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MSM55 - ARCA

Die Bäreninsel

27.06.2016, 10:10

Arctic Carbonate Factories (Svalbard) - M.S. Merian 55

Wir haben das zweite Forschungsgebiet erreicht: die Bäreninsel südlich von Spitzbergen. Wieder laufen die wissenschaftlichen Arbeiten auf Hochtouren. Allerdings werden diesmal nicht nur Sedimentproben und Seegurken aus dem Meer gefischt – auch das Mittagessen kommt fangfrisch auf den Tisch.

Von Viola Kiel

Mit sieben Grad plus sind die Temperaturen fast sommerlich. Die Maria S. Merian liegt vor der Bäreninsel, der südlichsten Insel des Svalbard-Archipels. Die Arbeit in diesem zweiten Gebiet läuft ähnlich ab wie in der Muschelbucht im Norden: Sediment und Wasser werden beprobt, der Lander wurde zur Datensammlung wieder auf dem Grund platziert und eine Drop-Kamera hat an diesem Vormittag Live-Bilder vom Meeresboden übertragen – spannender als jedes Fußballspiel.

Die Bäreninsel ist ein Naturreservat und bietet im Winter auch Eisbären einen Rückzugsort.
Die Bäreninsel ist ein Naturreservat und bietet im Winter auch Eisbären einen Rückzugsort.
© Viola Kiel

Während unser Schiff ruhig an einer Forschungsstation verweilt, wirft die Besatzung die Angeln aus –für das Mittagessen. Schiffskoch Thomas Wolff hat viele Jahre auf einem Fischereiboot gearbeitet und filetiert den Fang mit beherzten Schnitten an Deck.

Schiffskoch Thomas Wolff filetiert einen frisch gefangenen Kabeljau.
Schiffskoch Thomas Wolff filetiert einen frisch gefangenen Kabeljau. © Solvin Zankl

Selbst Sohn eines Seemanns ist Thomas Wolff in Rostock groß geworden, wo er seine Ausbildung zum Schiffskoch gemacht hat. Heute gibt es diesen Ausbildungsberuf nicht mehr, jeder gelernte Koch kann theoretisch, wenn er von der Landluft genug hat, anheuern.

Um des leiblichen Wohles der Besatzung willen muss der Schiffskoch alle drei Monate einen Großeinkauf an Vorräten tätigen. Bei einer Schiffsversorgeragentur kann Thomas unter mehr als tausend verschiedenen Produkten aus dem Katalog wählen, dann dauert es ungefähr acht Wochen, bis die bestellte Ware an Bord ist. Fleisch, das hier an Bord in rauen Mengen verzehrt wird, wartet tiefgefroren, bis es in die Pfanne kommt. Frischwaren – Obst, Gemüse oder Milchprodukte – werden in den Häfen gekauft und alles wird in verschiedenen Kühlräumen gelagert. Die Erdbeeren werden früher serviert, die Orangen können länger liegen. Und in manchen, vor allem kleineren Häfen ist das Angebot einfach nicht besonders groß. Die Kunst als Schiffkoch liegt also nicht nur in der Fähigkeit, gut zu kalkulieren, sondern auch darin, mit dem, was da ist, auszukommen. Nicht in jeder Forschungsgruppe sind gleich viele starke Esser – dieses Mal allerdings sei es eine „Fresstruppe“.  

Schiffsmechaniker Detlef Altmann kümmert sich mit viel Geduld um das Mittagessen.
Schiffsmechaniker Detlef Altmann kümmert sich mit viel Geduld um das Mittagessen. © Viola Kiel

Die Arbeit eines Schiffkochs beginnt in der Früh um 6 Uhr, der zweite Koch muss sogar noch eine Stunde früher aus den Federn. Nach zehn Stunden Arbeitszeit, eine Mittagspause muss schließlich sein, ist um 19 Uhr Feierabend, wenn auch die hungrigsten Wissenschaftler versorgt sind. Und satt werden die eigentlich immer – so satt, dass gegen Ende jeder Ausfahrt im Fitnessraum plötzlich reger Betrieb herrscht.

Freitag ist Fischtag – heute gibt es Kabeljau.
Freitag ist Fischtag – heute gibt es Kabeljau. © Viola Kiel



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