Zwei Tage Grabungsarbeit liegen bereits hinter ihnen. Winnie, Ormondi, Cliff und Jeremy beim Freilegen der Riesenschildkröte
Foto: Thorsten Wenzel

Auf mich wirkt die Schildkröte riesig, das Fossil misst über einen Meter und ist anscheindend nicht mal komplett – ein gutes Viertel würde fehlen. Was hier auf dem Foto zu sehen ist, ist nicht etwa der Außenpanzer, der Carapax, sondern das Plastron, die darunterliegende flache Bauchschale.

Zu den Sponsoren und Förderern der Forschungsreise gehören neben Globetrotter, Land Rover und der Schack-Stiftung auch die Freunde und Förderer der Goethe-Universität Frankfurt.



 

8/3/2015, 5:00 pm – “Safari njema Ulli!”

“Ulli“ – Ulrike Menz, who wrote this blog for the past three weeks, flew back to Germany this afternoon. “Safe travels, Ulli!” Several days have past since our previous post, but we have been very busy. As so often, the best discoveries are made shortly before the end – and these must of course be salvaged. We’ll come back to this later.

Thorsten Wenzel
Shortly before departure

First, let me introduce myself: My name is Thorsten Wenzel. I work as a scientific editor at Senckenberg and I traveled to Kenya in order to write a report about the dig in Karungu and the subsequent analysis of the findings at the National Museum of Kenya (NMK) in Nairobi. In addition, we intend to make a short movie. Since Ulli has left, I will now take over the blog.

I had such ambitious plans prior to my departure: learn a little Kisuaheli; familiarize myself with the flora and fauna; find out a few important facts about the country, its people and their customs; study the latest publications about this topic in order to have an informed opinion. To this end, Thomas “Tom” Lehmann – who leads the excavation in Karungu – had provided me with about a dozen scientific articles upon my request. Oh well, most of this did not come to pass! What with the day-to-day activities in the editorial department and the preparations for the trip (in particular, the many immunizations and visits with the authorities), I had my hands full, and then there was the last-minute packing and the purchasing of a few missing items ... and finally, the plane lifts off, and for the first time in days I am able to take a deep breath. It was the same for (almost) everyone else, as I find out later! Not so much for Tom, who has been regularly excavating in Kenya for a couple of months each year since 2003, giving him a certain routine when it comes to travel preparations.

By now, I’ve been in Kenya for 11 days. The first two were spent in Nairobi, followed by six days at the excavation camp and another three days at the National Museum of Kenya for the initial checking and evaluation of more than 1,500 individual artifacts. I would like to share with you a few of the entries in my travel diary, and especially some of my photos. For the camera was my steady companion – which undoubtedly may have diminished the magic of the experience or the enjoyment of the moment! On the other hand, it was even harder to put down the camera, since I was always on the hunt for a beautiful snapshot – in order to capture these wonderful experiences and to be able to share them with you. (Some of you may be familiar with the quote from “Into the Wild” by Jon Krakauer, “Happiness is only real when shared.”)


 

7/24/2015, 10:25 am – Touchdown in Nairobi

A colleague who spent a long time working in West Africa told me before my departure, “Africa smells differently. Pay attention to this as you step off the plane!” Try as I may, I can’t smell anything unusual on the gangway: just the typical runway smell – alas!


 

7/24/2015, 1:00 pm – Leakey and other scientists

Around 12:30 pm I arrive at the apartment in Harry Thuku Road. Professor Kieran McNulty of the University of Minnesota, one of three directors of the REACHE project, is already expecting me at the building’s entrance. We quickly take my luggage upstairs and start out toward the museum. After ten minutes on foot, we are in front of the entryway on Hill Road. There is an armada of buses parked right next to the gatehouse – many school classes visit the National Museum of Kenya in Nairobi every day.

National Museum of Kenya, Photo: Thorsten Wenzel
The entrance of the National Museum of Kenya, Nairobi, with its endless line of waiting school children.
Photo: Thosten Wenzel

Kieran gives me a brief tour of the area and shows me the most important buildings. On the way to the research and collection wing, we pass a statue of Louis Leakey. As early as the 1920s, the world-famous paleontologist and native Kenyan started to search for our ancestors in Africa, in opposition to the commonly held expert opinion at the time. With the discovery of the 1.8 million year old hominid Zinjanthropus from the Olduvai Gorge in Tanzania in 1959, he initially believed to have found an early representative of the genus Homo – which proved a mistake. However, five years later, he and his wife Mary finally discovered the remains of three hominid creatures, which they described as a new species, Homo habilis. This was proof that the cradle of mankind stood indeed in Africa!

Louis Leakey. Photo: Thorsten Wenzel
The Grand Old Man of paleoanthropology – Louis Leakey
Photo: Thorsten Wenzel

In the lab I am introduced to two of Kieran’s doctoral students, the paleoanthropologists Kirsten Jenkins and Rudger Jensma. Kirsten studies the taphonomy, i.e., she investigates what happened to a creature over the millions of years since it was buried and fossilized. Rudger specializes in the teeth of Old World monkeys. The team also includes Irisa Arney, whose interest is focused on the skeleton below the skull.


