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MSM55 - ARCA

Eine schwimmende Stadt

29.06.2016, 11:21

Arctic Carbonate Factories (Svalbard) - M.S. Merian 55

Woher kommt eigentlich das Trinkwasser auf einem Schiff? Was passiert mit dem Müll? Und wie kommt der Strom in die Steckdosen der Kammern? Das technische Herz der Maria S. Merian sind die Maschinenräume unter Deck. Ben Rogers, der leitende Ingenieur an Bord, zeigt uns sein Reich.

Von Viola Kiel

Während der Fahrt vom ersten zum zweiten Arbeitsgebiet haben wir einen Tag Pause und kommen in das Vergnügen, einen Blick in das Allerheiligste der Maria S. Merian werfen: Der Leitende Ingenieur Ben Rogers führt uns durch die Maschinenräume, ein riesiges eigenes Reich unter Deck.

Im Windenraum unter Deck stehen diese zwei Einleiterwinden. Damit können wissenschaftliche Geräte bis in 6000 Meter Tiefe heruntergelassen werden.
Im Windenraum unter Deck stehen diese zwei Einleiterwinden. Damit können wissenschaftliche Geräte bis in 6000 Meter Tiefe heruntergelassen werden. © Kerstin Nachtigall

Sechs Leute arbeiten „in der Maschine“: drei Ingenieure, ein Elektriker, ein Motorwärter (oder eine Motorwärterin) und der Deckschlosser. Ben ist hier unten der Chef, einen Tag nach Indienststellung der MSM 2006 ist er an Bord gekommen und kennt alle Schalter und Schräubchen.

Ben Rogers ist Chief Engineer an Bord der Maria S. Merian und Herr über die Maschine.
Ben Rogers ist Chief Engineer an Bord der Maria S. Merian und Herr über die Maschine. © Bart van Heugten

Nicht ohne Stolz erklärt uns Ben, wie sein Schiff funktioniert: Die MSM ist mit vier Diesel-Elektromotoren ausgestattet, die bei einer Leistung von 5.200 Kilowatt Strom produzieren. Normalerweise laufen nicht alle vier Motoren gleichzeitig, sind zwei in Betrieb, liegt der jeweilige  Verbrauch bei 365 Litern Diesel – pro Stunde. Aber die Maßstäbe auf einem Schiff wie diesem sind einfach größer.

Als Antriebe nutzt die MSM zwei sogenannte Pods, Gondelantriebe mit Propeller, die sich um 360 Grad drehen lassen. Der Vorteil: Das Schiff ist sehr wendig und lässt sich präzise positionieren. Am Bug gibt es einen zusätzlichen Strahlantrieb – einen Pumpjet. Wasser wird in einen Düsenring, den man sich wie einen hohlen Donut vorstellen kann, gesogen und kann aus zwei Öffnungen wieder herausströmen. Der Pumpjet kommt vor allem bei Stationsarbeiten und dem An- und Ablegen zum Einsatz.

Für jede Schraube gibt es in der Maschinenraumwerkstatt den passenden Schraubenschlüssel.
Für jede Schraube gibt es in der Maschinenraumwerkstatt den passenden Schraubenschlüssel. © Kerstin Nachtigall

Aber auch das alltägliche Leben an Schiff erfordert technische Unterstützung. An einem durchschnittlichen Tag auf See werden ungefähr acht Tonnen Trinkwasser verbraucht. Wie lässt sich dieser Bedarf decken? Dafür gibt es zwei Wassertanks an Bord mit einer Gesamtkapazität von 100.000 Litern Wasser. Und jeden Tag schmeißt Ben die Frischwasseranlage an: Hier wird Meerwasser unter Druck durch eine Membran gepresst, wobei Salze und alles andere, was nicht ins Trinkwasser soll, herausgefiltert werden. Umkehrosmose wird dieses Verfahren genannt. Anschließend läuft das Wasser noch durch einen Aufhärtefilter.  Aus 5.000 Litern Seewasser können so pro Stunde 1.300 Liter Frischwasser gewonnen werden.

Auch das Abwasser wird gefiltert und bakteriell gereinigt, bevor es in der Seilwaschanlage wiederverwendet werden kann oder, wenn keine Stationsarbeiten sind, abgepumpt wird. Der Rest, der in Sieb und Filter bleibt, wird gesammelt und im Hafen abgegeben. Und auch anderer Abfall wird an Bord streng getrennt und gelagert. Papiermüll zum Beispiel kommt in den Schredder und wird in Pellets, die ungefähr so groß sind wie Eishockey-Pucks, aufbewahrt. Das spart Platz und der ist auf einem Schiff eben begrenzt.

Für seismische Untersuchungen gibt es drei Kompressoren an Bord der MSM – mit einem Gewicht von jeweils fünf Tonnen.
Für seismische Untersuchungen gibt es drei Kompressoren an Bord der MSM – mit einem Gewicht von jeweils fünf Tonnen. © Kerstin Nachtigall

Sie seien unter Deck wie die Heinzelmännchen, meint Ben, machen die Arbeit im Hintergrund. Ob Kanalisation, Kläranlage, Mülldeponie, Wasserspeicher oder Stromkraftwerk – auf der MSM gibt es alles. Für Ben ganz klar: „Ein Schiff ist eine schwimmende Stadt.“



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