Blogansicht

SO 250 KuramBio II Blog

Was los an Bord?! // What's Up on Board?!

30.08.2016, 12:37

Russian Version

 

Tagebuch, 30.August 2016

Forschung, Wellen, interessante Menschen und vor allen Dingen feuchter, ewiger Nebel, der uns tagein, tagaus auf unserer Fahrt begleitet. An den Nebel gewöhnt man sich irgendwann, an die Sonnenstrahlen, die ihn aber ab und an durchbrechen, nicht. Und wenn so ein Tag erscheint, stürmen so einige Wissenschaftler auf das von Winden behauste Sonnendeck des FS Sonne um so viel wärmende Strahlen wie möglich einzufangen. Diese Sonnenstrahlen, vereint mit dem Wind, haben auch mir heute Morgen ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Ich begebe mich zum gemeinsamen Frühstück und setze mich an einen Tisch zu drei weiteren Wissenschaftlern die die letzten zwei Wochen mit mir an Bord verbracht haben. Es gibt, wie jeden Morgen, leckeres und stärkendes Frühstück um positiv in den Tag zu starten. Noch beim Frühstück werden die neuesten Nachrichten untereinander verbreitet und ich nehme an, dass ich mich langsam auf einem aktuellen Stand befinde. Der Großkastengreifer (GKG) sei heute in der Frühe zwei Mal zu Wasser gelassen worden, weil er das erste Mal mit nur einer schiefen und gestörten Sedimentoberfläche zurück ans Deck gekommen sei. Dafür seien aber im zweiten Einsatz fünf Tiere der Ordnung Bivalvia („Muscheln“) von fünf unterschiedlichen Arten zu Tage gekommen. Ein schönes Ergebnis, welches zeigt wie artenreich es im Hadal, der tiefsten Tiefsee, aussehen kann.

Die Ergebnisse in der Wissenschaft sind nicht immer im Voraus zu erahnen und so kommt es, dass wir auf unserer Fahrt stets die Stunden bis zum nächsten Einsatz in unseren Köpfen herumwälzen. Der Zeitplan, oder sogenannte Stationsplan, ist für jede der 11 Stationen von Fahrtleiterin und Isopoda (Meeresasseln)-Spezialistin Prof. Angelika Brandt im Voraus berechnet und gibt stets die Anzahl an Stunden an, die pro Einsatz eines Gerätes benötigt werden. Währenddessen wir an einer Station halten, wird 24 Stunden in Schichten durchgearbeitet. Die meisten Wissenschaftler sind für ein bis zwei Geräte eingeteilt. Zwischen den Einsatzzeiten werden die bereits vorhandenen Proben auf- bzw. abgearbeitet. Das bedeutet, dass die in hochprozentigem Ethanol fixierten Tiere aus der Tiefsee unter einem Mikroskop oder Binokular (je nach Größe der Fauna) angesehen und, wenn möglich, auf Artniveau bestimmt werden. Die Proben wurden bereits nach Ankunft an Deck gewaschen und in einem Kautex-Gefäß mit einem Etikett versehen. Auf der KuramBio II Expedition wird zum ersten Mal eine vereinte Datenbank verwendet, die mühselig von Karen Jeskulke und Saskia Brix vor der Fahrt erstellt wurde. Diese Datenbank soll verhindern, dass nach der Fahrt eine der gesammelten Proben verloren geht, was durchaus passieren kann bei den vielen verschiedenen Systemen in den diversen Ländern. Sie soll einen Überblick verschaffen und den Wissenschaftlern, die nach der Fahrt wieder in der Welt zerstreut sein werden, die Arbeit und den internationalen Austausch von Material und Informationen erleichtern.

