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SO 250 KuramBio II Blog

Rekorde brechen: Der tiefste Multicorer // Breaking records: The deepest Multicorer

07.09.2016, 08:45

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Tagebuch, 6. September 2016

Am Morgen des 5. September um 11:38 (UTC) landet der Multicorer (MUC) auf dem Tiefseeboden in 8735 m Tiefe im Kurilen-Kamtschatka Graben (Station SO250-51; 45° 28.751’N 153° 11.644’E). Das Gerät stand nur 30 Sekunden am Boden und wurde so schnell wie möglich wieder gehievt. Dies war unsere zweite Chance. Der MUC-Einsatz zuvor hat nicht funktioniert und kam nach sechs Stunden leer an Deck. Auch die zwei Kastengreifereinsätze vorher waren nicht zufriedenstellend, das Sediment hatte den Deckel des Gerätes erreicht.

Der Multicorer ist zurück an Deck aus 8735 m Tiefe. © Pedro Martinez
Der Multicorer ist zurück an Deck aus 8735 m Tiefe
© Pedro Martinez

Das Sediment in diesen Tiefen ist extrem weich, die oberste Schicht ist fast flüssig, so dass die Geräte mehr als einen Meter in das Sediment sinken und beim Hieven nicht den notwendigen Widerstand bekommen, um auszulösen und eine Probe an Deck zu holen. Für den zweiten MUC-Einsatz haben wir die Füße verlängert, so dass er länger war und wir haben ihn außerdem so schnell wie möglich wieder vom Grund nach oben geholt, so dass er nicht so tief ins Sediment sinken konnte. Nach weiteren drei Stunden nervösen Wartens kam der MUC an Deck mit einer wunderbaren Probe. Alle 12 MUC-Rohre waren mit Sediment gefüllt und hatten eine ca. 10 cm hohe Wasserschicht über der Probe – einfach perfekt! Schon bei dem ersten schnellen Blick auf die Oberfläche der Proben haben die Wissenschaftler kleine Seegurken und Würmer auf dem Sediment liegen sehen.
Dieser MUC-Einsatz war ein besonderer. Nach unseren Datenaufzeichnungen war dies der tiefste erfolgreiche MUC-Einsatz, der weltweit jemals gefahren wurde, um Meiofauna zu analysieren. Bisher lag der tiefste Einsatz eines Multicorers bei 7150 m Tiefe, der MUC wurde 2011 von unserem japanischen Kollegen Itoh im Ryukyu Trench, südlich unseres Arbeitsgebietes, gefahren. Die tiefste publizierte Analyse von Meiofaunamaterial basiert auf einer Aufsammlung von 1979. Damals hatten George und Higgins einen Großkastengreifer in 8.580 m Tiefe eingesetzt. Ein Bericht über den tiefsten Fund von Meiofauna wurde im letzten Jahr publiziert. Daniel Leduc und Mitarbeiter sammelten Meiofauna mit einem Kamerasystem, woran 3 Greifer montiert waren, aus dem Tonga Graben in 10.800 m Tiefe.

Bearbeiten der MUC-Proben im Kühlraum. © Alexandra Petrunina
Bearbeiten der MUC-Proben im Kühlraum
© Alexandra Petrunina

Im Labor haben wir sogleich eine reiche Gemeinschaft an Copepoden (Ruderfußkrebsen), Nematoden (Fadenwürmern) und Kinorhynchen (Hakenrüssler) entdeckt, sowie den tiefsten Nachweis von Ostracoden (Muschelkrebse), der jemals gemacht wurde. Letztere Entdeckung war besonders überraschend, da man bisher angenommen hatte, dass Ostracoden in diesen Tiefen aufgrund des enormen Druckes von 800 Atmosphären nicht existieren können, weil durch den Druck ihre Kalziumkarbonat-Gehäuse aufgelöst werden würden.

Ostracode der Gattung Cytheropteron in Dorsalansicht. Dies ist der tiefste Nachweis. © Hayato Tanaka
Ostracode der Gattung Cytheropteron in Dorsalansicht. Dies ist der tiefste Nachweis
© Hayato Tanaka

Diese Probe war ein großer Erfolg! Die weitere Analyse der Proben in unseren Heimatlaboren wird uns sicher weitere Rekorde und Überraschungen bescheren.

geblogged von:
Pedro Martinez Arbizu
Deutsches Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, Wilhelmshaven


 

Daily log, 6. September 2016

Breaking records: The deepest Multicorer

 

The morning of the 5th of Sept 2016 at 11:38 (UTC) the Multicorer touched the bottom at 8735 m depth in the Kuril-Kamchatka Trench (Station SO250-51; 45° 28.751’N 153° 11.644’E). The gear stayed just 30 seconds at the bottom before it was retrieved from the ground as soon as possible. This was our second chance. The previous Multicorer deployment at this station failed to bring a sample after 6 hours. Also 2 previous Box Corers were unsatisfactory.

Der Multicorer ist zurück an Deck aus 8735 m Tiefe. © Pedro Martinez
Der Multicorer ist zurück an Deck aus 8735 m Tiefe
© Pedro Martinez

The sediments at this depth are extremely soft and the first layers of sediment are very liquid, so that the gears sink into the mud for more than one meter and do not find the necessary resistance at the bottom to operate properly. For the second Multicorer deployment we extended the feet of the gear, so that it was taller and tried to retrieve it as quick as possible from the ground so that it will not sink deeply into the sediment. After additional 3 hours of waiting, the Multicorer came on deck with a wonderful sample. All 12 corers were filled with sediment and there were still some 10 cm of overlaying bottom water, so that the sample was perfect. Soon after a quick look into the corer, scientist recognized some small holothurians and worms on the sediment.
This Multicorer is a special one. According to our records, this is the deepest multicorer successfully deployed to collect meiofauna samples. Until now the deepest multicorer deployment was achieved at 7150 m depth by our Japanese colleague Itoh in 2011 when collecting meiofauna in the Ryukyu Trench to the South of our study area. The deepest meiofauna study was published last year. Daniel Leduc and coworkers collected meiofauna with a camera system on which 3 corers were attached from the Tonga Trench in 10.800 m.

Processing the MUC-samples in the coolroom. © Alexandra Petrunina
Processing the MUC-samples in the coolroom
© Alexandra Petrunina

In the lab we discovered a rich sample of copepods, Nematodes Kinorhyncha. Also the deepest record of an Ostracod ever. This was very surprising, as it was previously assumed that Ostracods cannot live at these depths, because the enormous pressure (800 atmospheres) would dissolve their calcareous shell. 

Ostracod of the genus Cytheropteron in dorsal view. It is the deepest record. © Hayato Tanaka
Ostracod of the genus Cytheropteron in dorsal view. It is the deepest record
© Hayato Tanaka

This sample was a great success. The analysis of this samples in the lab, back home will break additional records and bring us many more surprises.

geblogged von:
Pedro Martinez Arbizu
German Centre for Marine Biodiversity Research, Wilhelmshaven



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