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Mongolei-Blog

02.09.2016 NATIONALPARK GORKHI-TERELJ

13.10.2016, 14:04

Es wird wieder holprig und wir werden durchgeschüttelt im Furgon und obwohl der Nationalpark nicht weit von Ulaanbaatar entfernt liegt, brauchen wir mit den Einkäufen und Besorgungen für unser Camp den ganzen Tag dorthin. Wir haben ja schon einige Holperwege kennengelernt, aber die Waldwege im Nationalpark übertreffen alles bisher Durcherlebte. Wir fahren oft nicht schneller als 10 km/h und die Klamotten fliegen uns um die Ohren. Das ist definitiv nichts für schwache Mägen.

Wir sind eine Gruppe von elf. Darunter Samiya, eine Botanikerin, zwei Hochschulmitarbeiterinnen, die sich mit der Gewässerökologie befassen und Proben nehmen, ein Doktorand, ein Masterstudent, die beiden Fahrer der zwei Kleinbusse und der Ranger des Nationalparks. Seit der Auswilderung von Bibern kommen jedes Jahr Biologen der Nationaluniversität hierher um mögliche Veränderungen der Biozönose zu untersuchen. Dabei steht dieses Mal vor allem Saprobie und Vegetation im Fokus.

Es ist schon fast dunkel als Rico und ich die Fallen aufstellen. Wir legen eine Trapline an, die an dem Fluss, an dem wir campieren, beginnt und sich in einer Linie von diesem entfernt. Eine Zweite wird von dem Masterstudenten namens Gana ausgelegt, der ebenfalls Kleinsäugerfallen dabei hat.

Unser Gemeinschaftszelt ist sehr geräumig und besitzt sogar einen alten Ofen mit Schornstein. Hier sind die kühlen Abende gut auszuhalten; es wird gekocht und gegessen und einen Teil können wir für die Präparationsarbeit einnehmen.

(c) K. Lammers

Den brauchen wir auch, denn uns läuft einiges in die Fallen. Neben mindestens zwei Wühlmausarten (fünf Myodes rutilus und zwei Microtus spp.) scheinen hier auch neugierige Spitzmäuse (eine Crocidura shantungensis und zwei Sorex spp.) zu leben, denn diese wurden wohl kaum durch unseren vegetarischen Köder angelockt. Von Mus musculus war hier erwartungsgemäß allerdings keine Spur.

Am Nachmittag finden wir Zeit eine Biologin bei ihrer Probenahme des Makrozoobenthos im oberen Flusslauf zu begleiten. Wir stellen fest, dass ihre Methodik sehr ähnlich zu der ist, die wir auch bei uns im Studium kennengelernt haben, und gehen ihr ein wenig zur Hand. Das Wasser ist sehr klar und es finden sich u. a. jede Menge Stein- und Eintagsfliegen-Larven darin.

(c) K. Lammers

Am Abend nutzen wir die Gelegenheit einen kleinen Berg zu besteigen und werden eigentlich erst jetzt so richtig auf die Schönheit dieser Gegend aufmerksam. Der langsam beginnende Herbst verfärbt bereits die ersten Sträucher und die Abendsonne sorgt dabei noch für den letzten Schliff.

(c) K. Lammers

(c) K. Lammers

Am Abreisetag hilft uns Gana bei der Präparation, die wir zu dritt bis zum Mittag schaffen. Samiya, der die Zeit nutzt um mit dem Ranger einen kurzen Ausflug zu unternehmen, zeigt uns eine kleine Überraschung auf seiner Kamera: Er hat einen Wolf in der Ferne fotografieren können.

Nach dem Mittagessen brechen wir planmäßig in Richtung Hauptstadt auf. Es gibt noch ein paar Zwischenstopps, um die Saprobie auch im unteren Flusslauf zu erfassen und ein weiteres Mal um ein paar Beeren und Pilze zu sammeln. Nicht so erfreulich ist ein dritter Halt, den Rico einfordert um kopfüber im Gebüsch zu verschwinden. Schon seit dem Morgen wird er von Übelkeit verfolgt und die Schuckelei im Fahrzeug bringt das Fass schließlich zum überlaufen... Aber dabei bleibt es zum Glück und wir alle kommen abends gesund und heile wieder in Ulaanbaatar an.



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