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Relative Zeitrechnung und neue Entdeckungen // Unusual time scales and new discoveries

12.09.2016, 10:36

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Tagebuch, 12. September 2016

Relative Zeitrechnung und neue Entdeckungen

Nach fast drei Wochen auf See hat sich für jeden von uns eine gewisse Routine ergeben und der einzelne Tag ist – bedingt durch den eigenen Rhythmus – zu einem Selbstläufer geworden. So kommt es, dass Wochentage nunmehr irrelevant sind. Was zählt ist, ob es zum Mittag Eis als Dessert gibt oder nicht. Dann weiß man, dass es Donnerstag (Schiffssonntag) oder Sonntag ist oder eben nicht. …oder ob es Fisch gibt, dann ist es natürlich Freitag.  Zeit wird auch nicht mehr in Minuten oder Stunden gemessen, sondern in Metern Wassertiefe und Geschwindigkeit [m/s] des Drahtes, an dem die Geräte hängen, mit welchen wir den Grund des Ozeans beproben. So kann man sehr gut abschätzen, wann man wieder arbeiten, also Proben sortieren und fixieren muss. Zeit ist wirklich „relativ" und verstreicht hier auf See, wo Relationen so allgegenwärtig sind, wie im Flug.

Deployment des MUCs. © Melanie Steffen
Deployment des MUCs.
© Melanie Steffen

So mancher von uns erwischt sich zum Beispiel dabei 5000 m Wassertiefe nicht mehr als ‚tief‘ zu empfinden, was daran liegt, dass wir vor allem auf die Stationen gespannt sind, die in 8000 m oder sogar 9500 m Tiefe liegen. Diese Tiefen wurden vorher in unserem Untersuchungsgebiet des Kuril-Kamchatka Grabens noch nie von deutschen Forschungsschiffen biologisch beprobt. Wir leisten also echte Pionierarbeit. Sei es mit dem MUC, dem Boxcorer, C-EBS oder dem Agassiz trawl (AGT), jegliche Proben, die dem Benthos entnommen werden, sind buchstäblich Gold wert, da sie uns ganz neue Aufschlüsse über das Leben in der abyssalen und hadalen Tiefsee geben.

Ein Stein, geborgen aus 6500 m Tiefe mit dem AGT. (Station A5) © Melanie Steffen
Ein Stein, geborgen aus 6500 m Tiefe mit dem AGT. (Station A5)
© Melanie Steffen

So haben wir erst kürzlich mit dem AGT fünf Schwämme aus 8200 m Tiefe sammeln können. Der Tiefen-Rekord für Schwämme liegt aktuell bei 8840 m (Asbestopluma (Asbestopluma) occidentalis) (Koltun 1970)! Es ist also gut möglich, dass auf unserer Expedition neue Tiefen-Rekorde für  verschiedene Schwammarten aufgestellt werden.

Fünf Schwamm Individuen aus 8200 m Tiefe. © Melanie Steffen
Fünf Schwamm Individuen aus 8200 m Tiefe.
© Melanie Steffen

Auch nachdem nun über die Hälfte unserer Expedition vorüber ist, bleibt die Spannung also geballt, in freudiger Erwartung neuer großartiger Entdeckungen.

geblogged von:
Melanie Fuchs, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt

 


 

Daily log, 12. September 2016

Unusual time scales and new discoveries

 

After three weeks at sea a certain routine has developed for all of us and every single day is going by with its own rhythm. Consequently weekdays have become irrelevant. What counts is whether there will be ice cream for dessert or not. If so every one of us on board will know that it is Thursday (Ship Sunday) or Sunday.  …and if there is fish for dinner, then of course we all understand that it is Friday. Time is also not being measured in minutes or hours any more but in meters water column and winch speed [m/s] of the gear that is currently deployed to collect samples from the ocean benthos. With these measurements it is much more convenient to estimate at what time one has to go back to work, fixing and sorting samples. Thus time really is relative and goes by so quickly – here at sea in the middle of the Pacific Ocean – where relations are omnipresent.

Deployment of the MUC. © Melanie Steffen
Deployment of the MUC. © Melanie Steffen

We even catch ourselves with the thought that 5000 meters water depth is not ‘deep’ any more just because we are so eager and curious about sampling at our deepest stations in 8000 m and even 9500 m water depth. These hadal depth ranges have never before been sampled in our sampling area at the Kuril-Kamchatka trench. We are true pioneers! Be it with the MUC, the boxcorer, C-EBS or the Agassiz trawl (AGT) all samples collected from the deep oceanic benthos are real dimes because they provide us with so much new data and cues about life at these extreme hadal depths of the Pacific Ocean.

Ein Stein, geborgen aus 6500 m Tiefe mit dem AGT. (Station A5) © Melanie Steffen
Ein Stein, geborgen aus 6500 m Tiefe mit dem AGT. (Station A5)
© Melanie Steffen

Just recently we have collected five sponge specimens from 8200 m depth. At present the depth record for sponges is 8840 m (Asbestopluma (Asbestopluma) occidentalis) (Koltun 1970)! It is thus quite likely that we might break old records and set new ones for different species on our expedition.

Five sponge specimens from aus 8200 m depth. © Melanie Steffen
Five sponge specimens from aus 8200 m depth.
© Melanie Steffen

So even though half of our expedition is already over, excitement stays high and our eagerness for new discoveries remains.

blogged by:
Melanie Fuchs, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt

 


 

 

 



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