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SO 250 KuramBio II Blog

Container packen - Einen Tag mit Profis arbeiten // Container packing - working a day with professionals

26.09.2016, 08:29

Russian Version

 

Tagebuch, 24. September 2016

Hallo geneigte Leser. Ich bin es: Nils.

Heute, kurz vor Abschluss der Fahrt, müssen wir zwei 20-Fuß-Überseecontainer packen. Das bedeutet wir müssen 8 Großgeräte zwischen 450 kg und 1100 kg und 135 weitere Kisten, Tonnen, Gitterboxen, Schachteln, Kanister, Stangen, Ersatzteile, Dosen und Döschen wieder einpacken. Fast 10 Tonnen Fracht, die wir schnell, sicher und effizient verpacken müssen. Nichts darf vergessen oder dem Zufall überlassen werden.
Das Ganze ist logistisch hoch komplex, verlangt Organisationstalent und erfordert vorausschauende Planung. Wir haben viel Zeit auf die Planung verwandt und cm-genau geplant.
Das alles ist natürlich Routine für uns. Schon oft gemacht und alles kein Problem. Ich denke dass wir in einer Stunde alles erledigt haben.
Und dann ist es gute Tradition nach der Arbeit ein kühles Bier zu trinken. Also stelle ich schon mal eine Kiste hinter dem Container im Schatten bereit.
Und los geht es, die Containertüren auf, den Kran eingeschaltet und hoch motivierte Kollegen, die schon die ersten Kisten, emsig wie Eichhörnchen, die sich auf den Winter vorbereiten, in die Container tragen. Zwei Kollegen führen Protokoll und notieren jedes Teil, das in die Container geht um nicht den Überblick zu verlieren.
Wir sind noch dabei den Box-Corer mit dem Kran zur Containertür zu manövrieren, da ist der vorgesehene Stellplatz schon mit drei Lagen Kisten belegt. Zwei, drei freundliche Anweisungen und die Kollegen tragen die Kisten wieder weg. Sofort danach landet der Tiefseeschlitten im Container. Jetzt können die Kisten oben drauf. Die sind aber inzwischen im anderen Container verstaut. Eine nachträgliche Prüfung der Kistennummern ergibt, dass die Hälfte der Kisten im falschen Container ist. Natürlich die unteren. Zwei, drei Anweisungen und die Kollegen tragen die Kisten wieder zurück.
Während ich versuche die Ordnung im Container wieder herzustellen, scheint es Probleme im anderen Container zu geben. Ich sprinte mal rüber. Die Gitterboxen stehen falsch herum. So kommen wir nicht weiter. Jetzt müssen wir die Gitterboxen wieder auslehren, umdrehen und wieder voll machen.
Hinter mir kracht der 800 kg schwere Video-Schlitten in die Containerwand. Verdammt! Nur ein beherzter Sprung zur Seite bewahrt einige Kollegen, die aus naheliegenden Gründen alles fallenlassen was sie gerade so tragen, vor Schlimmeren. Zwei, drei freundlich über Deck gerufene Befehle und alle sammeln sich und alles wieder auf. Dann fädeln wir den Video-Schlitten ordentlich in den Container ein. Davor stellen wir noch das große Plankton-Netz und 30 Kisten.

„3D-Tetris für Große“.  Um das Containerpacken möglichst sinnvoll vorzuplanen, wird das Packen für jeden Container simuliert. Damit ist sichergestellt, dass alle Packstücke passend zueinander untergebracht werden. © Nils Brenke
„3D-Tetris für Große“. Um das Containerpacken möglichst sinnvoll vorzuplanen, wird das Packen für jeden Container simuliert. Damit ist sichergestellt, dass alle Packstücke passend zueinander untergebracht werden.
© Nils Brenke

Jetzt noch den Multi-Corer zwischen den Schlitten und die Kisten einparken. Ich hatte vorher alles exakt ausgemessen, aber irgendwie passt das nicht. Ob der Container in den letzten Wochen geschrumpft ist? Den Container können wir wohl nicht nochmal leer machen. Mist. Also hole ich einen Trennschneider aus der Werkstatt. Schnell die Schutzbügel vom Rahmen abgetrennt und es passt. Na bitte! Die Bügel können wir zu Hause wieder dran schweißen. Da hören wir leise Rufe von der Rückseite der Geräte. Da haben wir wohl jemanden eingebaut. Nachdem wir einige Kisten wieder abgetragen haben krabbeln drei unserer Freunde heraus. Sowas kann passieren.
Derweil haben wir offensichtlich die Kontrolle über die Situation im anderen Container verloren. Während die Kollegen vorne die Kisten einladen und kräftig schieben fallen andere Kisten hinten wieder heraus. Läuft! Ich kann nicht erkennen was sich gerade im Container abspielt, da mir eine lose Schüttung verschiedener kostspieliger Forschungsgeräte die Sicht versperrt. Zwei, drei über Deck gebrüllte Befehle und die Kollegen tragen die Kisten wieder raus. Sch… Schade um den Zeitplan, egal, dann dauert es eben etwas länger. Und überhaupt habe ich nie von einer Stunde gesprochen!
Jetzt höre ich, dass einige Kisten fehlen. Vermutlich sind sie bereits im anderen Container verladen. Wer kann das schon wissen? Zum Glück stehen einige Kisten auf beiden Listen. Wir streichen einige davon aus den Papieren, dann stimmt es irgendwie wieder.
Bleibt nur noch das Problem mit dem Box-Corer. Wir machen den wieder am Kran fest, hoch und rein damit. Na ja, passt oben und rechts nicht so ganz. Nochmal etwas raus, wieder rein. Jetzt passt das Ding überhaupt nicht. Ich sortiere die Leute mal um: unsere Stärksten nach drinnen in den Container: ziehen. Alle anderen draußen: schieben. Ich erkläre diesen Handlungsablauf nochmal allen im Einzelgespräch und führe pantomimisch vor was ich meine. Ziehen geht so, schieben geht andersherum. Alles klar?!
Nach gut einer weiteren Stunde, viel Schweiß, vielen unschönen Worten haben wir es geschafft den Box-Corer an Ort und Stelle zu platzieren. Ihr glaubt ja nicht wie viele unanständige Wörter aus fünf Sprachen man in einer Stunde lernen kann. Jetzt noch den ganzen Kleinkram reinwerfen und die Spanngurte gleichmäßig über die Geräte und Kisten hängen.
Geschafft, alles ist verstaut. Überall ein breites Grinsen. High Five abklatschen. Die Sonne ist weitergewandert, das Schiff hat sich gedreht, das Bier stand für Stunden in der Sonne. Aber egal jetzt, verschwitzt, dreckig aber glücklich hat sich unser Team das 18° warme Bier wirklich verdient. Einen Tag mit Profis arbeiten, na super.
(Achtung: Satire)