 

7/24/2015, 4:00 pm – In the treasure chamber

Photo: Thorsten Wenzel
In the vault with collection assistant Tom Mukhuyu
Photo: Thorsten Wenzel

Two doors down, Kieran introduces me to collection assistant Tom Mukhuyu. His office is in a small connecting room with beautiful old furniture. Next to his desk is the door to a safe – at least 20 cm thick. Behind it lies the museum’s treasure chamber, containing the most valuable pieces. Tom opens one of the collection cabinets and pulls out a box. When I read the label, I am left speechless: West Turkana Hominids KNM-WT 17000. I am familiar with this brief label: “Black Skull” or Australopithecus aethiopicus, goes through my head.  Time and again, my work touches on paleoanthropological topics. But it is one thing to read, edit or write articles and to study photos of artifacts; to be in the presence of original fossils is an entirely different story! (Why do so many Christians make an Easter pilgrimage to the Church of the Holy Sepulcher in Jerusalem?)

West Turkana Hominids KNM-WT 17000. Photo: Thorsten Wenzel
The original label of the "Black Skull"
Photo: Thorsten Wenzel

I was allowed to touch the skull and take it in my hands. The massive sagittal crest and the blue-black color give it a particularly primitive, almost supernatural appearance, and at the same time they lend it an air of nobility. I am overcome by a strange sensation and I break out in gooseflesh (really!). Tom Mukhuyu goes on to show me three additional hominid fossils: Paranthropu boisei (KNM-ER 406), Proconsul africanus (KNM-RU 7290) and Homo rudolfensis (KNM-ER 1470). We finally leave the room. What just happened in there? I think it was a moment of awe, a spiritual experience and definitely on of the highlights of my trip to Kenya.


 

7/25/2015, 12:30 pm – A fair face may hide a foul heart

Today, we will pick up our rental car, a 110 Defender that we booked from Germany. All-terrain vehicles are a must in Karungu, since the roads are not paved. Our sponsor Land Rover kindly offered to take over the cost for the car rental. I myself took care of this and explicitly requested a reliable car, ideally of a very recent vintage. Just to make sure, I asked for a photo of the vehicle prior to making the reservation, and the rental company finally sent me one – it looked good, and my mind was at ease!

As arranged, at 12:30 pm I stand outside the museum’s entrance in Kipande Road. Twenty minutes later, the “Landy” rolls up – silver in color and freshly washed, it glistens in the sun. Yes, this is the car in the photo. The rental agent gives me a broad grin. “Here is your Land Rover!” When I open the door, I recoil in horror. Is this a time warp? The interior of the Landy is ancient, worn out, everything looks improvised and haphazardly thrown together. The center console (which sits loosely in the middle) and the rear seat originated from an entirely different make and model. The agent appears to read my mind. “It is an old car, but the motor is in good shape and I have put on new tires.” Good tires are important, that’s for sure! He hands me four (!) different keys. The car does not live up to our agreement, but am I supposed to look for an alternative half a day before our departure? I try to ask for a price break, at least, but to no avail. “In Kenya you pay for the class of a vehicle, not for its age,” is the reply (which probably isn’t entirely true). I take it in stride – it’ll make a good story in the future.

To jump ahead: Apart from a windshield wiper that fell off during a heavy rain, a door release that gave up the ghost after three short days, a defective door lock and a loose rear seat that tilts forward each time the driver hits the breaks a little hard, the Landy proved to be a faithful work horse for us! We would like to take this opportunity to thank our long-term sponsor Land Rover for his generous support.

 

7/25/2015, 7 pm – Last evening before the trip

Kieran, Kirsten, Irisa and Rudger have put me up for two nights. I live in a nice apartment not far from the museum. We go shopping together and cook a vegetable stew à la Irisa. With dinner, we share a bottle of ice-cold and very tasty Sauvignon Blanc, followed by a second one. We sit until late into the night and talk about our work and future projects – what will happen next?


 

7/26/2015, 8 am – On to Karungu

At 8 o’clock sharp on Sunday morning, James Onyango, an employee at the National Museum of Kenya, and I set out for Karungu on the eastern shore of Lake Victoria. We are up for an exciting drive across the country. At 8:20 we pass the market in Kangomi district. There are people everywhere. James seems to be in a mad hurry and passes the people much too fast and much too closely for my taste, but I will get used to this. On this day, we pass many other markets and sales booths.  At the ubiquitous speed bumps that mark the Kenyan roads, people offer their agricultural products and other wares for sale. The colorful life in the country is impressive – I have never before seen anything like this in real life, and I am glad that James is the driver for the first leg of our journey. Of interest are the small kitchens along the side of the road, where the locals mainly cook vegetables, especially corn on the cob, and occasionally roast or grill meat or fish on a charcoal fire. We encounter people literally everywhere we go – even in the most remote areas people suddenly appear, seemingly out of nowhere.


