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MSM55 - ARCA

Wir stechen in See

13.06.2016, 09:47

Arctic Carbonate Factories (Svalbard) - M.S. Merian 55

Die Vorbereitungen an Bord sind abgeschlossen und unserer dreiwöchigen ARCA-Expedition in den hohen Norden steht nichts mehr im Weg. Das Abenteuer beginnt mit der Überfahrt von Reykjavik zu den Rotalgenhabitaten rund um Spitzbergen.

Von Viola Kiel

Maria S. Merian im Hafen von Reykjavik
Noch schlummert die Maria S. Merian im Hafen von Reykjavik. Die Gipfel der Bergketten im Hintergrund verschwinden unter den Wolken des hellen Nachthimmels – es ist 23 Uhr. © Viola Kiel

Mit über 90 Metern Länge und knapp 40 Metern Höhe überragt die Maria S. Merian (MSM) alle Schiffe, die an diesem bedeckten Juni-Tag in Reykjaviks Hafen liegen. Sie gilt als derzeit modernstes Eisrandforschungsschiff und wird nun für drei Wochen unser Zuhause sein: Insgesamt 20 Wissenschaftler und Techniker aus unterschiedlichen Einrichtungen – dem SENCKENBERG-Institut in Wilhelmshaven, dem GEOMAR in Kiel, und von verschiedenen Universitäten – und 23 Crew-Mitglieder fahren zusammen nach Spitzbergen. Für die Zeitschrift GEO dürfen der Fotograf Solvin Zankl und ich sie begleiten. Vom ersten Arbeitsgebiet bei den Rhodolithenbänken der Mosselbukta, der „Muschelbucht“ im Norden von Spitzbergen, trennen uns nun nur noch vier Tage auf See.

Am Freitag werden Instandhaltungsarbeiten an Bord verrichtet und die letzten daumendicken Schrauben an Deck nachgezogen. Mittlerweile sind alle Forscher aus Deutschland, aus der Schweiz, aus den Niederlanden und aus Kanada eingetrudelt. Und was haben sie nicht alles im Gepäck: Sonar-Messgeräte für akustische Kartierungen des Meeresbodens, eine CTD zur Entnahme von Wasserproben, Aquarien, Pumpen, Greifer, Netze, ganze Containerladungen voll technischer Gerätschaften.

Ein großer Kran verlädt vom Steg aus einen der Container
Ein großer Kran verlädt vom Steg aus einen der Container des Senckenberg-Instituts. © Solvin Zankl

Forschungstauchboot JAGO
In der Mitte ist das Forschungstauchboot JAGO zu sehen, mit dem Proben vom Meeresgrund aus einigen hundert Metern Tiefe geholt werden können. © Solvin Zankl

Der Blickfang an Bord ist das gelbe Forschungstauchboot JAGO, das in den Arbeitsgebieten täglich zwei Mal zum Einsatz kommen soll. Das wissenschaftliche Equipment wird ausgepackt und direkt mit größter Sorgfalt wieder verstaut und vertäut, damit während der Überfahrt bei Seegang nichts beschädigt wird.

Und auch die Wissenschaftler sollen keinen Schaden nehmen. Der Erste Offizier Ralf Peters erklärt uns die wichtigsten Verhaltensregeln an Bord, von der Mülltrennung bis zum Feuerlöschen. Wenn wir im Notfall das Schiff verlassen müssen, zählt jede Minute. Dann ist froh, wer aufgepasst hat, wie man am schnellsten in einen Überlebensanzug schlüpft.

Ralf Peters (2.v.l.), Erster Offizier, erklärt den Wissenschaftlern, wie sie sich im Notfall zu verhalten haben.
Ralf Peters (2.v.l.), Erster Offizier, erklärt den Wissenschaftlern, wie sie sich im Notfall zu verhalten haben. Der orangefarbene Überlebensanzug wärmt seinen Insassen in arktischen Gewässern. © Viola Kiel

Heute, am Samstag, fehlt nur noch eines: ein voller Tank. Um Punkt zwölf Uhr mittags fährt die MSM zur Schiffstankstelle, die „Bunkerstation“ genannt wird. Der Tankschlauch, durch den jetzt über mehrere Stunden 392.000 Liter Diesel in die Tanks des Schiffes fließen, ist so dick wie eine Würgeschlange. Die gesamte Füllmenge beträgt noch einmal fast das Doppelte. Genug Sprit also, um Spitzbergen mühelos zu erreichen.

Es ist Abend und immer noch taghell auf Island. Auf einmal beginnt der Boden der MSM zu summen. Vor dem Bullauge meiner Kabine ziehen die Kaimauern Reykjaviks vorbei. Wir legen ab. Die Expedition kann beginnen.



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