geblogged von:
Nils Brenke
Deutsches Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, Wilhelmshaven


 

Daily log, 24. September 2016

Container packing - working a day with professionals

 

Hello interested reader. This is Nils.

Today, shortly before the end of the expedition, we need to pack two 20-foot shipping containers. This means we have to pack eight large sampling instruments between 450 kg and 1100 kg, and 135 more packing items like barrels, wire baskets, boxes, cans, weight bars, spare parts, and jars. Nearly 10 tons of cargo, which we need to pack quickly, safely and efficiently. Nothing should be forgotten or left behind by chance.
The enterprise is logistically very complex and requires organizational skills as well as much planning in advance. We have spent a lot of time on accurate planning centimeter by centimeter of container space.
All this of course is routine for us. It has often been done and is not a problem. I think that we have done everything in an hour. And it's a good tradition to drink a cold beer after this heavy work. Therefore, I already placed a box of beer behind the container in the shade.…and off we go, open the container doors, turn on the crane and a group of highly motivated scientists who already carry the first boxes, like busy squirrels preparing for winter, to the containes . Two colleagues keep a log and record every item that goes into the container in order not to lose track.
We are still in the process to maneuver the giant box corer with the crane to the container door when we realize that the planned space for it is already occupied by three layers of boxes. Two, three -friendly instructions and the colleagues carry the boxes out again. Immediately thereafter, the deep-sea epibenthic sledge is stowed into the container. Now the boxes can be placed on top of it. But these are now stored in the other container – the wrong one. The subsequent check of the box numbers shows that half of the boxes have now been placed in the wrong container. Of course, these are the boxes in the lower level row. Two, three instructions and the colleagues carry the boxes back out again.
While I try to get everything back in order in that container, some problems seem to arise in the other one again. So I go and check. The grid boxes are set up the wrong way around, we cannot continue like this. Now we have to empty the grid boxes, turn them around and place everything back in again.
Behind my back the 800 kg video sledge is banging against the container wall. Damn! Only a jump to the side of some of my colleagues who just let fall what they carried saved them. Two to three kind remarks over the deck and everything is being picked up again. Then we maneuver the video sledge into the container and in front of this we place thee large multinet and 30 boxes. Now the multicorer and the epibenthic sledge into the container again and the last boxes around. I have measured everything in advance up to the detail, but now it is not going to fit. Did the containers shrink during the last weeks? We cannot unload this all once more. Damn! Then I get to the tool shop and get out the splitter and take of some parts from the frame until it fits. Problem solved! We can weld and fuse these parts again at home. Now I hear some voices behind the gear and realize that some colleagues must be in the rear of the container, so we have to get some boxes out again in order to let them come out. Shit happens!

 Container plan. Bild 1: „3D-Tetris“.  © Nils Brenke
 Container plan. Bild 1: „3D-Tetris“
  © Nils Brenke

In the meantime we have lost the control over the other container again. While some colleagues load it from the front, some items fall out at the end. I cannot see what happens there, as some gear prevent sight, however, when I asked the scientists to take care of this they took some of the boxes out again. Damn, it all takes much longer than expected. …and by the way, I never mentioned we would manage in one hour…

Now I am told that some boxes are missing. They are possibly loaded into the container without marking this in thee protocol. Who knows! Thank God, some are listed twice and we can omit these and everything is in order again.

Inly the problem with the box corer remains. We fix it to the crane; lift it up and want to place it into the container. Hmmh, it does not quite fit at the top and to the right. Take it out again and back in. Now it does not fit at all! Now we have to sort the colleague by strength. The strong one have to pull it into the container, the others push from the outside. I explain this again pull like this and push in the opposite direction – understood!??

After another hour of hard work, a lot of sweat, and some oaths we have managed to place the box corer back in place. Your will not believe how many swearwords one can learn in one hour and in five languages…. Now stow all odds and ends tighten the security belts around the devices and boxes and, everything is stowed! Everywhere wide grins in the faces. The sun has moved further, the ship has turned, the beer stood in the sun for hours. But no matter now, sweaty, dirty but happy our team really deserves the 18° warm beer. A day with professionals - phantastic!

(Warning: Satire)

blogged by:
Nils Brenke
German Centre for Marine Biodiversity Research, Wilhelmshaven

 



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