 

7/26/2015, 10:20 am – The Green Hills of Africa

At 10:30 am we arrive in Narok, and around 1 pm we get to Kisii, where we make a brief stop for a snack. Just outside the town of Kisii, the vegetation is particularly lush, and when you look across the tea plantation along the road toward the gentle hills in the distance, it is almost reminiscent of one the low mountain ranges in central Germany. Fresh greenery wherever you look. I did not envision Kenya to be so green. According to James, the “Long Rains,” which is the official name of the year’s first rainy period from March until May, lasted particularly long this year.

The Camp. Photo: Thorsten Wenzel
After an eight-hour drive: arrival at the campsite.
Photo: Thorsten Wenzel

Too many potholes to count (you have to keep a steady eye out for them, as some are almost 20 cm deep and measure a full square meter), speed bumps and daring passing maneuvers later, we enter the final leg of our drive. The last 20 kilometers are (no longer) paved, and we drive along an almost impassable dust track. Our Landy is now in its element, and James gives it free rein, so that we are shaken to the bones. Finally we reach our destination – Karungu. We arrive at camp at 4:00 pm – wow! I had already seen pictures of the campsite, but none those showed its elevated location directly on the shore and the awesome panoramic view of the lake. What a beautiful place, and how quiet it is here! I take a deep breath - I have finally arrived in Africa!


 

7/27/2015, 10:30 pm – My first day at the dig

Today is my first trip into the field to the excavation site Ngira. During a survey in 2013, the fossil remains of small mammals were discovered here in four locations. In general, our knowledge about the small mammal fauna in Karungu is still very limited. Therefore we dig here in 2015. So far, in the past two weeks a crew of five men and two women has already dug down to a depth of 70 cm in several places.

the tarp. Photo: Thorsten Wenzel
Field work at the excavation site Ngira.
Photo: Thorsten Wenzel

First we set up the tarp. Our sponsor Globetrotter dipped deep into their pockets for this: it is extremely lightweight, stress-resistant and durable – a genuine HILLEBERG. And red, just like we wanted! Only yesterday, one of the team members criticized the tarp with the remark, “It takes much too long to set this thing up; we really don’t need this.” But during today’s midday heat, he changed his tune, “Why didn’t you drop this off much earlier? I really don’t want to go outside at all any more without it!”

Photo: Thorsten Wenzel
Ralf discovered a tiny tooth and extracts it with a pair of tweezers.
Photo: Thorsten Wenzel

Ulli, Ralf and Jeremy carefully remove layers of sediment; Melanie and Felix crush the larger chunks and, with the aid of three screens with different mesh sizes that are arranged on top of each other, they separate the fossils from the sediment. Each screen is examined meticulously to make sure we don’t overlook a single small bone or tooth. For the tiniest fossils or fragments, the screening material is finally elutriated. This is done in the camp, since there is no running water at the excavation site.

Photo: Thorsten Wenzel
Our screening station in the field.
Photo: Thorsten Wenzel

Photo: Thorsten Wenzel


I did not do a lot of digging on my first day in the field. The evening’s result: a large number of small mammal teeth and bones, among others from elephant shrews, chevrotains and cane rats – and 123 photos! Oh yes, and four liters of water.

Photo: Thorsten Wenzel
Typical fossil finds in Ngira: small mammal teeth.
Photo: Thorsten Wenzel


 

7/28/2015, 6:45 am – Hippo

“A hippopotamus! Quick, get the camera!“ The entire crew is gathered on the shore and stares at a dark shadow in the water, a good 150 meters away, right where the small fishing boats depart in the morning. A kingdom for a telephoto lens! Oh well, I begin to snap pictures and take more than 100 photos in the next 30 minutes. Each photo reveals the hippo in a little more detail, since the animal continues to come closer. Finally, the colossus calmly stands in the shallow water a mere 40 meters from us and munches on grass, and occasionally we can even hear it smacking.

Photo: Thorsten Wenzel
Directly at our campsite: a voracious colossus in the shallow water.
Photo: Thorsten Wenzel


I zoom in as far as possible and keep pressing the shutter button – a snapshot with its mouth wide open would be awesome. And finally, I am successful. My first hippo in the wild!


 

7/28/2015, 11:00 am – Giant tortoise: the extraction

Kachuku. Today, a paleontological treat is waiting for me. “A few days ago, while surveying the area along the upper slope of a gully the team discovered a large terrestrial tortoise,” according to Tom. After two-and-a-half days of digging, the fossil has been mostly exposed, and I am supposed to document the status quo with photos. “Large,” says Tom.

Tortoise. Photo: Thorsten Wenzel
Two days of digging are already behind them: Winnie, Ormondi, Cliff and Jeremy work on extracting the giant tortoise.
Photo: Thorsten Wenzel

To me, the tortoise looks gigantic; the fossil is more than a meter long and doesn’t even seem to be complete – an entire quarter is missing. The photo does not show the outer shell, the carapace, but the plastron – the flat abdominal shall below it.

The expedition is supported by Globetrotter, Land Rover, Schack-Stiftung and Freunde und Förderer der Goethe-Universität Frankfurt.



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