 Sonnenstrahlen tanken (von links): Mariam Duncker, Melanie Fuchs und Angelina Eichsteller © Johanna Bober
 Sonnenstrahlen tanken (von links): Mariam Duncker, Melanie Fuchs und Angelina Eichsteller
© Johanna Bober

Nach dem Frühstück haben die Wissenschaftler zwei Stunden Zeit um ihren verschiedenen Tätigkeiten nachzugehen, bis zum gemeinsamen Tee um 10 Uhr. Anschließend versammeln sich alle im Besprechungsraum neben der Messe um der täglichen Besprechung beizuwohnen. Meiner Ansicht nach, ist dies der wichtigste Moment des Tages. Denn in den ersten Wochen werden die Forschungsthemen der ForscherInnen vorgestellt um Hintergrundinformationen zu liefern und einen Eindruck zu vermitteln, woran die einzelnen Personen gerade arbeiten. Dies ist für alle von Vorteil, da man sich mit diesen Informationen zuarbeiten kann. Die Tiere die von dem einen erforscht und von dem anderen gesammelt und gefunden werden, können so schnell an die entsprechende Person weitergereicht werden. Somit ist ein interkultureller und interdisziplinärer Austausch gewährt. Man kommt schnell mit dem ein oder anderen ins Gespräch, erlangt Inspiration und Ideen durch die Forschung des anderen und entwickelt womöglich neue Ansätze. Das ist wohl auch, meiner Ansicht nach, einer der wichtigsten Vorteile dieser Forschungsfahrt; das Zusammenbringen von Spezialisten um effizientere Forschung betreiben zu können. Sobald man also ein Tier in einer Probe entdeckt, braucht man lediglich den Raum zu wechseln um die Koryphäe für diese Tier-Familie zu finden.

Kurzer Plausch im Labor (von links): Ulrike Minzlaff, Marco Bruhn, Mariam Duncker, Nele Heitland, Angelina Eichsteller, Alexandra Petrunina, Johanna Bober, Karen Jeskulke und Saskia Brix © Karen Jeskulke
Kurzer Plausch im Labor (von links): Ulrike Minzlaff, Marco Bruhn, Mariam Duncker, Nele Heitland, Angelina Eichsteller, Alexandra Petrunina, Johanna Bober, Karen Jeskulke und Saskia Brix
© Karen Jeskulke

Wie gewohnt, beginnt die Besprechung mit Prof. Angelika Brandts Aussicht für die nächsten Stationen, das Wetter (es bleibt stets nebelig) und die neuen Erkenntnisse zur Bodenbeschaffenheit des Kuril-Kamtchatka-Grabens. Heute hören wir einen Vortrag über die Fischgruppe der Zoarcidae („Aalmuttern“) von Gento Shinohara und über die Ostracoda („Muschelkrebse“) von Hayato Tanaka und Hyonsu Yoo. Jeder von ihnen hofft auf gute Proben und auf Mithilfe der Kollegen an Bord. In ein paar Tagen wird jeder sein Thema vorgestellt haben und dann beginnt die Probenauswertung und das Aufzeigen erster Ergebnisse. Es gab schon einige sensationelle Funde.

 

Nach der Besprechung gehen wir mit freudigem Erwarten in die Messe um das Mittagsessen zu uns zu nehmen und einen erwartungsvollen Blick auf das schwarze Brett zu werfen, das täglich neue Überraschungen bereithält. Heute liegt ein Hut mit Zettelchen aus und auch ich verspüre einen kleinen Nervenkitzel als ich hineinblicke. Noch 5 Zettelchen über! Sobald der Hut all seiner Zettel beraubt ist, wird unser Schiffsspiel „The Killing Game“ starten, das in etwa wie das Gemeinschaftsspiel „Werwolf“ funktioniert.
Danach teilt sich die Menge wieder und jeder einzelne macht sich zurück an seine Arbeit, ob am Computer in der Kammer oder am Mikroskop im Labor – jeder hat etwas zu tun. Mich zieht es regelmäßig in das „Nasslabor II“ wo ich mich mit dem Etikettieren und Fixieren von Proben aus dem Agassiz-Trawler (AGT) beschäftige. Dazu gehört auch die Protokolle mit den Damen der Datenbank zu besprechen, eventuelle Fehler zu erkennen und nachträglich abzuändern. Manchmal fällt es mir trotz des innovativen Systems schwer den Überblick über die Proben zu behalten, so viele sind über dem ganzen Schiff bei den unterschiedlichen Spezialisten verstreut. Auch die nachträglichen Korrekturen und Wechsel von Gefäßen können einen manchmal verwirren. Am Ende des Tages sind jedoch alle Kautex-Nummern verteilt und der nächste Einsatz des AGT kann beginnen.

Das Agassiz-Trawl kommt zurück an Deck © Gento Shinohara; (rechts) Proben protokollieren und etikettieren © Johanna Bober
(links)Das Agassiz-Trawl kommt zurück an Deck © Gento Shinohara;
(rechts) Proben protokollieren und etikettieren © Johanna Bober

Wenn zwischendurch Zeit ist und ein kleiner Hunger aufkommt, kann man sich gegen drei Uhr auch gerne in der Messe zu Kaffee und einem Stück Kuchen niederlassen. Der Schoko-Kokos-Kuchen hat es mir besonders angetan und so versuche ich heute mein Glück. Der nächste AGT-Einsatz ist erst für die frühen Morgenstunden geplant. Das heißt, dass man vorher noch den Fitnessraum aufsuchen kann oder sich zur Sozialisierung in den Hangar begibt um dort zum Beispiel eine Runde zu Kickern. Sportliche Betätigung an Bord ist, zumindest für mich, essentiell um überschüssige Energien los zu werden und um zu entspannen. Um den Kopf frei zu bekommen ist ein Besuch an Deck ebenfalls „bei jedem Wetter“, also bei Nebel, zu empfehlen.

geblogged von:
Mariam Dunker
Centre of Natural History Hamburg, Zoological Museum


 

Daily log, 30. August 2016

What’s Up on Board?!

 

Research, waves, fascinating people and above all, humid endless fog day in and day out during our journey. Eventually, you get used to the fog. However, the sunbeams that now and then pass through the mist are always news to us. When one of these fine days arises all the scientists go out on the windy deck of the RV Sonne to feel the warmth of the sun. These beams and the light breeze also put a smile on my face this morning. I go to the mess to attend the common breakfast and I sit together with three other scientists who spent the last two weeks with me on board. Like on every other morning, the breakfast is tasty and rich and a very positively start of the day. While having breakfast news are exchanged and I suppose that I am up to date. Today early in the morning the box corer was put twice into the water, because the first deployment brought a disturbed upper layer of sediment on deck. As a compensation, the second deployment brought 5 animals of the order Bivalvia (“mussels”) from 5 different species on board. A very good result, since it shows the biodiversity in the hadal zone, the deepest zone of the deep sea.

The scientific results of a research expedition cannot be anticipated and thus, and as we are curious we always count the hours until to the next deployment of gear. The time table, i.e. station plan, is estimated for all 11 stations by expedition leader and isopod (crustacean) specialist Dr. Angelika Brandt and shows the amount of hours needed by each gear. While stopping for a station we work 24 hours in shifts. Most scientists are appointed for 1 or 2 of the gear. The samples were washed when arriving on deck, put into Kautex containers and labelled. Between the deployments the samples are processed. The animals from the deep sea, fixed in 96% ethanol, are sorted and identified under the microscope or binocular (depending on the size of the fauna). During the KuramBio II expedition an updated new data base is used by Saskia Brix and Karen Jeskulke for sampling protocols and sorted material. This data base shall prevent samples being lost, which actually could happen because of the division of samples to many different scientists (countries). It shall also give an overview and facilitate exchange of material and information between the scientists working on the material in their home laboratories.

Catching some rays (from left): Mariam Duncker, Melanie Fuchs und Angelina Eichsteller © Johanna Bober
Catching some rays (from left): Mariam Duncker, Melanie Fuchs und Angelina Eichsteller
© Johanna Bober

After breakfast we have 2 hours for individual tasks until tea time at ten o’clock. Following tea time, all gather in the meeting room adjacent to the mess for the daily meeting. In my opinion this is the most important moment of the day, since the first weeks the research topics are presented to give background information and an impression what everyone is working with at the moment. This is of advantage for everybody because the information can help us supporting each other. Animals investigated by one person and found and sampled by the other, can quickly be handed on to the appropriate scientist. Due to this an interdisciplinary (and intercultural) exchange is guaranteed. It is easy to start conversations, to gain insights and inspiration from the other’s research and, maybe, some new approaches are developed. This is, in my opinion, a real advantages of this expedition, the exchange of specialists favors more efficient research. As soon as one finds an animal in a sample, you only need to go to the world leading scientist for this animal group

Laboratory chat (from left): Ulrike Minzlaff, Marco Bruhn, Mariam Duncker, Nele Heitland, Angelina Eichsteller, Alexandra Petrunina, Johanna Bober, Karen Jeskulke und Saskia Brix © Karen Jeskulke
Laboratory chat (from left): Ulrike Minzlaff, Marco Bruhn, Mariam Duncker, Nele Heitland, Angelina Eichsteller, Alexandra Petrunina, Johanna Bober, Karen Jeskulke und Saskia Brix
© Karen Jeskulke

As usual, the meeting starts with Angelika Brandt’s outlook for the next stations, the upcoming weather (never ending fog) and new insights sediment properties of the Kuril Kamtchatka Trench. Today we listened to Gento Shinohara‘s presentation on the fish order Zoarcidae („eelpouts“) and Hayato Tanaka’s and Hyonsu Yoo’s presentation on Ostracoda („mussel shrimps“). All of them are hoping for good samples and the help of the colleagues on board. In a few days everybody will have held a talk on their topics and then data analysis and assessment starts and the presentation of first results. There have been some sensational findings already.
After the meeting we go hungry to the mess to have lunch and excitedly  check black board for new information and surprises. Today a hat was laying in front of it, containing notes, and also I am feeling some excitement when I lean over it. Only 5 notes left!  As soon as the hat will be empty, the “Killing Game” will start, which works almost as the game “Werewolf”. After lunch, the scientists go back to their tasks, either to the computer in the cabins or to the microscope in the laboratory – everybody always has some work to do. I regularly feel the call of the “Wet Lab II” where I dedicate myself to labelling and fixation of samples of the Agassiz Trawler (AGT). Included in this work is the discuss the protocols with the Ladies of the data base, if they find mistakes these have to be corrected afterwards. Despite this innovative system I sometimes find it hard to keep track on the samples, as many are distributed all over board. Also, the constant changes in the protocol and of Kautex containers doesn’t make it easy, as several people are working on the material simultaneously. At the end of the day however, all Kautex numbers are shared and the next deployment of the AGT can start.

(left) The Agassiz Trawler gets back on deck © Gento Shinohara Image 4: (right) sample recording and labelling © Johanna Bober
(left) The Agassiz Trawler gets back on deck © Gento Shinohara
(right) sample recording and labelling © Johanna Bober

In the afternon, if there is time or appetite, one can visit the mess at three o’clock to  have coffee and some cake. Since the chocolate coco cake made a great impression on me, I decide to try my luck. The next AGT isn’t planned before early morning, which means that I can either visit the fitness centre or adjourn to the hangar for socialisation like playing a round of table-top football. For me sport is essential in order loose excessive energy or to relax. To clear one’s mind, a visit to the deck can be recommended in any weather - which means foggy conditions.

blogged by:
Mariam Duncker
Centre of Natural History Hamburg, Zoological Museum

 




Vorheriger Eintrag | Nächster Eintrag

Eigenen Kommentar hinzufügen




Kommentar absenden

https://die-welt-baut-ihr-museum.de